Dortmund-Kicker Niklas Süle beendet nach dieser Saison seine Karriere und spricht so offen wie nie über Gewicht, Burger, Bier, Verletzungen und mentale Belastungen.
Im Podcast „Spielmacher“ verkündete der ehemalige deutsche Nationalspieler offiziell sein Karriereende nach der laufenden Saison. Süle galt zeitweise als bester Innenverteidiger Deutschlands, absolvierte 49 Länderspiele, gewann mit Bayern die Champions League, fünf Meistertitel und zweimal den DFB-Pokal. Gleichzeitig wurde ihm immer wieder ein unprofessioneller Lebensstil vorgeworfen, Übergewicht und Verletzungen warfen ihn regelmäßig zurück.
„Am nächsten Tag hatte ich zweieinhalb Kilo weniger“
Besonders offen sprach Süle über seine Zeit bei Bayern. „Jupp Heynckes war ein Riesen-Lehrer für mich. Ich habe gespielt, aber er hat das Thema Gewicht auch angesprochen.“ Damals mussten sich die Spieler jeden Donnerstag wiegen lassen. „Ich habe den ganzen Mittwoch nichts gegessen, immer gefastet. Und dann bin ich abends bei mir daheim immer noch in die Sauna gegangen – mit Regenjacke.“ Die Folgen seien extrem gewesen: „Am nächsten Tag hatte ich zweieinhalb Kilo weniger.“ Süle schildert weiter: „Die Sauna war im Keller. Ich musste nach einem Tag ohne Essen und mit Regenjacke in der Sauna drei Stockwerke hoch in unser Schlafzimmer. Da habe ich das Fenster aufgerissen, habe mich rausgelehnt und erstmal zehn Minuten geatmet, weil ich dachte, ich kippe gleich um.“ Nach einem Sieg meinte Heynckes anschließend zu ihm: „Ja guck, jetzt hast du viel besser gespielt.“ Süle ergänzt trocken: „Ich hatte aber ja genau das gleiche Gewicht.“
Schon in Hoffenheim hatte der Verteidiger mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Er erinnert sich an eine Szene unter Trainer Markus Gisdol: „Heute haben wir drei Trainingsgruppen: Die, die gespielt haben, gehen raus und laufen aus. Die, die nicht gespielt haben, machen Spielersatztraining. Und du, Niklas, du bist Trainingsgruppe drei, weil mit 100 Kilo kann man keinen Fußball spielen. Du machst Tausender-Läufe mit Christian Neidhart.“ Rückblickend sagt Süle: „Für meinen weiteren Karriereweg war das sehr hilfreich. Bei Trainern, die mich so angepackt haben, habe ich immer besser funktioniert.“
Nagelsmann stärkte Süle
Auch Julian Nagelsmann spielte in seiner Karriere eine wichtige Rolle. „Ich bin ein Spieler, der eher den Arschtritt braucht.“ Besonders ein Satz blieb ihm im Kopf: „Du spielst bei mir auch, wenn du fünf Kilo mehr hast – weil ich weiß, wie du bist.“ Gleichzeitig warnte ihn Nagelsmann: „Es wird nur irgendwann ein Trainer kommen, der achtet auf solche Dinge.“
Süle spricht auch offen darüber, dass er vieles mit Talent kompensierte. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wie ich mich selbst und meine Karriere sehe, da muss ich ehrlich sein: Ich habe das meiste mit meinem Talent geregelt.“ Dabei nennt er auch extreme Zahlen: „Mit meinen Voraussetzungen, dass ich teilweise 110 Kilo hatte und trotzdem fast 35 km/h gelaufen bin.“ Irgendwann sei die Motivation schwieriger geworden: „Wenn Fußball einfach nicht so diesen Stellenwert für dich hat. Und das hat der Fußball bei mir nie so gehabt.“ Dann stellt Süle die große Frage: „Wer will mir erzählen, dass wenn ich weniger Bier getrunken und weniger Burger gegessen hätte, dass es dann eine bessere Karriere geworden wäre?“
„Das fällt uns schon schwer, hier wegzugehen“
Zum Abschied fand Süle emotionale Worte über seine Zeit in Dortmund. „Wenn ich auf die vier Jahre in Dortmund zurückblicke, dann waren viele Momente dabei, die mir Spaß gemacht haben.“ Besonders die Atmosphäre werde ihm fehlen: „Das Kabinengelaber, das Stadion – wir reden hier von 80.000.“ Über die Fans sagt er: „Ich wurde immer offen empfangen von den Fans. Wir brauchen nicht davon zu reden, dass ich hier als Riesenlegende gehe – ist doch Quatsch.“ Trotzdem werde ihm Dortmund fehlen: „Die Menschen in Dortmund, das habe ich am ersten Tag gemerkt, wie die sind: offen, herzlich, ehrlich. Damit habe ich mich mega verbunden gefühlt. Meine Kinder gehen hier in die Kita. Das fällt uns schon schwer, hier wegzugehen.“
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