Die Millionenpleite um die Firma Nothegger Transport Logistik GmbH sorgte Anfang März für ein gewaltiges Beben in der heimischen Frächterszene. Schließlich geht es um Hunderte Jobs. Am Montag fand am Innsbrucker Landesgericht die Berichts- und Prüfungstagsatzung statt. Dabei wurde der Status quo erörtert. Das Ringen um den Fortbestand geht jedenfalls weiter.
Am 9. März war über das Vermögen der Firma Nothegger Transport Logistik GmbH mit Sitz in St. Ulrich am Pillersee (Bezirk Kitzbühel) ein Konkursverfahren am Landesgericht Innsbruck eröffnet worden. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hatte den Antrag dazu gestellt.
Circa 15,4 Millionen Euro anerkannt
Im Zuge der ersten Prüfungstagsatzung am Montag in Innsbruck seien 388 Gläubigerforderungen in Höhe von rund 36,5 Millionen Euro geprüft worden. Davon seien circa 15,4 Millionen Euro anerkannt worden. Die restlichen knapp 21 Millionen wurden bestritten, informierten die Gläubigerschutzverbände Kreditschutzverband von 1870 (KSV) und der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) am Montagvormittag.
Der KSV von 1870 erwartet, „dass die festgestellten Forderungen noch deutlich ansteigen werden.“
Es geht um Hunderte Jobs
Das Unternehmen beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter – weitere rund 200 Lkw-Fahrer seien bei einer Schwestergesellschaft beschäftigt. Trotz „aller Widrigkeiten“ sei es der Insolvenzverwalterin bisher gelungen, „den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten“, so der Kreditschutzverband.
Dieser berichtete außerdem, „dass vonseiten der Familie Nothegger eine Fortführungskaution in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro kurzfristig beigebracht wurde. Zudem gelang es, Liquidität im Ausmaß von einer Million Euro durch eine rasche Abschichtung einer Beteiligung zu generieren. Parallel dazu wurden diverse Verrechnungskonten, welche Ansprüche der Insolvenzschuldnerin in Höhe von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der Eigentümer der Insolvenzschuldnerin aufwiesen, zügig ausgeglichen.“
Liquiditätssituation bleibt angespannt
Die Liquiditätssituation bleibe jedoch angespannt, weil die Insolvenzverwalterin auf möglichst rasche Zahlungseingänge der Kunden aus den erbrachten Transportleistungen angewiesen sei und sich das Zahlungsverhalten der Kunden nur sehr eingeschränkt beeinflussen lasse. „Die aktuell aus der Fortführung offenen Kundenforderungen belaufen sich derzeit auf mehr als sechs Millionen Euro“, so der KSV von 1870.
Klar ist, dass mit der bisherigen Fortführung des operativen Betriebes durch die Insolvenzverwaltung ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde.

Klaus Schaller vom KSV1870
Bild: KSV1870/Die Fotografen
Kommt es zu Einigung mit Gläubigern?
Wie geht es jetzt weiter? „Das Insolvenzverfahren über die Firma Nothegger Transport Logistik GmbH ist im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren. Die Geschäftsleitung strebt eine Sanierung ihres Unternehmens an und es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob eine Einigung mit den Gläubigern gefunden werden kann“, erklärt Klaus Schaller vom KSV1870.
Klar sei, dass mit „der bisherigen Fortführung des operativen Betriebes durch die Insolvenzverwaltung ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht“ worden sei. „Ob die Verhandlungen letztlich zu einem positiven Abschluss gebracht werden können, lässt sich aktuell kaum einschätzen. Der Fortbestand der Arbeitsplätze der knapp 200 Mitarbeiter ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesichert“, so Schaller weiter.
Das Unternehmen selbst strebt eine Sanierung an. Das hatte Senior-Chef Karl Nothegger bereits im April öffentlich erklärt.
Der Alpenländische Kreditorenverband dazu am Montag: „Aufgrund der Ergebnisse der heutigen Tagsatzung gehen wir davon aus, dass die Schuldnerin einen Sanierungsplan einbringen wird. Das Gesetz sieht dafür eine Mindestquote von 20 Prozent binnen zwei Jahren vor. Die Quote dürfte aber nach aktuellem Stand nicht aus dem operativen Geschäft erzielbar sein. Es wird also finanzieller Unterstützung von dritter Seite bedürfen.“
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