Millionen für einen Verein, der Fetischfeste feiert – während Rollstuhlfahrer um barrierefreie Wohnungen kämpfen und Pflegebedürftige zwischen essen und duschen wählen müssen.
Zum Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung schlagen die Wiener Grünen Alarm. „Die ausgestreckte Hand des sozialen Wiens wird gerade zurückgezogen“, so Parteichefin Judith Pühringer. Kürzungen betreffen die Menschen in nahezu allen Lebensbereichen. Das Ergebnis: Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen stieg daher zuletzt um 8,9 Prozent.
Abgelehnt: die Wohnung ist ja schon barrierefrei
Doch nicht immer stecken Kürzungen dahinter – manchmal ist es pures Systemversagen. Rollstuhlfahrerin Christina Paul, Bezirksrätin der Grünen im Alsergrund, ist seit 25 Jahren nach einem Unfall querschnittgelähmt. Als ihr Vermieter das Mietverhältnis beendete, beantragte sie bei Wiener Wohnen ein Wohn-Ticket für begründeten Wohnbedarf – und wurde abgewiesen. Der Grund: Es konnte „nicht positiv entschieden werden, da die Barrierefreiheit bereits an Ihrer derzeitigen Anschrift gegeben ist.“ Außerdem stelle „die Befristung eines Mietvertrages keinen sogenannten Wohnbedarfsgrund dar.“
Das Schreiben liegt der „Krone“ vor. „Wenn es nach Wiener Wohnen gegangen wäre, würde ich wahrscheinlich immer noch auf der Straße stehen“, sagt Paul. Eine Wohnung fand sie letztlich auf eigene Faust.
Statt in Inklusion zu investieren, wird die Verantwortung zwischen Stadt und Bund hin- und hergeschoben – das hilft niemandem und damit muss Schluss sein.

Grüne-Parteichefin Judith Pühringer
Bild: Mario Urbantschitsch
Essen oder duschen – eine unmögliche Entscheidung
Noch drastischer trifft es jene, die auf Persönliche Assistenz angewiesen sind. Die Stadt vergütet 24 Euro pro Assistenzstunde – die tatsächlichen Kosten liegen zwischen 37 und 44 Euro. Für Marlies Neumüller, Referentin im Grünen-Parlamentsklub und selbst Betroffene, bedeutet das täglich eine grausame Abwägung: „Die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie die Assistenz lieber zum Kochen und Essen nutzen – oder zum Duschen.“
In Wien können nur rund 400 Personen die Leistung überhaupt nutzen; blinde Menschen sowie Personen mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Erkrankungen sind pauschal ausgeschlossen. Wer die Assistenz korrekt im Angestelltenverhältnis beschäftigt, dem bleiben kaum Stunden übrig.
Millionen für Fetischfeste, Sparen beim Rest
Für absurde andere Dinge ist jedoch Geld da. Während für Menschen mit Behinderung der Rotstift regiert, fließen andernorts Millionen: Seit 2021 erhielt der Verein Qwien fast drei Millionen Euro aus dem Kultur- und dem Bildungsressort – wir berichteten. Dafür bekommt man unter anderem Fetischfest, wo sich Männer als Hund verkleiden ...
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