Biennale in Venedig

Coole Grenzgängerin bis zur Unerträglichkeit

Kultur
03.05.2026 10:32

Florentina Holzinger, aktuelle Weltmeisterin der Performance, bespielt heuer Österreichs Biennale-Pavillon in Venedig. Ein Porträt der Ausnahmekünstlerin.  

Als „Europe’s hottest director“, also „Europas angesagteste Regisseurin“, charakterisierte sie der britische „Guardian“. Aufgewachsen ist Florentina Holzinger als mittlere von drei Töchtern in Wien-Döbling. Der Vater Anwalt, die Mutter Pharmazeutin. „Eine normale Kindheit“, verriet sie der „Zeit“. Mit 15, 16 kam sie über den Sport zum Tanz. Für eine klassische Tänzerinnen-Karriere zu spät, studierte sie Choreografie in Amsterdam. Und schon ihr Diplom-Solo „Silk“ bekam Preise und gastierte 2012 bei lmpuls-Tanz.

„Disappearing Belin“, Étude for Disappearing, 2022
„Disappearing Belin“, Étude for Disappearing, 2022(Bild: © Silke Briel_courtesy Schinkel Pavillon_Florentina Holzinger)
Schon bei der Erfolgsproduktion „Ophelia‘s Got Talent“, 2022, ging Holzinger ins Wasser.
Schon bei der Erfolgsproduktion „Ophelia‘s Got Talent“, 2022, ging Holzinger ins Wasser.(Bild: © Nicole Marianna Wytyczak_Florentina Holzinger)
Szene aus „Ophelia‘s Got Talent“.
Szene aus „Ophelia‘s Got Talent“.(Bild: © Bahar Kaygusuz_Florentina Holzinger)
Szene aus „Sancta“, 2024
Szene aus „Sancta“, 2024(Bild: LU)
„Tanz“ aus dem Jahr 2019
„Tanz“ aus dem Jahr 2019(Bild: Nada Žgank)

Mit „TANZ. Eine sylphidische Träumerei in Stunts“, in der etwa nackte Performerinnen eindrucksvoll auf Motorrädern durch die Luft ritten, gelang 2019 eine wichtige Wegmarke: Erstmals wurde eines ihrer Stücke zum Berliner Theatertreffen eingeladen, außerdem zur „Inszenierung des Jahres“ gekürt und mit einem Nestroy bedacht. Sogar zwei Nestroys sowie den deutschen Theaterpreis Faust gab es dann für den Riesenerfolg „Ophelia’s Got Talent“ 2023.

Venedigs Biennale Art & Österreich

  • 1895 wurde die erste „Internationale Kunstausstellung“ in den Giardini eröffnet, um den Tourismus und den Kunstmarkt in Venedig zu fördern.
  • Um die Jahrhundertwende begannen dann Nationen, eigene Pavillons auf dem Areal zu bauen (der erste war Belgien 1907), dadurch etablierte sich das bis heute gültige Prinzip der nationalen Repräsentation.
  • Nach 1945 öffnete sich die Biennale stark der modernen Kunst. 1980 fand die erste Architekturbiennale statt, die seither im Wechsel mit der Kunstbiennale stattfindet.
  • Österreich wollte erstmals 1910 einen eigenen Pavillon bauen. Erst 1934 wurden die Pläne von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter umgesetzt.

    Die Künstler der Biennale-Beiträge im Österreichischen Pavillon seit 2001: 
  • 2024: Anna Jermolaewa
  • 2022: Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl
  • 2019: Renate Bertlmann
  • 2017: Erwin Wurm, Brigitte Kowanz
  • 2015: Heimo Zobernig
  • 2013: Mathias Poledna
  • 2011: Markus Schinwald
  • 2009: E. Krystufek, D. Margreiter, F. & L. Weinberger
  • 2007: Herbert Brandl
  • 2005: Hans Schabus
  • 2003: Bruno Gironcoli
  • 2001: Gelatin, Granular=Synthesis

In „Sancta“ bewies sie sich bei Hindemiths performativ erweiterter „Sancta Susanna“ als Opernregisseurin von Graden. „A Year without Summer“ heißt ihr jüngstes Erfolgsstück.

Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ zieht nächste Woche in den Pavillon von Josef Hoffmann ...
Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ zieht nächste Woche in den Pavillon von Josef Hoffmann in den Giardini ein. Er soll dann als „Unterwasserthemenpark, Kläranlage und Sakralbau zugleich“ fungieren. Dass dabei Mobil-Klos und der Urin der Biennale-Besucher eine Rolle spielen, hat die „Krone“ bereits vorab herausgefunden. Es bleibt spannend!(Bild: Georg Petermichl)

Laut Eigendefinition treffen in ihren Arbeiten zwischen Tanz, Performance, Oper und Theater „physische Extremzustände auf theatralische Präzision – mit dem Ziel, die Grenzen dessen auszuloten, wozu Körper fähig sind“.

Florentina Holzinger ist auch am Cover des neuen Kunstmagazins von Eva Dichand und Patricia ...
Florentina Holzinger ist auch am Cover des neuen Kunstmagazins von Eva Dichand und Patricia Mayr-Melnhof.(Bild: zfg)

Nacktheit scheint obligat, Wiens Aktionismus im Kopf
Florentina Holzinger spielt dabei bewusst mit den Grenzen und deren Weitung an den Rand des Erträglichen. Hochkultur prallt auf Entertainment, Tanz wird mit Akrobatik, Kampfsport, Stunt und Splatter lustvoll-provokant amalgamiert.

Nacktheit scheint obligat, Selbstverletzung erwünscht, womit sich Holzinger auch in die Nachfolge des Wiener Aktionismus einreiht. Ihre Arbeiten sind, wenn man sich darauf einlässt, bildgewaltig sinnliche Grenzerfahrungen, geradezu bewusstseinserweiternd, abstoßend und packend zugleich.

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