Was weiß man von Stefan Fadinger? „Eigentlich ist nichts gesichert, nur sein Name wird in Schriften erwähnt“, sagt Historiker Konstantin Ferihumer. Und doch wirken die Erinnerungen an den Bauernkrieg 1626 in Oberösterreich bis heute richtig frisch. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich die Ausstellung „Bauernkrieg 1626. Zwischen Geschichte und Fiktion“ im Linzer Schlossmuseum.
Stefan Fadinger war für die einen Rebell und Freiheitskämpfer, für die anderen ein Unruhestifter.
„Für uns ist Fadinger der Ankerpunkt für unsere Erinnerung an den Bauernkrieg in Oberösterreich“, sagt der Historiker Konstantin Ferihumer. „Jeder hat ein Bild von ihm, tatsächlich gibt es aber kein Gemälde aus dieser Zeit, das ihn zeigt, auch keine eigenen Schriften. Er wird nur in anderen Schriften erwähnt – wir haben also eigentlich nur seinen Namen.“
Das Gesamtbild ist dennoch eindeutig
Das Leben um 1626 im „Land ob der Enns“ war kein Honiglecken. Die Bayern herrschten, die Bauern litten unter wirtschaftlicher Ausbeutung, während die katholischen Habsburger versuchten, den evangelischen Glauben zurückzudrängen. Zusätzlich verschärfte ein Klimawandel – die „Kleine Eiszeit“ – die Lage.
Der Prager Fenstersturz von 1618 hatte den Dreißigjährigen Krieg ausgelöst, doch nun gärte es auch in Oberösterreich. Das Frankenburger Würfelspiel am 15. Mai 1625 ließ den Funken über die Klinge springen: Der bayerische Statthalter Adam Graf von Herberstorff ließ Bauern um ihr Leben würfeln – 36 Protestanten verloren ihr Leben. Nun gab es kein Halten mehr.
Mit rund 12.000 Toten verlief der Bauernkrieg äußerst blutig. Im Spätsommer wurde der Aufstand niedergeschlagen, die Anführer Stefan Fadinger und Christoph Zeller kamen ums Leben. Der Mythos der Helden lebt bis heute fort.
Geschichte im Dienst der Ideologien und Mächtigen
Fadinger selbst ist das beste Beispiel dafür, wie erfindungsreich Geschichtsschreibung sein kann: „Wir wissen vom Bauernkrieg de facto sehr wenig, darum eröffnen wir mit der Ausstellung einen Diskurs. Wir zeigen, wie Geschichte entsteht, liefern aber auch gesicherte Fakten und weisen auf Fehlendes hin“, so Ferihumer.
Die Ausstellung ist der zentrale Kern der ‘communale oö‘ – es geht um ein prägendes Kapitel unserer Landesgeschichte.“
Landeshauptmann Thomas Stelzer
„Es wird sichtbar, dass Geschichte nicht nur aus Fakten besteht, sondern auch aus Deutungen, Erinnerungen und Perspektiven. Gerade darin liegt ihre Aktualität: Sie fordert dazu auf, die Fragen von damals mit den Herausforderungen von heute zu verbinden“, betont auch Landeshauptmann Thomas Stelzer bei der Besichtigung der Schau.
Zu sehen sind wenige, aber eindrucksvolle Exponate
Ein neuer Film, der mithilfe von KI entstand, lässt eindrucksvoll in Thema und Problematik eintauchen. Eine Lutherbibel, wenige Waffen, Schachfiguren, Gemälde, Grafiken, Köpfe einer Herrenjacke und ein Messer erzählen aus der Zeit. Die Hellebarden vermitteln lediglich ein Bild typischer Bauernkriegswaffen – tatsächlich stammen sie aus späteren Jahrhunderten.
Auch der ideologische Missbrauch im Deutschnationalismus sowie in der NS-Zeit wird aufgearbeitet. Und: „Wir geben erstmals auch den Frauen dieser Epoche eine Stimme“, ergänzt Alfred Weidinger, wissenschaftlicher Geschäftsführer der OÖ LKG. „Ihre Spuren sind noch zu wenig deutlich, wir werden daher in den Archiven – vor allem jenen der Klöster – weiterforschen.“
Schutzzauber und Wettermachen
Interessant: Erstmals wird auch der Rolle des Klimawandels im 17. Jahrhundert – der „Kleinen Eiszeit“ – Raum gegeben. Die „Normalbürger“ reagierten mit bewährten Mitteln aus dem Volksglauben wie Schutzzauber oder Wetterglöckchen fürs Wettermachen, auf der anderen Seite stieg die Zahl der Hexenverbrennungen.
Geholfen hat beides nicht, die Armut und der Krieg blieben. Mit der Ausstellung (bis 7. Jänner 2027) ist eine zeitgemäße, interessante Annäherungen an die Thematik gelungen, sehr sehenswert!
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