In seiner neuen Kolumne in der „Tiroler Krone“ schreibt der Tiroler Lehrlingsexperte und Fachkräftekoordinator in der WK Tirol, David Narr, über motivierte Jugendliche in Tirol und ihrem Wunsch, etwas im Leben erreichen zu wollen – etwa mit der Fachberufslehre.
Wer glaubt, die Jugendlichen von heute hätten keine Lust auf Leistung und Zukunft, der liegt daneben. Ein Blick auf die Tiroler Jugendstudie zeigt ein ganz anderes Bild: Junge Menschen in Tirol wollen etwas erreichen. Sie sind motiviert, denken früh über ihren Weg nach und treffen ihre Entscheidungen bewusster als in anderen Bundesländern. Und genau da wird es spannend: bei der Lehre.
Während österreichweit nur rund 12 Prozent der 13- bis 15-Jährigen sagen, dass eine Fachberufslehre für sie die beste Option ist, sind es in Tirol ganze 40 Prozent. Viele unserer Jugendlichen haben längst erkannt, was die Fachberufslehre kann: Sie ist kein Warten auf später, sondern ein Einstieg ins echte Leben. Man verdient eigenes Geld, arbeitet im Team, übernimmt Verantwortung und sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat. Das ist greifbar, konkret – und für viele attraktiver als reine Theorie.
Die Fachberufslehre wird damit nicht nur als Einstieg in die Arbeitswelt gesehen, sondern als vollwertiger Bildungsweg mit entsprechenden Perspektiven. Ein wesentlicher Grund dafür sind unsere Betriebe. Sie machen Berufsorientierung nicht auf dem Papier, sondern in der Praxis. Schnuppern, Praktika, echte Einblicke – Jugendliche können ausprobieren, mitarbeiten und erleben, worum es wirklich geht. Dieses „Hinschauen und Anpacken“ ist durch nichts zu ersetzen. Genau das macht den Unterschied.
Auffällig ist auch: Die typischen Vorbehalte gegenüber der Lehre sind in Tirol deutlich schwächer. Fragen zum Einkommen oder zur Sicherheit stehen weniger im Vordergrund. Gleichzeitig ist der Druck, automatisch einen schulisch-akademischen Weg einzuschlagen, geringer. Das zeigt, dass wir bei einem wichtigen Punkt weiter sind als viele andere: Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um den passenden Weg für jeden Einzelnen.
Und dann ist da noch das Thema Künstliche Intelligenz. Viele Jugendliche machen sich Gedanken, was da auf sie zukommt – verständlich. Aber gerade hier zeigt sich die Stärke der Fachberufslehre. Denn so leistungsfähig KI auch ist: Sie verlegt keine Leitungen, deckt kein Dach und montiert keine Anlagen. Handwerk und praktische Berufe bleiben auch in Zukunft unverzichtbar. Wer anpackt, wird gebraucht. Heißt das, wir können uns zurücklehnen? Ganz sicher nicht. Wer die Fachberufslehre weiter stärken will, muss früh ansetzen.
Berufsorientierung darf kein Randthema sein, sondern gehört flächendeckend in alle Schulen. Jugendliche entscheiden sich für das, was sie kennen – also müssen wir ihnen die Möglichkeiten zeigen. Und auch die Politik ist gefordert: Wer die Lehre lobt, muss sie auch entsprechend unterstützen – bei den Rahmenbedingungen genauso wie bei der Finanzierung. Das führt direkt zur guten Nachricht zum Schluss: Tirol ist hier auf einem richtig guten Weg. Die Fachberufslehre hat bei den Jugendlichen einen starken Rückhalt – und genau das ist die beste Voraussetzung dafür, dass sie auch in Zukunft eine tragende Säule unseres Standorts bleibt.
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