Sie ist erst seit knapp einem Jahr im Amt und war zuvor ohne Politikerfahrung. Seit elf Monaten ist Silvia Salis Bürgermeisterin der Hafenstadt Genua. Weil es der 40-jährigen ehemaligen Hammerwerferin gelungen ist, die zersplitterten Mitte-Links-Parteien zu einen und die Vorherrschaft der Mitte-Rechts-Koalition im Rathaus zu beenden, wird sie aber bereits als „Anti-Meloni“ für die Parlamentswahl im kommenden Jahr aufgebaut. Sie soll auch Rom zurückholen.
Salis ist eine starke Frau im wörtlichen Sinn. Als Hammerwerferin gewann sie zehn nationale Meistertitel und nahm an den Olympischen Spielen in Peking (2008) sowie London (2012) teil. Nach dem verletzungsbedingten Ende ihrer Karriere im Jahr 2016 begann sie ein neues Kapitel als Sportfunktionärin und wurde 2021 Vizepräsidentin des Italienischen Olympischen Komitees.
Will nicht bloß Promi-Aushängeschild sein
Der Einstieg in die Politik erfolgte, nachdem die Mitte-Links-Parteien in Genua monatelang erfolglos nach einem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten gesucht hatten. Als in der Demokratischen Partei (PD) die Idee aufkam, Salis zu nominieren, sagte sie zu, stellte jedoch sofort klar, kein bloßes Promi-Aushängeschild sein zu wollen. Als Bedingung für ihre Spitzenkandidatur forderte sie ein geschlossenes Bündnis aller Kräfte links der Mitte. Diese Forderung zeigte Wirkung, und sie gewann die Wahl.
Melonis Sorgenfälle häufen sich
Nach nur knapp einem Jahr im Amt könnte Salis nun der Sprung in die nationale Politik bevorstehen. Seit der Niederlage von Ministerpräsidentin Meloni beim Referendum über die umstrittene Justizreform am 23. März befindet sich die rechte Regierung in Rom in politisch unruhigem Fahrwasser. Melonis Sorgenfälle häufen sich: Zwei umstrittene Regierungsmitglieder und Parteifreunde der Ministerpräsidentin – Tourismusministerin Daniela Santanché und Justiz-Staatssekretär Andrea Delmastro – mussten zurücktreten.
Auch die internationale Politik wirkt belastend. Hohe Energiekosten und andere Auswirkungen der Kriege im Nahen Osten, die schwieriger gewordenen Beziehungen zu den USA setzen Meloni zusätzlich zu. So verweigerte Italien kürzlich zwei US-Kampfflugzeugen die Landung auf dem US-Stützpunkt Sigonella auf Sizilien. Die betont freundschaftlichen, engen Beziehungen Melonis zu US-Präsident Donald Trump haben sich dadurch deutlich abgekühlt.
Salis stellt Bedingungen für Kandidatur
Auf die bisher ziemlich im Abseits stehende Mitte-Links-Opposition wirkt dies revitalisierend. Der letzte Wahlsieg der Demokratischen Partei geht auf das Jahr 2013 zurück. Unter linken Wählern wächst daher die Hoffnung auf Salis als ernsthafte Konkurrenz für Meloni. Sie selbst zeigt sich dafür offen – wieder vorausgesetzt, dass das gesamte Mitte-Links-Lager sie gemeinsam trägt. So wie ihr in Genua der politische Durchbruch gelang, soll ihr nächstes Jahr der Sprung ins politische Zentrum Italiens gelingen.
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