„Krone“-Kolumnist Robert Schneider ist kein Fan von Gartenarbeit und schon gar nicht von Gärten, die bis in den letzten Winkel „kultiviert“ worden sind. Auch überambitionierte Hobbygärtner genießen bei ihm keinen besonders guten Ruf.
Lieben Sie Gartenarbeit? Ich nicht. Gärten deprimieren mich, besonders hierzulande. Sie künden zumeist von engen Seelen, frustrierten, ewig zu kurz gekommenen Menschen. Leute, die allem und jedem argwöhnen: dem Schachtelhalm, der Ackerwinde, dem Breitwegerich und Löwenzahn, der Brennnessel, dem Hahnenfuß, dem wuchernden Efeu und der Quecke. Ach, und die gemeine Vogelmiere! Die habe ich fast vergessen. Einfach unerträglich!
Der Anblick der zahllosen, handtuchgroßen Gärtchen hierzulande, die so leblos vor einem daliegen, weil sie zu Tode gepflegt werden, ist ein Trauerspiel. Und die, die darin mit Spaten, Rechen, Gartenschere, Pflanzkelle, Unkrautjäter und Fugenkratzer hantieren, sind kaum zu ertragen. Missmutig schauen sie einen an, wenn man ihr Gesicht überhaupt zu Gesicht kriegt. Meistens strecken sie einem ja nur den Allerwertesten hin, weil sie tief gebückt Ausschau halten nach dem, was sie als Unkraut definieren.
Wie vergehen sich doch Vorarlbergs Hobbygärtner tagtäglich an der Schöpfung! Und wehe, der Teich ist nicht klar! Blaumacher muss rein, Multikraft, Oxalit, AlgoFree, AlgoRem, AlgoSol, AlgoFin und überhaupt der rigoroseste Fadenalgenvernichter.
„Schlimm sieht unser Garten aus“, jammert meine Frau. „Man kommt ja kaum mehr zur Haustüre rein.“ – „Es gibt kein Unkraut, ökologisch und auch philosophisch gesehen“, entgegne ich. Weil ich keinen Streit mag, verfüge ich mich in den Garten. Wo anfangen? Diese wunderschönen Brennnesseln! Dieses sanfte Meer an Schachtelhalmen!
Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich jemanden am Wegrand stehen. „Ah, der Schneider auch im Garten?“ Merkt der Idiot denn nicht, dass ich arbeite? Ich reagiere nicht.
Gartenarbeit macht misanthropisch. Mich in jedem Fall.
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