Schauspielhaus Graz

Die Arbeit im Nationalrat ist ein großes Theater

Steiermark
08.05.2026 11:00

Das Schauspielhaus Graz und das Theater im Bahnhof analysieren in der Koproduktion „183 Abgeordnete“ ab Samstag die Arbeit im Nationalrat. Nur aus Zitaten aus den Sitzungen haben sie einen Abend über den Zustand der Demokratie in Österreich geschaffen. Die „Krone“ hat vorab mit Regisseurin Monika Klengel gesprochen. 

Genau 183 Abgeordnete sitzen im österreichischen Nationalrat. 183 Menschen, die das Land repräsentieren und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten sollen. Aber was genau wird dort geredet? Und was verrät das Gesagte über den Zustand der Demokratie? Dieser Frage gehen Theater im Bahnhof und Schauspielhaus in „183 Abgeordnete“ nach. Das Stück feiert am Samstag Premiere.

Als ein Ausgangspunkt dienten Regisseurin Monika Klengel und dem Team unter anderem auch der Klassiker „Die letzten Tage der Menschheit“: „Karl Kraus hat dafür damals ja quasi den Alltag abgeschrieben und aus O-Tönen seiner Gegenwart eine literarische Welt gebaut.“ Genau das Gleiche machen sie nun auch – nur halt mit den Nationalratssitzungen der letzten eineinhalb Jahre. Genau seit die aktuelle Regierung im Amt ist.

Regisseurin Moinika Klengel
Regisseurin Moinika Klengel(Bild: Johannes Gellner)

„Wir verwenden als Textmaterial nur Reden und Zwischenrufe“, erzählt Klengel. Warum? „Der Nationalrat ist ein performativer Raum. Die politischen Entscheidungen werden vorab in den Gremien gefällt. Im Nationalrat selbst geht es dann nur noch darum, diese der Gesellschaft so effektiv wie möglich darzulegen“, sagt Klengel. Diesen Prozess zu studieren und darzulegen, hat sie interessiert.

Was hat sie gelernt? „Einerseits kann man schon sagen, dass der Großteil der Abgeordneten rechtschaffene Demokraten sind, denen es darum geht, das Leben zu verbessern. Viele Beschlüsse werden auch einstimmig gefällt. Aber ein bisschen stehen sie auf verlorenem Posten. Denn Ernsthaftigkeit und Rechtschaffenheit sind nie so spannend wie Polemik und Polarisierung.“

Vor allem treibt Klengel aber eine Entwicklung um: „Die FPÖ hat als stimmenstärkste Partei die meiste Redezeit und dominiert daher auch den Diskurs im Nationalrat. Was ich im Zuge der Studien der Sitzungsprotokolle beobachtet habe, ist, dass obwohl die FPÖ nicht an der Spitze der Regierung ist, die Faschisierung des Parlaments bereits stattfindet.“

Und genau da sieht sie auch ihre Aufgabe als Künstlerin: „Wir müssen aufzeigen, wo das hinführt, was gerade um uns passiert. Nicht mit gehobenem Zeigefinger, sondern mit genauer Recherche und viel Humor – das zumindest ist mein Verständnis von Volkstheater.“

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