Das Riedgebiet zwischen Feldkirch und dem Fürstentum Liechtenstein war einst eine Sumpflandschaft mit See. Heute ist das Gebiet eine landwirtschaftliche Nutzfläche sowie ein beliebter Naherholungsraum.
Die heutige Wanderung ist eigentlich ein ausgedehnter Spaziergang, der durch eine interessante Landschaft mit wechselhafter Geschichte führt. Startpunkt ist entweder bei der Pfarrkirche in Tosters oder bei der Kirche St. Michael in Tisis. Letztere gehört zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Sakralbauten in Vorarlberg.
Innenausbau überwiegend im Barockstil
Die Ursprünge des Sakralbaus reichen mindestens bis ins Jahr 1218 zurück, als die Anlage erstmals urkundlich erwähnt wurde. Teile des heutigen Bauwerks – etwa die Südwand und der untere Turmbereich – stammen aus der Zeit um 1280 und machen das Gebäude zu einem bedeutenden Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Verschiedene Bauphasen vom Hochmittelalter bis in spätere Jahrhunderte lassen sich heute an der Kirche nachvollziehen: Die Innenausstattung ist überwiegend im Barockstil gehalten, an der Ostseite der Sakristei sind Freskenreste unter anderem mit Johannes, dem Täufer, Maria mit Kind und dem heiligen Michael aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Bis 1959 diente St. Michael als Pfarrkirche von Tisis, bevor sie von einem Neubau abgelöst wurde.
Typ: ausgedehnter Spaziergang/einfache Wanderung oder Radtour
Dauer: je nach Variante, aber knapp zwei Stunden sollte man einplanen
Ausgangspunkt: entweder Pfarrkirche Tosters oder Kirche St. Michael in Tisis
Ausrüstung: Laufschuhe mit guter Profilsohle, bequeme Kleidung, Sonnenschutz, Getränk bei Bedarf
Einkehrmöglichkeiten in Tisis und Tosters vorhanden
öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 403 von Feldkirch Montforthaus bis Kirche Tosters oder Buslinie 401 bis Krankenhaus (zu Fuß weiter in Richtung Tisis Riedweg)
St. Michael steht auf einer kleinen Erhebung oberhalb der ehemaligen Moorlandschaft des Tisner Rieds. Das Gebiet gehört zu jenen Landschaftsräumen, deren heutiges Erscheinungsbild durch gezielte Eingriffe des Menschen entstanden ist. Ursprünglich handelte es sich um ein weitläufiges Feucht- und Sumpfgebiet, geprägt von stehenden Gewässern, Schilfflächen und regelmäßig überschwemmten Wiesen. Im Zentrum lag der sogenannte Egelsee – ein flacher, ausgedehnter See, der durch das Abschmelzen des Rheingletschers nach der letzten Eiszeit entstanden war. Auf alten Karten aus dem 18. Jahrhundert ist der Egelsee noch als bis nach Liechtenstein reichendes Gewässer eingezeichnet. Mit dem wachsenden Bedarf an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen im 19. Jahrhundert geriet dieses Feuchtgebiet zunehmend in den Fokus technischer Landgewinnung.
Die Trockenlegung erfolgte schließlich nach Plänen des bekannten Ingenieurs Johann Alois Negrelli (bekannt für die Planung des Suezkanals) Auf diese Weise entstanden weitläufige Wiesen- und Ackerflächen, der Egelsee musste weichen. Im Laufe der Zeit änderte sich die Einstellung im Umgang mit Naturräumen. Und so wurde zwischen den Jahren 2011 und 2013 an der Esche, dem Grenzbach zwischen Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein, ein neuer Weiher mit demselben Namen angelegt. Dieser soll bei Hochwasser als Rückhaltebecken mehr Sicherheit bieten und hat sich darüber hinaus zu einem artenreichen Biotop entwickelt.
Die Knoblauchsrauke ist eine weit verbreitete, zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler, die vor allem in Europa heimisch ist, inzwischen aber auch in Nordamerika vorkommt. Sie wächst bevorzugt an schattigen bis halbschattigen Standorten wie Waldrändern, Hecken, Auen und in Gärten und gilt als typische Begleiterin nährstoffreicher Böden. Ihren Namen verdankt sie dem deutlichen Knoblauchgeruch, der beim Zerreiben der Blätter freigesetzt wird. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine bodennahe Blattrosette aus rundlich-nierenförmigen Blättern, im zweiten Jahr entwickelt sie einen aufrechten Stängel, der bis zu einem Meter hoch werden kann und von April bis Juni kleine, weiße, kreuzförmige Blüten trägt. Ökologisch spielt die Knoblauchsrauke eine interessante Rolle, da sie sowohl als Nahrungsquelle für verschiedene Insekten dient als auch durch ihre Inhaltsstoffe das Wachstum anderer Pflanzen beeinflussen kann. Zudem wurde sie in der Volksmedizin wegen ihrer leicht antiseptischen und verdauungsfördernden Eigenschaften geschätzt.
Das Tisner Ried ist zudem ein beliebter Naherholungsraum für Spaziergänger, Radfahrer und Reiter geworden. Ein geplantes Projekt zur Errichtung einer Bodenaushubdeponie im Jahr 2025 stieß daher auf Proteste aus der Bevölkerung sowie politischen Widerstand und wurde folglich gestoppt. So ist das Ried ein Ort zwischen Landwirtschaft und Naherholung geblieben, in dem mittlerweile auch die Natur ein Stück Lebensraum zurückgewinnen konnte.
Auf gut ausgebauten Wegen kann man entweder in Richtung Liechtenstein (Mauren oder Schellenberg) oder nach Tosters beziehungsweise auch zur Tostner Burg wandern, die man bereits aus der Ferne auf ihrem Hügel thronen sieht. Darüber hinaus genießt man einen schönen Ausblick auf die noch schneebedeckten Schweizer Berge der Alviergruppe. Wer gerne weite Strecken zurücklegt, der kann die Tour durchs Ried auch mit dem Fahrrad unternehmen.
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