Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts sind ins Stocken geraten. Während das Weiße Haus einen neuen iranischen Vorschlag zu einem Ende des Krieges ablehnt, wirft die Führung in Teheran der Regierung in Washington Piraterie in der Straße von Hormuz vor.
„Dies ist die unverhohlene Legalisierung von Piraterie und bewaffnetem Raub auf hoher See“, schrieb Ismail Baghai, Sprecher des iranischen Außenministeriums, auf der Plattform X. Das US-Militär hatte zuletzt sanktionierte iranische Öltanker auf hoher See abgefangen.
Baghai kritisierte, es handle sich um eine „Rückkehr der Piraten – nur dass sie heute mit staatlich ausgestellten Vollmachten operieren“. Die USA wollen den Iran mittels einer Seeblockade wirtschaftlich in die Knie zwingen. Das US-Militär stoppt dafür Schiffe, die einen iranischen Hafen ansteuern oder aus einem solchen auslaufen. Damit soll der Iran unter anderem von den Einnahmen des Ölexports abgeschnitten werden.
Wie wirksam ist die US-Blockade?
Teheran wiederum blockiert weiterhin die strategisch wichtige Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr und greift selbst immer wieder Frachtschiffe an. Die Meerenge ist unter anderem für den Transport von Öl und Gas aus den Staaten des Persischen Golfs von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft.
Offizielle Daten aus dem Iran zum Einfluss der US-Blockade gibt es kaum. Zentral ist jedoch Teherans Verlust von Einnahmen aus dem Ölgeschäft. „Im Vergleich zur Zahl der Schiffe, die vor der Blockade die Meerenge passierten – etwa sechs oder sieben Schiffe pro Tag -, ist das Volumen deutlich zurückgegangen“, sagte Rosemary Kelanic, Leiterin des Nahost-Programms der Washingtoner Denkfabrik „Defense Priorities“ im Gespräch mit dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL).
Was passiert, wenn der Iran sein Öl nicht mehr verkaufen kann?
Doch die Anzahl der Schiffe ist nur ein Teil der Rechnung: Wenn der Iran sein Öl nicht mehr verkaufen kann, drohen Speicher vollzulaufen. Wenn deswegen Erdölbohrlöcher geschlossen werden müssten, können diese langfristig beschädigt werden. Darauf spielte auch US-Finanzminister Scott Bessent in einem Beitrag auf X an: Die Blockade werde zu einem sogenannten „shut in“ der iranischen Ölanlagen führen und die Seeblockade die Einnahmen Teherans ins Visier nehmen. „Die Pumpen werden bald kollabieren“, so Bessent.
Eine aktuelle Analyse des Datenanbieters Kpler schätzt, dass noch etwa zehn Tage Zeit bleiben, bis iranische Ölspeicher voll sind. Auf den Hauptabnehmer iranischen Öls, China, habe die US-Seeblockade mittelfristig kaum Auswirkungen, schreibt der Datenanbieter Vortexa: Ein Großteil der Liefermengen sei bereits außerhalb der Seeblockade zu Kunden unterwegs.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.