In der Wüste von Arizona ist ein jahrtausendealtes Kulturerbe schwer beschädigt worden. Beim Ausbau der US-Grenzmauer zu Mexiko geriet eine historische Stätte indigener Völker unter die Räder schwerer Baumaschinen – ein Vorfall, der nun Empörung auslöst und die Debatte über das milliardenschwere Projekt neu entfacht.
Im Zentrum der Kritik steht ein sogenanntes Intaglio – eine in den Boden gearbeitete, über 60 Meter lange Darstellung, die einem Fisch ähnelt. Die Struktur dürfte mehr als 1000 Jahre alt sein. Bauarbeiten hätten einen rund 20 Meter breiten Abschnitt dieser Anlage zerstört, berichten Beobachter vor Ort. Die Stätte liegt im Schutzgebiet des Cabeza Prieta National Wildlife Refuge im US-Bundesstaat Arizona.
Uralte Bodenzeichnung beschädigt
Wie die „Washington Post“ berichtet, hätten Baucrews mit schwerem Gerät das Gelände durchquert und dabei die historische Struktur beschädigt. Satellitenbilder würden eine Störung genau in diesem Bereich zeigen. Ein Mitarbeiter des US-Innenministeriums bestätigte demnach den Schaden, wollte jedoch anonym bleiben.
Scharfe Kritik indigener Gemeinschaften
Besonders deutliche Worte kommen aus den Reihen indigener Vertreter. Lorraine Marquez Eiler, eine Älteste der Hia-ced O’odham, sagte: „Wenn jemand nach Washington käme und dort die Stätten zerstören würde, die den Menschen in den USA heilig sind – es wäre dasselbe für uns.“ Die Anlage sei von ihren Vorfahren geschaffen worden und ihr Verlust sei emotional schwer zu verkraften.
Tempo beim Mauerbau hoch
Das Bauprojekt wird mit großem Tempo vorangetrieben. Finanziert durch ein 46,5 Milliarden Dollar schweres Gesetzespaket entstehen laut Behörden derzeit rund fünf Kilometer Grenzanlagen pro Woche. Neben neuen Abschnitten etwa in Texas wird auch in Kalifornien, Arizona und New Mexico teils eine zweite Mauer parallel zur bestehenden errichtet.
Kritiker bemängeln vor allem den Umgang mit Umwelt- und Denkmalschutz. Das US-Heimatschutzministerium hat Ausnahmeregelungen erlassen, wodurch entsprechende Gesetze bei den Bauarbeiten nicht angewendet werden müssen. Dadurch entfallen oft Prüfungen, die Schäden an Natur und kulturellen Stätten verhindern sollen.
Einzigartiges Kulturerbe betroffen
Der Archäologe Richard Martynec, der die Bodenzeichnung bereits 2002 dokumentiert hatte, bezeichnete den Verlust als gravierend. Solche Intaglios entstehen, indem dunkle Steine entfernt und der helle Untergrund freigelegt wird. Sie könnten rituellen Zwecken gedient haben. In der Region sei diese Form der Darstellung äußerst selten gewesen.
Weitere sensible Orte in Gefahr
Indigene Gruppen warnen zudem vor möglichen Auswirkungen auf andere bedeutende Orte entlang der geplanten Trasse. Genannt werden unter anderem Quellen und Grabstätten. Eine Stellungnahme der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde zu dem konkreten Vorfall lag zunächst nicht vor.
Grundsätzlich betont die Behörde jedoch, dass die Grenzanlagen der Kontrolle und der Verhinderung illegaler Grenzübertritte dienen. Für Kritiker wie Marquez Eiler bleibt die Verantwortung klar zugeordnet: „Jemand ist dafür verantwortlich – und wir wissen alle, wer.“
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