Abhören, Viren bauen

Moskau bietet geheimes Spion-Studium an Uni an

Ausland
07.05.2026 18:20

An der Staatlichen Technischen Universität Moskau ist eine geheime Studienrichtung aufgeflogen, die eigens Hacker und Diversanten für Russlands Militärgeheimdienst ausbildet. Zentraler Teil des Fachs ist mitunter die Entwicklung neuer Computerviren.

Unter Russlands Nachwuchs werden die hellsten Köpfe ausgewählt und auf eine „vielversprechende Karriere“ vorbereitet – in einer Struktur, die für das Hacken westlicher Regierungsressourcen, das Vergiften von Oppositionellen im Ausland und die Einmischung in Wahlen in Europa sowie den USA bekannt sei. Dies brachte eine Untersuchung von mehr als 2000 internen Dokumenten ans Tageslicht, darunter Lehrpläne, Verträge, Listen von Studenten und Lehrkräften. Daran beteiligt waren Journalisten von The Insider, The Guardian, Le Monde, Der Spiegel, Frontstory und VSquare.

Stellvertretender Leiter der Studienrichtung ist demnach Oberstleutnant Kirill Stupakow, der einen Spezialkurs für Spionagetechnologien samt Abhör- und Überwachungsmethoden unterrichtet. Für eine seiner Lehrveranstaltungen soll er eine Präsentation mit 34 Folien über Methoden zum Überwachen von Telefonen und die Verwendung gerichteter Mikrofone zum Ausspähen von Gesprächen aus einem Gebäude der gegenüberliegenden Straßenseite vorbereitet haben. Eine der Folien zeige zudem, wie eine Mini-Kamera geschickt in einem Rauchmelder versteckt werden könne.

Professor schimpft über Putin und Krieg
Den Studenten soll der Militär laut den Dokumenten regimetreu erzählen, dass der blutige Krieg in der Ukraine „unausweichlich“ gewesen sei. In privaten Chats, auf die die Investigativplattform „The Insider“ gestoßen ist, breitet er hingegen seine wahre Sicht der Dinge aus und beschreibt die Inkompetenz seiner eigenen Vorgesetzten. Etwa soll er sich über die angebliche Alkoholabhängigkeit des russischen Ex-Präsidenten Dmitr Medwedew lustig machen, der russische Statschef, Wladimir Putin, sei für ihn ein „alter Greis“ und den Oberbefehlshaber über die russischen Truppen, Waleri Gerasimow, beschreibt er überhaupt als einen „verdammten Säufer“. Auf den russischen Angriffskrieg blickt er in den Telegram-Nachrichten angesichts der hohen Verluste pessimistisch. Und ist überzeugt, dass er „schlecht für uns enden wird“.

Manipulation von Videos Teil der Ausbildung
Aber auch zur Verschleierung dieser Missstände wird eine eigene Lehrveranstaltung angeboten – mit dem Namen „Propaganda, Agitation, Manipulation und Überzeugung“. Anhand „sozialer Videoclips“ zu beliebigen Themen werde dem russischen Nachwuchs beigebracht, wie man mit den genannten Methoden diese entsprechend und gut versteckt verzerrt. Darüber hinaus soll an der Universität das vollständige Instrumentarium moderner Hacker abgedeckt und ein eigener Computervirus entwickelt werden. Ein weiterer Teil der Ausbildung ist demnach modernen Militärtechnologien gewidmet. Beigebracht würden den Studenten auch Kampfpraktiken sowie die Funktionsweise verschiedener Typen westlicher Drohnen.

Nach Abschluss des Programms würden jährlich zehn bis 15 Absolventen schließlich in Untereinheiten im Militärgeheimdienst platziert. Teil davon sei die Hackergruppe „Sandworm“, die unter anderem für einen Hackerangriff auf Emmanuel Macron bei der französischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2017 sowie für Stromausfälle in der Ukraine verantwortlich sein soll.

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