Soweit es nun also gekommen: Ein Piefke reitet in der österreichischen Hauptstadt ein und will den Wienern Schmäh in Form von „Stand-up-Comedy“ beibringen. Ja, brauchen wir das? Ja, denn der bayerische Comedian Michael Mittermeier bringt mit seinem neuen „Lucky Punch Club“ frischen Wind in die heranreifende Hipster-Kabarett-Szene.
Fünf Kritik-Kronen gibt’s selten an dieser Stelle. Wenn, dann für Herausragendes, an dem es einfach rein gar nix zu meckern gibt. Wie bei dem nicht unheiklen Projekt des bayrischen Comedians Michael Mittermeier, einen Club namens „Lucky Punch“ in den Keller des altehrwürdigen Wiener Café Prückel zu stemmen. „Ich glaube mittlerweile, dass eure MA 2412 eine Doku ist“, kann er bei der Premiere über den monatelangen Wiener Magistratsbehörden-Genehmigungs-Irrsinn nun sichtlich erleichtert witzeln.
Der Einsatz hat sich für ihn und seine Projekt-federführende Frau Gudrun gelohnt. Der Club ist fesch, in authentischem „Brickwall“-Look gehalten, ein schlauchartiges Kellergewölbe mit Ziegelwand, in dem man gut gepolstert sitzt. Auch in der letzten Reihe sieht und hört man genug und gut von der perfekt ausgeleuchteten kleinen Bühne.
Dass aber ausgerechnet ein Deutscher den Wienern eine bis dato hierzulande kaum vorhandene Schmäh-Gattung, jene der Stand-Up-Comedy, beibringen will, mag in Spuckweite zum Kabarett Simpl wie ein schlechter „Joke“ anmuten. Doch das funktioniert, wie man sich bei der Premiere überzeugen konnte. Junge Talente können sich hier vor aufgekratztem Publikum unkompliziert ausprobieren: Die aus Instagram-Reels beliebt-erprobte Würze der Kürze schmeckt bei den je 15-Minuten-Auftritten doppelt gut in Live-Atmosphäre. Konzentration ist jedenfalls gefragt, denn junge Spaßvögel wie der Deutsche Jojo Nesco feuern ihre Pointen im Maschinengewehrsalven-Tempo ab.
Wienerisch-gemütlich zum Durchatmen dann wieder, als Michael Niavarani als Überraschungsgast die Bühne betritt und überzeugend bewies, dass es bei ihm in der Wollzeile vis-à-vis mindestens genau so viel zu lachen gibt. Der Mix des ersten Sets mit Niko Nagl, Marina Pesevski, Lorenz Hinterberger und Jojo Nesco, herrlich unterhaltsam moderiert vom neuen „Lucky Punch Club“-Host, dem nach Wien übersiedelten deutschen Comedian Hauke van Göns, war jedenfalls vielversprechend. Und macht Lust auf viele weitere Abende.
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