Am 11. Juli kommt Helene Fischer für ihr „Krone“-Konzert ins Wiener Happel-Stadion und präsentiert all ihre Hits und neue Songs auf einer atemberaubenden 360-Grad-Bühne. Vorab sprach sie mit uns über das Comeback und wie das bislang noch ungewohnte Touren mit Familie laufen wird.
„Krone“: Helene, in nicht einmal eineinhalb Monaten, am 10. Juni, startet die neue große Tour in Dresden. Wird es jetzt langsam Zeit, nervös zu werden?
Helene Fischer: (lacht) Tatsächlich noch immer nicht. Mein ganzes Team und ich arbeiten schon seit Monaten an der Bühne und den visuellen Effekten, aber die eigentlichen Proben – zum Beispiel für die Choreografien – beginnen erst übernächste Woche.
Wie sieht es bei dir persönlich aus? Hast du eine Art „Prä-Produktion“, die du dir für dich selbst auferlegt hast?
Wie immer lasse ich mich von der Energie meines Teams tragen. Ich bin bei vielen Meetings, die das Kreative und die weiteren Prozesse betreffen, dabei. Aber die intensive Phase beginnt für mich erst mit den Proben zur Choreografie. Alles andere sind Gedankenspiele, die zunächst im Kopf entstehen und dann zu Papier gebracht werden. Jetzt geht es darum, diese Ideen zum Leben zu erwecken.
Auf dieser Tour gibt es eigentlich zwei Stars – dich und die 360-Grad-Bühne, die man so noch nie gesehen haben wird. Hast du schon tiefere Einblicke gewinnen können?
Ich kenne die Bühne bislang auch nur als Animation, wie sie online präsentiert wurde, und konnte mir so erste Eindrücke verschaffen. Sie wird erst zum Tourauftakt in Dresden aufgebaut – und dann muss ich schnell ein Gefühl dafür entwickeln.
Großes Spektakel ist man von deinen Live-Shows schon von früher gewohnt. Stichwort Cirque du Soleil und große Artistik. Wird die Show dieses Mal körperlich für dich ein bisschen weniger anstrengend als früher?
Grundsätzlich empfinde ich meine Konzerte nie als anstrengend. Anstrengend sind die Proben im Vorfeld, in denen man alles formt und zusammenführt, um Text, Musik und Performance so zu verbinden, damit am Ende alles sitzt. Die intensivste Phase steht mir also noch bevor. Danach wird es schön und von Show zu Show besser, weil man die Abläufe verinnerlicht und jedes Konzert auch der Kondition hilft. Durch die Arme der Bühne versuche ich, jeden Bereich im Stadion zu erreichen und allen Menschen möglichst nahe zu kommen – ich werde dieses Mal also viel laufen. Es wird keine Tournee, bei der ich in der Mitte stehen und mich ausruhen kann. (lacht)
Die Bühnenarme, die weit in den Publikumsbereich hineinragen sollen, klingen in der Theorie heftig …
Wir wollten bewusst einen neuen Weg gehen, mich meinem Publikum noch näher zu bringen und neue Perspektiven zu schaffen. Nach so vielen Jahren auf der Bühne ist das auch für mich etwas Besonderes, das sich anders anfühlen wird. Vielleicht ist es sogar ein einmaliger Schritt. Wir probieren es aus und schauen, wie es sich entwickelt.
Lässt sich das irgendwie beziffern, wie viel Zeit du in der Intensivphase der Vorbereitung pro Tag für die Show aufbringen musst?
In dieser heißen Probenphase bin ich von morgens bis abends eingespannt. Wir hatten schon die ersten musikalischen Proben, jetzt lerne ich als nächsten Schritt die Choreografien, dann arbeiten wir gemeinsam mit den Tänzern daran. Am Ende kommt der Feinschliff, damit auch alle Übergänge funktionieren. Dabei geht es auch um Details – etwa, was passiert, wenn ich die Bühne verlasse oder mich umziehe. Schritt für Schritt nähern wir uns dem an, und wenn alles sitzt und jeder weiß, was zu tun ist, läuft es irgendwann ganz selbstverständlich und macht großen Spaß.
Außerdem wirst du neue Lieder spielen. Es wird von bis zu drei neuen Songs gemunkelt?
Ich habe immer gesagt, dass es neue Musik geben wird, wusste aber bis vor ein paar Wochen selbst noch nicht, wie viele Songs es am Ende sein werden. Es wurden mir so viele tolle Songs angeboten, dass die Auswahl nicht leichtfällt. Ich wollte mir keinen Druck machen und nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Jetzt haben wir einige sehr schöne Titel, auf die ich mich freue und ich bin sehr gespannt auf die Reaktion.
Mit dem nächsten Studioalbum kann man dann im Herbst rechnen?
Ich möchte mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wir haben den späten Herbst im Kopf, aber ich kann nicht garantieren, dass das klappt. Klar ist: Wir arbeiten intensiv daran, und ich glaube, dass sich viele auf neue Musik freuen.
Diese Tour ist neben ein paar vereinzelten und seltenen Auftritten nun die richtige Rückkehr in die Öffentlichkeit nach einer mehrjährigen Auszeit inklusive Familiengründung. Öffentlichkeit kann auch extrem anstrengend sein, aber gibt es auch Dinge, auf die du dich im Zuge dessen richtig freust?
Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, zu tanzen, zu singen und mich auszupowern. Diese Leidenschaft jetzt wieder ausleben zu können, ist ein großes Geschenk – genauso wie der direkte Kontakt zu den Fans. Nach der langen Pause fühlt sich das sehr gut an. Gleichzeitig war diese Zeit wichtig, um runterzukommen, neue Energie zu sammeln und auch mein Privatleben genießen zu können. Wenn ich alte Konzertmomente gesehen habe, hat mich das sehr berührt. Entscheidend war für mich immer, dass es einen klaren Plan gibt. Diese Tour war lange angekündigt, ich wusste, dass ich zurückkomme. Und jetzt geht plötzlich alles schneller, als ich dachte. (lacht)
Du bist ab jetzt erstmals mit der Familie auf Tour, somit vermischen sich beide deiner Welten. Läuft dein Beruf jetzt anders ab als früher?
Ich muss meine Kräfte heute anders einteilen als früher. Damals war ich nur für mich verantwortlich. An freien Tagen habe ich mich komplett auf Regeneration konzentriert. Das werde ich weiterhin tun, aber ich habe jetzt eine zusätzliche Rolle. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Gleichzeitig freue ich mich sehr, meine Familie bei mir zu haben. Es ist ein neuer Lebensabschnitt.
Früher hattest du richtig artistische Auftritte, die nicht ungefährlich waren. Ist man da mit einem anderen Verantwortungsgefühl jetzt vielleicht auch vorsichtiger auf der Bühne unterwegs?
Es kann immer etwas passieren, aber natürlich denke ich heute anders über viele Dinge nach, weil ich nicht mehr nur für mich verantwortlich bin.
Haben die veränderten Lebensumstände dazu geführt, dass du deinen Job als Musikerin und Performerin anders wahrnimmst?
Ich bin bewusster und emotionaler geworden und genieße den Austausch mit dem Publikum intensiver. In mir hat sich etwas verändert – ich bin offener und empfänglicher. Ich habe das Gefühl, noch mehr geben zu können. Mein Herz ist noch voller. Die private Helene lässt sich nicht mehr komplett ablegen. Ich nehme sie überallhin mit, auch wenn ich auf der Bühne natürlich in eine andere Rolle gehe.
Schlägt sich diese neue Helene auch in den Liedern wieder?
Wir sind noch mitten im Prozess, aber das wird sicher eine Rolle spielen. Ich hatte eine Phase, in der es mir wichtig war, selbst zu schreiben, aber generell ist es mir wichtig, den Songs meinen persönlichen Stempel zu geben. Ich suche gezielt Geschichten aus, mit denen ich mich identifizieren kann und die nah am Leben sind.
Nach 20 Jahren Karriere hast du eigentlich alles erreicht. Stellt sich da die Frage, wo man noch hin will?
Natürlich kommt oft die Frage nach „höher, schneller, weiter“. Ich sehe das entspannt. Ich wäre schon sehr glücklich, wenn ich noch eine Zeit lang auf diesem Niveau arbeiten darf. Es muss nicht immer spektakulärer werden. Mein Anspruch war immer, eine besondere, ästhetisch starke Show zu zeigen, die die Leute so noch nie gesehen haben.
Sind deine Shows auch für dich eine Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag?
Natürlich ist jede Situation anders, aber auch ich habe meinen Alltag. Auf Tour taucht man in eine eigene Welt ein – das ist für mich genauso ein Erlebnis wie für das Publikum.
Hast du dir in der Pause die Zeit genommen, deine 20-jährige Karriere zu reflektieren und darüber nachzudenken, was du alles erreicht hast?
Das passiert immer wieder automatisch – durch Musik oder bestimmte Momente. Dann sind Erinnerungen plötzlich wieder da. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich erleben durfte. Das nimmt mir niemand mehr.
Spielt die Vorbildrolle eine größere Rolle?
Das war mir schon immer wichtig. Wie trete ich auf? Was kann ich vermitteln? Ich habe oft Entscheidungen getroffen, die vielleicht nicht jedem gefallen haben, sich für mich aber richtig angefühlt haben.
Wer hat dich inspiriert?
Das hat sich über die Jahre entwickelt – von den Söhnen Mannheims bis zu Pink. Und natürlich Künstlerinnen wie Céline Dion, Mariah Carey oder Whitney Houston, die mich musikalisch stark geprägt haben.
Würdest du musikalisch neue Wege gehen? Dich gerne woanders ausprobieren?
Als Künstlerin schaut man natürlich nach links und rechts. Gleichzeitig ist mir wichtig, authentisch zu bleiben. Rock kann ich mir gut vorstellen, Jazz oder Soul eher weniger.
Sind dir Erwartungshaltungen von außen auch einmal zur Last geworden?
Nein. Ich habe Erwartungen nie so nah an mich herangelassen, dass sie zur Belastung wurden. Ich habe mich immer stark an meinem Bauchgefühl orientiert.
Wie gehst du mit Social Media und dem gesellschaftlichen Perfektionstrieb um?
Man muss sehr bewusst filtern. Es gibt viele spannende Impulse, aber man darf sich darin nicht verlieren.
Fühlst du dich auf Tour wie ein Gast in Städten wie Wien?
Ich bleibe auf Tour immer in meinem Tourneeumfeld, weil für andere Unternehmungen wenig Zeit bleibt. Wien fühlt sich für mich aber trotzdem immer auch ein Stück weit wie Urlaub an.
Was ist in Wien ein Muss?
Essen. Ich genieße die Kulinarik und den besonderen Spirit sehr. Und ich trinke auch gerne ein gutes Glas Wein.
Helene live in Wien
Am 11. Juli ist Helene Fischer mit ihrer fulminanten 360-Grad-Bühne im Zuge ihres „Krone“-Konzerts live im Wiener Ernst-Happel-Stadion zu Gast. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten für das Konzerterlebnis des Jahres.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.