Für die neueste Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ hat sich „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl nicht nur mit Sport, sondern auch mit Musik beschäftigt und stieß dabei auf den ersten Superstar des Fußballs. Der sang zwar nicht, wurde aber besungen und gab nicht nur Bier und Seifen einen Namen, sondern auch einer Straße im 14. Wiener Gemeindebezirk.
Dass Fußballspieler singen, ist leider gar nicht mal so selten und vor allem aus der Musikstadt München kommen geradezu epochale Beiträge. Franz Beckenbauer hat „Gute Freunde kann niemand trennen“ zum Besten gegeben, Gerd Müller war mit „Dann macht es Bumm“ ebenfalls mäßig erfolgreich und 1860-Keeper Petar Radenkovic hat es mit „Bin i Radi, bin i König“ sogar auf Platz fünf der deutschen Charts geschafft. Aber auch außerhalb der „Weltstadt mit Herz“ haben beispielsweise Toni Polster, Kevin Keegan, Hansi Pirkner, Paul Gascoigne, Pelé oder Ruud Gullit die Stimmbänder in die Hand genommen und dem einen oder anderen Toningenieur schlaflose Nächte bereitet. Über die Tatsache, dass Udo Jürgens zur WM 1990 zusammen mit dem stimmgewaltigen DFB-Team den fragwürdigen Song „Wir sind schon auf dem Brenner“ eingespielt hat, breiten wir besser den Mantel des musikalischen Schweigens.
Der erste Superstar
Deutlich seltener kommt es vor, dass Songs über Fußballspieler geschrieben werden, aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Beispielsweise hat das britische Duo Alan & Denise 1982 mit einer Ode an Karl-Heinz Rummenigge („Over in West Germany // There‘s a football player // With sexy knees“) allen Ernstes „einen mittleren Chart-Erfolg in Deutschland“ gelandet. Doch es ging auch qualitätvoller, man muss nur gut hundert Jahre zurückschauen. 1922 haben nämlich Hermann Leopoldi und Robert Katscher den Foxtrott „Heute spielt der Uridil“ komponiert und damit einem der allerersten Superstars des österreichischen Fußballs ein musikalisches Denkmal gesetzt: Josef „Pepi“ Uridil, Jahrgang 1895, war ein beim Gegner gefürchteter Stürmer mit dem Beinamen „Der Tank“ und einer der ersten Kicker, der es verstanden hat, seinen Namen bestens zu vermarkten.
Seife, Zuckerln, Bier und Kracherl
So gab es in dieser Zeit ein Doppel-Malz-Bier namens „Uridil“ käuflich zu erwerben und der von Romania Ottakring über den SC Blue Star zum SK Rapid Wien gekommene Goalgetter war ein begehrter Werbeträger für Spirituosen, Seife, Zuckerln, Kracherl und vieles mehr. An der Seite von Hans Moser trug er ab 1924 in der Revue „Seid umschlungen, Billionen“ jeden Abend im grün-weißen Dress ein Couplet vor und spielte im selben Jahr eine große Rolle im Spielfilm „Pflicht und Ehre“. Kein Wunder, dass Josef Uridil bis heute eine Rapid-Ikone ist, nach der in der Siedlung Eden im 14. Wiener Gemeindebezirk sogar eine zur Windschutzstraße führende Gasse benannt ist. Zu Recht, denn dass ein Fußballspieler nicht nur singt, sondern auch noch besungen wird, geschieht wahrlich nicht alle Tage.
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