Kolumne von David Narr

Fachberufslehre: Ein Lob allein  ist viel zu wenig

Tirol
29.03.2026 16:00
Porträt von David Narr
Von David Narr

In seiner neuen Kolumne in der „Tiroler Krone“ schreibt der Tiroler Lehrlingsexperte und Fachkräftekoordinator in der WK Tirol, David Narr, über Finanzierung und die Erkenntnis, dass die „Hoffnung zuletzt stirbt“. 

Reden und Handeln sind offenbar zwei verschiedene Paar Schuhe. Regelmäßig wird die Fachberufslehre von der Politik in den höchsten Tönen gelobt. Auch Studien – etwa von IMAD – zeigen: 75 Prozent der Tiroler schreiben der Lehre ein gutes oder sehr gutes Image zu, 86 Prozent würden sie Jugendlichen empfehlen. Was dazu nicht passt, ist das politische Handeln – vor allem dann, wenn es ums Eingemachte geht: die Finanzierung.

Hier läuft seit Jahren etwas schief. Für den akademischen Bereich fließen in Österreich Milliarden Euro. Und es sollen noch mehr werden: Die öffentlichen Universitäten verhandeln für 2028 bis 2030 ein Budget von rund 18 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von 8,7 Prozent gegenüber der aktuellen Periode – nachdem es bereits von 2025 bis 2027 einen Anstieg von mehr als 30 Prozent gegeben hat. Begründet wird das mit der Rolle der Universitäten als Innovationsmotor, Wirtschaftsfaktor und Ausbildungsstätte.

David Narr
David Narr(Bild: Christof Birbaumer)

Bei allem Respekt: Innovation und Wirtschaftskraft entstehen nicht nur an Universitäten, sondern auch durch berufliche Ausbildung – und durch Fachkräfte, die direkt in das Berufsleben einsteigen. Gleichzeitig ist die Wirkung universitärer Ausbildung für den heimischen Arbeitsmarkt nicht immer unmittelbar. An der Universität Innsbruck sind Österreicherinnen und Österreicher mittlerweile in der Minderheit, sie stellen nur mehr 47,9 Prozent. Zahlreiche Studierende verlassen Österreich nach dem Abschluss wieder – und unser Standort geht leer aus. Außer Spesen somit nichts gewesen.

In der dualen Ausbildung zeigt sich ein anderes Bild: Ein Großteil der Absolventinnen und Absolventen bleibt im Land, viele sogar im eigenen Ausbildungsbetrieb. Gleichzeitig stemmen die Betriebe einen erheblichen Teil der Ausbildungskosten selbst. Umso schwerer wiegt es, wenn gerade bei der beruflichen Weiterbildung gekürzt wird. Allesamt reden von einem Fachkräftemangel – aber dann muss man auch entsprechend handeln.

Die langfristige Entwicklung gibt ebenfalls zu denken. Prognosen gehen davon aus, dass in Tirol bis 2040 deutlich weniger Menschen mit Lehrabschluss zur Verfügung stehen werden, während höhere Bildungsabschlüsse weiter zunehmen. Schon jetzt gibt es doppelt so viele Universitätsabgänger als Lehrabsolventen. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Rahmenbedingungen. Wer über Jahre einen Bildungsweg stärker fördert als andere, lenkt auch die Entscheidungen junger Menschen.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Dort, wo der Bedarf am größten ist, muss auch stärker investiert werden. Es geht nicht darum, den akademischen Bereich zu schwächen. Aber ein ausgewogeneres Verhältnis wäre dringend nötig. Die Lehre genießt hohes Vertrauen, sie ist zentral für unseren Arbeitsmarkt – genau das sollte sich auch in der finanziellen Ausstattung widerspiegeln.

Und die gute Nachricht? Diese kann ich dann nachreichen, wenn die duale Ausbildung in der Finanzierung so berücksichtigt wird, wie es ihrem Stellenwert entspricht. Bis dahin gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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