Die Volksanwaltschaft übt schwere Kritik am Salzburger Roten Kreuz: Eine Niederösterreicherin wurde diesen Winter nach einem Skiunfall mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen – obwohl dies laut einer Ärztin offenbar nicht notwendig war und die Verletzte den Einsatz eigentlich abgelehnt hatte ...
Zum Hintergrund: Ende Jänner war die Niederösterreicherin Kathrin E. im Skigebiet Dachstein-West auf der Piste unterwegs. Ein unbekannter Mann fuhr sie um, sie brach sich das Schlüsselbein. Der Mann beging Fahrerflucht und wurde bis heute nicht gefunden. Laut Volksanwaltschaft dachte sich die Verletzte schon bei der Erstversorgung: „Ein Hubschraubereinsatz ohne private Versicherung, das könnte teuer werden.“ Ein Schneemobil brachte die Niederösterreicherin ins Tal. Dort untersuchte eine Ärztin die Frau und stellte nach Angaben der Volksanwaltschaft fest: Die Frau ist problemlos transportfähig.
Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes meinte dann offenbar, wegen Personalmangels und „zeitlicher Engpässe“ sei der Transport per Auto nicht möglich, daher komme nun doch ein Hubschrauber. Kathrin E. protestierte – doch laut Volksanwaltschaft bekam sie die Antwort: Bei Abholung von der Talstation würden keine Kosten für den Hubschrauber anfallen.
Frau sollte 8027,77 Euro zahlen
Dennoch flatterte der Frau kurz darauf eine saftige Rechnung ins Haus. Das Rote Kreuz Salzburg stellte der 39-Jährigen stolze 8027,77 Euro für den Hubschrauber-Einsatz in Rechnung. Volksanwalt Bernhard Achitz: „Das ist überhaupt nicht einzusehen. Der Flug war medizinisch gesehen unnötig, da waren sich alle einig. Kathrin E. hat ihn mehrfach abgelehnt und war erst bereit, in den Hubschrauber zu steigen, als ihr zugesichert wurde, dass sie nichts zahlen muss.“
Problematische Doppelfunktion des Roten Kreuzes?
Erst nachdem sich die Volksanwaltschaft und die Arbeiterkammer Niederösterreich eingeschaltet hatten, lenkte das Rote Kreuz ein. Achitz kritisiert aber grundsätzlich die „problematische Doppelfunktion des Roten Kreuzes in Salzburg: Es ist nicht nur für die Durchführung der Hubschrauberrettung zuständig. Das Land hat das Rote Kreuz auch zur ‘Leitstelle‘ zur Koordinierung der Rettungs- und Krankentransporte gemacht. Das könnte man vermuten, dass das Rote Kreuz als Leitstelle gerne den Rotes-Kreuz-Hubschrauber schickt, um für Auslastung und Umsatz zu sorgen.“
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