„Krone“-Gemeindeserie

Vom Römerweg bis zur Touristenroute durch Tweng

Salzburg
23.04.2026 11:00

Tweng, das Lungauer Dorf mit Anteil an Obertauern, ist im Bonitätsranking vorn dabei. Die Gemeinde blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und setzt aktuell auf generationenübergreifende Projekte. 

Die Frauenhöhle wirkt schon vom Tal aus irgendwie unheimlich. Bürgermeister Franz Kaml verrät, welche Sage man sich über das finstere Loch erzählt. Drei Frauen, die in den Bergen lebten, sollen einmal zu einem Tanzfest nach Tweng gekommen sein. Dem Satan, der als Jäger verkleidet war, verweigerten sie den Tanz. Der Zornentbrannte rächte sich und verschleppte sie in die Höhle. Beim Eingang soll gewaschene Wäsche gesichtet worden sein. Jugendliche aus dem Dorf machten sich einmal den Spaß und hängten tatsächlich Wäsche auf.

Im kleinen Ortskern mit Gemeinde und Kirche.
Im kleinen Ortskern mit Gemeinde und Kirche.(Bild: Roland Holitzky)

Besonderheiten gibt es in der 250-Seelen-Gemeinde überraschend viele. Bestes Beispiel: Eine alte Zeugstätte wurde zur Bushaltestelle. Auch der Radweg führt durch den Holzbau. Bürgermeister Kaml denkt noch über die Nachnutzung eines Innenraumes nach: „Eventuell ein Selbstbedienungsladen, weil wir keine Nahversorgung mehr haben, oder ein Kunstraum.“ Konkreter ist schon das Projekt „Römersteine“. Markante Felsen aus der Römerzeit sollen nächstes Jahr am früheren Römerweg direkt neben dem Gemeindeamt ausgestellt werden. Mittlerweile wurde daraus eine Touristenroute Richtung Tauern. In der kleinsten Gemeinde des Lungaus gibt es dafür sogar eine eigene Tankstelle.

Neues Generationenhaus in Tweng
Neues Generationenhaus in Tweng(Bild: Roland Holitzky)

Zu große Sprünge will der Bürgermeister, selbst Landwirt, in puncto Gemeindefinanzen trotzdem nicht machen. Projekte, die Generationen verbinden, sollen die Dorfgemeinschaft in Tweng stärken. Das neue Generationenhaus mit Starter- und betreuten Wohnungen wurde gerade fertig. Die Hälfte der Bewohner sind schon eingezogen. Kaml: „Wir haben das nicht über einen Bauträger abgewickelt, sondern sind selbst als Gemeinde aktiv geworden.“ Und Tweng denkt auch an die Kleinsten: In der Volksschule mit 18 Kindern ging im Herbst eine mit der Schule verschränkte Nachmittagsbetreuung an den Start.

Besonders ist auch die Finanzlage: Weil die Hälfte von Obertauern zur Gemeinde Tweng gehört – also die Hälfte von einer Million Nächtigungen – spült es genug Kommunalsteuer in die Gemeindekasse. Tweng schaffte im österreichweiten Bonitätsranking der Gemeinden immer wieder eine Topplatzierung.

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