Der angekündigte Abzug von US-Truppen aus Deutschland lässt die Sorgenfalten der Europäer wieder tiefer werden. Europa ist bei der Verteidigung auf die USA angewiesen – vor allem bei der sogenannten nuklearen Abschreckung Russland gegenüber. Die „Krone“ hat mit deutschen EU-Abgeordneten darüber gesprochen.
Nach einer kritischen Äußerung des deutschen Kanzlers Friedrich Merz (CDU) zum US-Krieg gegen den Iran reagierte US-Präsident Donald Trump mit einem Wutanfall. Er kündigte höhere Zölle für europäische Autos, was hauptsächlich Deutschland trifft, und den Abzug von mehr als 5000 Soldaten an.
Trumps Zorn entlädt sich auf Deutschland
Dass Trump nicht willens ist, Europa wie bisher militärisch zu schützen, ist inzwischen allen klar. Daher wird überall in Europa auch massiv aufgerüstet. Eine Komponente lässt sich allerdings nicht so leicht ersetzen. Das ist der nukleare Schutzschirm gegenüber Russland. Das können nur die USA leisten.
„Die nukleare Abschreckung ist etwas sehr Komplexes, muss man ganz ehrlich sagen, dass man die amerikanische Komponente nicht einfach ersetzen kann“, sagt Tobias Cremer (SPD), Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, im Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung sowie in der USA-Delegation und der NATO-Delegation.
„Es ist in niemandes Interesse, wenn wir jetzt in ein atomares Wettrüsten einsteigen. Es wäre sinnvoller zu schauen, dass wir mehr konventionelle Verantwortung übernehmen und gleichzeitig die Amerikaner an Bord behalten. Das ist einfach glaubhafter.“
Es ist in niemandes Interesse, wenn wir jetzt in ein atomares Wettrüsten einsteigen.

EU-Abgeordneter Tobias Cremer
Bild: © European Union 2024/Philippe BUISSIN
Es sei nachvollziehbar, dass die Amerikaner sagen, die Europäer müssen mehr tun. „Das ist vollkommen richtig. Gleichzeitig ist es nicht so, dass die Amerikaner aus Menschenliebe alleine handeln, sie haben natürlich auch ein starkes Interesse.“ Cremer betont die Wichtigkeit eines guten transatlantischen Verhältnisses. „Wir müssen das Ganze stärken und nicht schlechtreden, denn das stärkt am Ende nur Wladimir Putin.“
Die Worte Trumps „nicht wörtlich, aber ernst nehmen“
„Trump scheint schon eine gewisse Obsession mit der NATO zu haben“, so Cremer. Aber die Mehrheit im Kongress, in der Administration und unter den Militärs sei der Meinung, dass eine starke NATO für die Amerikaner Sinn mache. „Man muss nicht alles, was Donald Trump sagt, wörtlich nehmen, aber man muss es ernst nehmen“, so der Deutsche abschließend.
Niemand möchte ohne diesen Schutzschirm leben.
EU-Abgeordneter Niclas Herbst
Cremers CDU-Kollege im Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung, Niclas Herbst, äußert sich im Gespräch mit der „Krone“ ähnlich. „Das Thema der nuklearen Abschreckung ist eine schwierige Frage. Wir haben ein Interesse daran, die Amerikaner an Bord zu halten. Niemand möchte ohne diesen Schutzschirm leben.“
Französische Atomwaffen können nicht europäisiert werden
„Die Franzosen haben zwar Atomwaffen, aber sie haben ihre eigene Doktrin, ihre eigenen Einsatzgrundsätze, und Nuklearwaffen können nicht einfach so in andere Streitkräfte integriert werden. Es ist eher unrealistisch zu glauben, dass man auf kürzeste Zeit die französischen Atomwaffen irgendwie europäisieren könnte. Ich glaube, Frankreich hat auch nur bedingt Interesse daran.“
Zum jetzigen Zeitpunkt, das müssen wir sehr deutlich sagen, sind wir auf die Amerikaner angewiesen. Deshalb ist für uns wichtig, dass die Amerikaner weiter hier stationiert sind“, so Herbst.
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