Wirtschafts-Terrorismus? Den können wir auch, erklärten die USA kurz vor der eigenen Blockade iranischer Tanker in der Straße von Hormuz. Die Sperre zeigt zunehmend Wirkung – und könnte für den Iran in einem wirtschaftlichen Super-GAU enden.
Seit Mitte April setzt die US-Marine eine Blockade gegen iranische Häfen und Öltanker durch und schneidet das Regime so von seiner wichtigsten Einnahmequelle ab: dem Ölexport.
Iran droht wirtschaftlicher Super-GAU
Die Folgen für den Iran sind dramatisch. Das nicht abtransportierte Rohöl staut sich im Land, die Lagerkapazitäten werden dem Vernehmen nach immer knapper. Der größte Lagerkomplex auf der Insel Kharg im Persischen Golf könnte laut Analysten der Firma Kepler bereits Mitte Mai voll sein. Die Tanks kratzen bereits an einer Auslastung von knapp 80 Prozent, was in der Branche als operatives Maximum gilt.
Kenner der Region berichten, dass die Mullahs im ganzen Land nach Lagermöglichkeiten für ihr Öl suchen. In einer verzweifelten Maßnahme wird nun sogar der rostige, 1996 gebaute Tanker „Nasha“ reaktiviert. Er soll als schwimmendes Lager für rund zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl dienen und so wertvolle Zeit kaufen. Doch die eigentliche, unumkehrbare Bedrohung liegt tief unter der Erde. Denn wenn kein Platz geschaffen wird, droht dem Iran ein wirtschaftlicher Super-GAU.
Energieexperte Umud Shokri warnte jüngst gegenüber der Plattform Iran International: „Ölfelder lassen sich nicht einfach stilllegen.“ Besonders bei älteren Förderanlagen – beispielsweise im Südwesten des Landes – kann das zu schweren Schäden führen.
Bei einem Förderstopp oder zu stark gedrosseltem Bohrdruck kann der natürliche Lagerstättendruck abfallen. Dies kann dazu führen, dass Gesteinsschichten kollabieren. Dadurch kann Wasser nach oben dringen und Ölquellen zu sehr verwässern und Produktionsrohre kontaminieren. Rohöl könnte bei einem Stillstand auch in den Leitungen abkühlen und verharzen, was die Infrastruktur zerstört.
Ist das einmal passiert, lässt sich der Prozess oft nicht mehr rückgängig machen. Technisch sei dies zwar möglich, aber extrem aufwendig und teuer. Ein gewaltiges Problem, da die iranische Bohrtechnologie aufgrund jahrelanger westlicher Sanktionen als veraltet gilt.
Genau auf diesen Effekt scheint die US-Regierung unter Präsident Donald Trump abzuzielen. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, man erwarte, dass die iranischen Öltanks bald voll seien und das Regime dann gezwungen sei, „seine anfälligen Förderanlagen stillzulegen“.
Sein Chef ging noch einen Schritt weiter: Bei einem Auftritt bei Fox News sagte Trump, dass die iranischen Ölpipelines bald „von innen heraus explodieren“ würden, sollte das Land nicht mit dem Export durch die Meerenge beginnen. „Und wenn sie explodieren, kann man sie nie wieder so wiederaufbauen, wie sie waren“, sagte Trump.
Wie voll sind die Lager im Iran?
Allerdings ist die Widerstandsfähigkeit des Regimes nicht zu unterschätzen, was laut Analysten auf die Erfahrungen aus der Covid-Krise und eine kluge strategische Planung zurückzuführen ist.
Während der Corona-Pandemie, als die weltweite Nachfrage einbrach, wurden die Lager auf Kharg bis auf fast 90 Prozent gefüllt, erklärte Antoine Halff vom Center on Global Energy Policy. Zudem sei Kharg nicht die einzige Lagermöglichkeit. Teheran könne Rohöl zu anderen, weniger ausgelasteten Anlagen im Land umleiten.
Landesweit seien die Rohöltanks nur zu etwa 55 Prozent ihrer Gesamtkapazität gefüllt. Das lässt dem Regime einen beträchtlichen Puffer. Diese strukturell hohe Lagerkapazität ist das Ergebnis einer bewussten Strategie. Seit 2016 hat der Iran konsequent in den Ausbau von Lagern und die Diversifizierung von Exportrouten investiert, um für genau solche Szenarien gewappnet zu sein.
Nahostexperte Jamie Ingram betonte jüngst, der Iran habe schon frühere Sanktionsrunden überstanden. Zudem ist die US-Blockade nicht lückenlos. Durch das Abschalten von Transpondern und die Manipulation von Positionsdaten gelingt es immer wieder iranischen Schiffen, darunter auch großen Öl- und Gastankern, durch die Maschen des amerikanischen Netzes zu schlüpfen. Dennoch sei die US-Blockade effektiv, da sind sich alle einig.
Ein diplomatischer Vorstoß Teherans beweist das. Das Regime bot vor wenigen Tagen überraschend Verhandlungen über eine Lösung für die Straße von Hormuz an – im Gegenzug für ein Ende der US-Seeblockade. Dass diese nun explizit in den Forderungen erwähnt wird, legt nahe, dass ein Schmerzpunkt erreicht ist.
USA wollen „wirtschaftlichen Kollaps“
Präsident Trump zeigte sich von dem Angebot jedoch unbeeindruckt. Er besteht darauf, dass parallel auch über das iranische Atomprogramm verhandelt wird – ein Punkt, den Teheran auf später verschieben will. Ein weiterer Knackpunkt ist der unklare Verbleib von rund 400 Kilogramm angereichertem Uran im Besitz des Regimes.
Trump scheint von der Wirksamkeit seiner Strategie jedenfalls überzeugt. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat er bereits eine Verlängerung des Marineeinsatzes auf unbestimmte Zeit angewiesen. Sein erklärtes Ziel sei es, den Druck aufrechtzuerhalten, bis das Land „wirtschaftlich kollabiert“.
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