Schubertiade-Jubiläum

Spitzenschuhe und Liebesschmerz

Vorarlberg
03.05.2026 17:12
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Zwei Konzerte des soeben zu Ende gegangenen ersten Schubertiadezyklus des Jahres bestritten das Mandelring Quartett am Donnerstag und samstags der Tenor Ilker Arcayürek in Hohenems (Vorarlberg). 

Am Wochenende des Maifeiertags erinnert die Schubertiade an die Programme ihres Anfangs im Jahr 1976, damals im Palast Hohenems, nun um die Ecke im eigens dafür geschaffenen Markus-Sittikus-Saal mit seinem Garten, der bei diesem schönen Wetter besonders zu genießen war. Ein Genuss waren aber auch die Konzerte. Donnerstagabend bildete das deutsche Mandelring Quartett ein Konzert nach, das 50 Jahre zuvor vom Melos Quartett bestritten wurde und drei der magischen Quartettkompositionen Schuberts präsentierte. 

Nach dem dramatischen Quartettsatz in c-Moll spielten die Geschwister Sebastian und Nanette Schmidt, Violinen, mit Bernhard Schmidt, Cello, sowie Andreas Willwohl, Bratsche, das „Rosamunde“-Quartett und das Quartett „Der Tod und das Mädchen“. Das 1983 gegründete Mandelring Quartett klang vor der Pause tadellos ausgewogen und beeindruckend klar in der formalen Gliederung des so duftigen „Rosamunde“-Werks, das – fußend auf einer Ballettmusik – quasi auf Spitzenschuhen daherkommt. Beim Quartett „Der Tod und das Mädchen“ geschah Drama pur, jegliche Routine beiseitelassend, spielten die vier ungemein intensiv. Das ging echt unter die Haut. Zur Beruhigung und als Geburtstagsständchen für das Festival boten sie den gesanglichen Mittelsatz von Haydns ersten Streichquartett dar. Unter die Haut ging auch die Deutung des Zyklus „Die schöne Müllerin“ durch den Tenor Ilker Arcayürek und seines famosen Klavierpartners Ammiel Bushakevitz.

Wirkte der türkischstämmige Wiener bei früheren Auftritten noch etwas gehemmt, so hat er sich nun eine berührende Mischung aus Professionalität in der Führung seines so klangschönen Tenors und Emotionalität im Ausdruck angeeignet. Da ist jede Regung klug gesetzt und wirkt doch wie aus dem Moment geboren. Und bei den letzten Worten des Zyklus „der Himmel dort oben, wie ist er so weit“ ging nach allem Liebesweh wirklich der Himmel auf. Ammiel Bushakevitz hatte wieder unaufdringlich die Fäden in der Hand, widmete sich den wunderbaren Klangbildern mit Sorgfalt und federte einen kleinen Lapsus des Sängers professionell ab. Das Publikum im vollen Saal jubelte.

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