Die Gräueltaten eines Gewaltherrschers überschatteten am 20. April das Mittagsmenü von etlichen Kindern. Ausgerechnet an Hitlers Geburtstag wurde ihnen seine Leibspeise serviert – ein Versehen ...
„Niemand gilt als Nazi, wenn er gerne Eiernockerl mit grünem Salat isst“, lautet die gängige Meinung an den Stammtischen. Doch am Geburtstag „des Führers“ hinterlässt das einfache Pfannengericht, das der Diktator und späterer Fast-Vegetarier angeblich mit Vorliebe verzehrt hatte, schon seit Jahren immer wieder einen bitterbösen Nachgeschmack. In die historische Esskulturfalle getappt ist ein Lokalbetreiber in Linz, Oberösterreich.
Gleichzeitig bekam ein niederösterreichischer Kollege im Bezirk Gmünd, dem dasselbe Malheur unabsichtlich passiert ist, sein Fett ab. Der Menüplan sei vor Wochen erstellt und dabei nicht auf das heikle Datum geachtet worden, entgegnete der Chef als Entschuldigung.
Wegen „Kulinarik-Affäre“ Gastwirt beleidigt
Ein Gastronom im Bezirk Neusiedl am See sah sich ebenso der Kritik ausgesetzt, teils scharf gewürzt mit Beleidigungen per E-Mail. Eiernockerl mit grünem Salat kredenzte Franz K. am Montag nicht nur im Restaurant Erbse in Bruckneudorf, auch mehr als 80 Mädchen und Buben im Kindergarten und in der Volksschule servierte er dieses Traditionsgericht der Wiener Küche am Mittagstisch. Der Lokalchef fiel aus allen Wolken, als er später von diesem „Kulinarik-Fauxpas“ erfuhr.
„Ich habe wirklich nicht gewusst, dass das Hitlers Lieblingsspeise war. Meine Menü-Entscheidung ist aus simplen Gründen gefallen – Sonntag war viel los und die nächste Zutatenlieferung erst am Dienstag fällig, Mehl und Eier waren jedoch reichlich vorhanden, ein wenig Milch auch“, erklärt Wirt Franz K., und er versprach: „Das wird mir sicher nie wieder passieren!“
2017 gab es eine Anzeige gegen die Kantine der Polizeikaserne in der Wiener Marokkanergasse, weil das zwielichtige Gericht am 20. April auf dem Mittagsmenü stand. Seit 2019 stießen immer wieder Beiträge auf Facebook-Accounts einer Politikerin und eines Politikers, jeweils der FPÖ aus Niederösterreich, sauer auf, weil sie die Leibspeise im Zusammenhang mit dem 20. April erwähnt hatten. Vom Landesgericht Eisenstadt verurteilt wurde ein Polizist, der am Führer-Geburtstag ein Bild mit Eiernockerln gepostet hatte. Wegen des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz fasste der Beamte eine bedingte Haftstrafe von zehn Monaten und eine Geldbuße aus.
Warum ausgerechnet die Eiernockerl?
Eine Anzeige liegt nicht vor, wie die Staatsanwaltschaft Eisenstadt auf „Krone“-Anfrage mitteilte. In den vergangenen Jahren hatten allerdings Verurteilungen nach dem Verbotsgesetz öfter für Schlagzeilen gesorgt (siehe Info-Kasten). Entscheidend sei, ob ein Wiederbetätigungsvorsatz vorliege, der an die Öffentlichkeit getragen wird, heißt es von der Justiz. Im Fall der Erbse wird das ganz und gar nicht vermutet.
Eine Frage bleibt dennoch: Warum hinterlassen ausgerechnet die Eiernockerl üblen Nachgeschmack? Hitler hat laut früheren Aufzeichnungen ebenso Leberknödel, Königsberger Klopse oder Schweinswürste mit Vorliebe gegessen.
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