Die USA ziehen Tausende Soldaten aus Deutschland ab – und verschärfen damit die Spannungen innerhalb der NATO. Die Entscheidung aus Washington kommt nicht überraschend, dürfte aber die sicherheitspolitische Lage in Europa neu justieren.
Die USA haben den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt. Der Schritt solle innerhalb von sechs bis zwölf Monaten umgesetzt werden, erklärte Pentagon-Chefsprecher Sean Parnell am Freitagabend. Deutschland gilt mit bisher rund 35.000 stationierten Soldaten als wichtigster US-Standort in Europa und als zentrales Ausbildungszentrum.
US-Präsident Donald Trump hatte einen solchen Schritt bereits wenige Tage zuvor angedroht. Auslöser war unter anderem Kritik des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, der den USA im Zusammenhang mit Verhandlungen zur Beendigung des seit zwei Monaten andauernden Krieges mit dem Iran vorgeworfen hatte, sich demütigen zu lassen.
Angespannte Beziehungen im Bündnis
Der Abzug erfolgt vor dem Hintergrund eines bereits angespannten Verhältnisses zwischen den USA und vielen NATO-Partnern in Europa. Trump hatte westlichen Ländern vorgeworfen, die USA in ihrem Krieg gegen den Iran nicht unterstützt zu haben. Europäische Staaten wiederum betonten, sie seien vor Beginn des Konflikts nicht konsultiert worden. Zudem sehen sie die NATO-Beistandsverpflichtung in diesem Fall nicht als gegeben an, da die USA und Israel den Iran angegriffen hätten.
Trump stellte zuletzt auch in den Raum, US-Truppen aus anderen europäischen Ländern wie Italien und Spanien abzuziehen.
Rückkehr zum Niveau vor Ukraine-Krieg
Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren im Dezember 2025 rund 68.000 US-Soldaten dauerhaft in Europa stationiert, davon etwa 36.400 in Deutschland. Ein hochrangiger Beamter erklärte, der nun geplante Abzug werde die Truppenstärke wieder auf das Niveau vor 2022 senken. Damals hatte die US-Regierung unter Präsident Joe Biden die Präsenz infolge der russischen Invasion in der Ukraine erhöht.
Konkret soll ein derzeit in Deutschland stationiertes Brigade-Kampfteam abgezogen werden. Zudem wird ein für 2026 geplantes Fernfeuerbataillon nicht mehr nach Deutschland entsandt.
Pistorius: Entscheidung war absehbar
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte die gemeinsamen Interessen mit den USA. Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und insbesondere in Deutschland liege sowohl im Interesse Deutschlands als auch der USA, sagte er.
Zugleich zeigte sich Pistorius wenig überrascht von der Entscheidung. Ein solcher Schritt sei absehbar gewesen. Deutschland arbeite weiterhin eng mit den USA zusammen, unter anderem an Standorten wie Ramstein, Grafenwöhr und Frankfurt, etwa für die Sicherheit in Europa, die Unterstützung der Ukraine und die gemeinsame Abschreckung.
Forderung nach stärkerem Europa
Pistorius machte deutlich, dass Europa künftig mehr Verantwortung übernehmen müsse. Die NATO müsse „europäischer werden“, um transatlantisch zu bleiben. Deutschland sei dabei auf einem guten Weg: Die Bundeswehr werde vergrößert, Beschaffungen beschleunigt und Infrastruktur ausgebaut.
Zudem kündigte der Minister Abstimmungen mit Partnern der sogenannten „Group of Five“ an, zu der neben Deutschland auch Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien gehören. Ziel sei es, die künftigen Aufgaben innerhalb Europas enger zu koordinieren.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.