Live im Wiener Flucc

Ditz: Britischer Post-Punk mit Liebe zum Schrägen

Musik
21.04.2026 05:00

Seit zehn Jahren hat das Brighton-Kollektiv Ditz vorrangig ein Ziel: Sich grob im Post-Punk zu bewegen, von dort aber in alle Richtungen auszustreuen und sich ja nicht zu wiederholen. Callum Francis und Carleb Remnant erzählen kurz vor dem Wien-Konzert heute Abend im Flucc, warum Eklektizismus wichtig ist und man sich nicht den kurzen Aufmerksamkeitsspannen fügt.

kmm

Es gibt Konzertabende, die so unerwartet explosiv ablaufen und bei denen von Venue über Wetter bis Publikum alles so gut passt, dass man sie möglicherweise nie wieder vergisst. Österreichische Post-Punk-Fans denken da womöglich an einen warmen Juli-Abend 2023 zurück, als die famosen Idles die Open-Air-Bühne der Wiener Arena vor ausverkauftem Haus in Schutt und Asche legten. Weit mehr als nur ein stimmungsanimierender Anheizer waren die zwischen kompromissloser Brachialität, Experimentierfreudigkeit und schräger Melodik mäanderten Ditz aus dem südbritischen Brighton. Das damals recht frische Debütalbum „The Great Regression“, eine dystopische Zustandsbeschreibung der gesellschaftspolitischen Ist-Situation auf der britischen Insel von desillusionierten Früh-Erwachsenen, diente dazu als Unterlage. Die in vielen Liedern zur Schau gestellte Wut konterkariert Frontmann Callum Francis gerne mit seinem androgynen Äußeren und der Vorliebe für Frauenkleider.

Klarer Popularitätsanstieg
Seine vierköpfige Band rotzt sich mit viel Liebe zum alten Punk, Metal-Riffs und Noise-Gewalt durch das Set. Noch markanter war ihre erste österreichische Headliner-Show im Februar 2025 im randvollen Gürtellokal Rhiz. „Mit den Idles auf Tour zu sein war großartig, aber die Leute kommen nicht für dich“, gibt sich Gitarrist Caleb Remnant im Talk mit der „Krone“ erst gar keinen Illusionen hin, „auf Solotour haben wir viele Städte wie etwa Prag überhaupt das erste Mal besucht. Die Bühnen sind viel kleiner, dafür hat man unmittelbare Nähe und kann die Leute so richtig für sich erobern.“ Das immer noch aktuelle Zweitwerk „Never Exhale“ (2025) hat mit seinem eklektischen Klangbild das seine dazu beigetragen, dass die allgemeine Popularität der Band auch in kleinen Clubs ins Unermessliche stieg.

Wo sich andere Bands in Zeiten der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen gerne dem Publikum fügen, legen Ditz live gerne noch nach. Bestehende Songs werden mit Intros, Interludes oder Outros ausgefranst, manchmal geht man dissonant von einem Teil in einen anderen über und die Liebe zum unverfälschten Live-Klang sorgt dafür, dass sich ein Song keinen zweiten Abend lang gleich anhört. „Songs im Studio zu basteln ist wiederum wie Lego bauen“, lacht Sänger Francis, auch bekannt dafür, sich gerne kopfüber ins Publikum zu werfen, „wir stapeln, beginnend beim Schlagzeugsound, Schicht um Schicht aufeinander, bis sich alles irgendwann zu einem fertigen Songkonstrukt entwickelt.“ Exakt zehn Jahre existieren Ditz mittlerweile und haben Klang, Bühnenperformance und Image in dieser Zeit stark verändert und erweitert. „Wir alle waren in vielen kleinen Bands, aus denen nichts wurde. Dann hatten wir, wie fast alle Bands, ein Drummer-Problem. Du findest sechs Gitarristen, aber keinen Schlagzeuger. Musiker wissen, wovon wir sprechen.“

Das Fundament gebaut
Die Geschmäcker und Einflüsse der einzelnen Musiker decken sich im Groben, unterscheiden sich dann aber doch in den Details. „Wir sind alle sehr tief im Punk und im Hardcore verwurzelt“, bekräftigt Francis, „aber über die Jahre bin ich zum Beispiel der Indie-Musik nähergekommen. Auf eine Band wie The Jesus Lizard können wir uns alle einigen, bei anderen unterscheiden wir uns zum Teil kräftig. Caleb habe ich erstmals getroffen, als er 16 war und einen Gürtel von Guns N‘ Roses trug – das ist viele Monde her. Wir waren auch schon in Funk- oder Classic-Rock-Bands tätig, aber all diese Erfahrungen sorgen für ein solides Wissen und Fundament am jeweiligen Instrument. Wir haben oft vor 20 Betrunkenen in Pubs gespielt und hatten dabei den größten Spaß. Es ist die Musik, die uns in erster Linie antreibt. Die kleinen Gigs können die besten sein, wenn an einem Abend alles zusammenpasst.“

Für den eigenen Sound haben diese Einflüsse nur bedingt ihren Platz. „Bei uns startet es eher mit dem Schlagzeug von Sam. Er gibt das Tempo und den Groove vor, von wo aus wir dann unseren Gesamtausdruck generieren.“ „Never Exhale“ haben Ditz zu einem großen Teil auf Tour geschrieben und sich manchmal auch spontan in Studios eingemietet, wo man gerade live spielte. „Der Unterschied zum Debüt ist gewaltig. Das erste Album war ein klassisches Lockdown-Album. ,Never Exhale* ist ein Band-Album.“ Der aktuelle Track von Ditz ist ein neunminütiger Sound-Fiebertraum namens „Don Enzo Magic Carpet Salesman“, der klanglich irgendwo zwischen Aphex Twin und Radiohead pendelt und sich kritisch bis wütend mit der grassierenden KI-Kunst auseinandersetzt. Ob diese schräge Ausrichtung auch auf einem dritten Album präsent sein wird, bleibt vorerst noch offen, ihren Ruf als wandel- und unberechenbare Combo haben sich die Briten damit jedenfalls behalten. 

Heute Abend live in Wien
„In der Musik gibt es für uns keine Limits“, betonen beide unisono, „wir wollen Spaß haben und uns ausprobieren und dann schauen wir, was am Ende dabei rauskommt. Die Ausrichtung für das dritte Album ist noch nicht in Stein gemeißelt. Wir haben ein paar Demos am Start und probieren viel aus. Es gibt so viel zu versuchen, warum sollten wir uns limitieren?“ Völlig richtig. Einen Vorgeschmack auf das dritte Album gibt es heute Abend im Wiener Flucc, wo Ditz bei ihrer zweiten Headliner-Show in Wien garantiert für Furore sorgen werden. Unter www.oeticket.com gibt es sogar noch Tickets - wohl dann auch an der Abendkassa.

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