Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mitten im Krieg mit Russland Reformen in der Armee angekündigt. „Ich habe die Aufgabe gestellt, die Soldzahlungen spürbar zu erhöhen“, teilte der Staatschef am Freitag mit.
Beim Sold sollen vor allem die Zahlungen bei Kampfeinsätzen erhöht und entsprechende Erfahrungen stärker berücksichtigt werden. Für Kampfeinsätze von Infanteristinnen und Infanteristen stellte Selenskyj mehr als eine Verdreifachung der bisherigen Frontzuschläge von etwas über 1900 Euro in Aussicht. Spezielle Verträge sollen mit 250.000 bis 400.000 Hrywnja (4850 bis 7760 Euro) dotiert werden. „Ein ukrainischer Infanterist, der die Frontlinie hält, muss spüren, dass unser Staat ihn wirklich respektiert“, sagte der Präsident.
Auch der Sold für Posten ohne Kampfeinsatz und für Streitkräfte im Hinterland soll erhöht werden. Fachleute schätzen, dass derzeit mehr als eine Million Menschen in der ukrainischen Armee dienen. Wie die höheren Ausgaben finanziert werden sollen, sagte Selenskyj nicht. Im April hatte die Europäische Union einen Kredit über 90 Milliarden Euro freigegeben. Berichten zufolge kann Kiew mit dem Geld nun erstmals direkt die Armee finanzieren. Die finanziellen Engpässe des Landes dürften sich aber weiter verschärfen, da die ukrainische Führung stark von ausländischer Hilfe abhängig ist.
Zwangsmobilisierung soll beendet werden
Selenskyj kündigte nicht nur höheren Sold, sondern auch mehr befristete Verträge und ein Ende von Zwangsrekrutierungen an. Er hatte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bereits Mitte Jänner bei seinem Amtsantritt beauftragt, die „Busifizierung“ zu beenden. Der ukrainische Begriff „Busyfikazija“ leitet sich von den kleinen Transportern (Bussen) ab, mit denen Mitarbeitende der Territorialen Rekrutierungszentren (TKK) im öffentlichen Raum unterwegs sind, um wehrfähige Männer festzunehmen und zwangsweise zu verladen. Offizielle Zahlen zur Fahnenflucht werden seit vergangenem Herbst nicht mehr veröffentlicht.
In diesem Jahr sollen bereits Eingezogene schrittweise aus dem Wehrdienst aussteigen können. Die ukrainische Armee ist den russischen Truppen zahlenmäßig deutlich unterlegen. Nachdem es zu Beginn der Invasion eine Welle von Freiwilligen gegeben hatte, ist die Bereitschaft zum Militärdienst gesunken. Es gibt immer wieder Berichte über eine mangelhafte Ausbildung der Streitkräfte und ein hartes Vorgehen der Rekrutierungsbehörden.
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