Nach acht Jahren Pause kehrt Rap-Star und Fashion-Ikone A$AP Rocky mit einem neuen Album zurück. „Don't Be Dumb“ verspricht einen wilden Mix aus Sounds, Styles und großen Namen. Wir haben genau hingehört und geprüft, ob das Comeback wirklich überzeugt – oder ob Rocky nur eine weitere durchschnittliche Rap-Platte abliefert, die heute niemanden mehr überrascht.
Wenn man dieses Promi-Paar irgendwo entdeckt, weiß man zunächst gar nicht, wohin man schauen soll. Oder besser gesagt: wen man sich zuerst anschauen soll. Denn sowohl Mann als auch Frau strahlen Präsenz aus - modisch wie persönlich. A$AP Rocky, bürgerlich Rakim Mayers, zeigt sich gewohnt stilsicher an der Seite seiner Partnerin Robyn Rihanna Fenty. Seit 2020 sind die beiden ein Paar, mittlerweile Eltern von drei Kindern. Musikalisch war es zuletzt eher ruhig: Rihannas letztes Studioalbum erschien 2016, Rockys 2018. Umso spannender ist die Frage, ob nach Rockys neuem Werk vielleicht auch von Rihanna bald wieder neue Musik kommt.
A$AP Rocky ist längst mehr als nur Rapper. Der heute 37-Jährige hat sich über die Jahre einen starken Ruf als Mode-Ikone aufgebaut. Sein Stil galt lange als richtungsweisend. Er rappte über Trends, Marken und Coolness – und sein Wort hatte Gewicht. Bei Award-Shows, egal ob Fashion Awards oder andere Events, präsentierte er sich stets stilsicher. Mode war für ihn immer Teil seiner Identität. Doch auch ein Mode-Ass möchte irgendwann wieder Musik machen. „Don't Be Dumb“ soll nun also das große Comeback sein – oder sogar das Hip-Hop-Album des Jahres? Die Erwartungen sind hoch, denn 2018 kamen seine Songs sehr gut an. Wir haben inzwischen 2026 – da muss schon etwas Originelleres kommen.
Kinder-Kritzeleien und Seitenhiebe
Ein Blick auf das Cover wirft sofort Fragen auf: Was soll das darstellen? Und was hat Tim Burton damit zu tun? Das Artwork wirkt wie ein Sammelsurium aus Kritzeleien, Ideen und Gedanken. Als hätte der Künstler alles, was ihn in den letzten acht Jahren beschäftigt hat, darauf festgehalten. Chaotisch, verspielt, aber auch bewusst inszeniert. Man merkt: Kreativität ist definitiv vorhanden. Gleichzeitig wirkt das Ganze fast kindlich. Auch wenn das optisch noch Charme hat, muss sich dieser Ansatz musikalisch erst beweisen.
15 Tracks umfasst das Album, dazu kommen zwei zusätzliche Bonus-Tracks. Der Opener „Order of Protection“ startet solide. Klassischer Hip-Hop-Vibe, ein guter Einstieg, auch wenn die Hook relativ schnell an Reiz verliert. Beim vierten Track „Stole Ya Flow“ wird es persönlicher. Hier bekommt niemand Geringeres als Drake einen Seitenhieb. Nach Kendrick Lamars Angriffen folgt nun auch Rockys Antwort.
Der Streit zwischen Rocky und Drake eskalierte 2023, angeblich wegen Rihanna. Seit Jahren kursieren Gerüchte über ein früheres Verhältnis zwischen ihr und Drake. Ob da noch alte Gefühle im Spiel sind, weiß niemand. Fakt ist: Das Mode-Genie teilt aus. „My Baby Mama Rihanna, So We Unbothered … First You Stole My Flow, So I Stole Your Bitch“ – klare Worte. Klanglich ist der Song stark produziert und sorgt für Aufmerksamkeit.
Viele Stile und nostalgische Momente
Ab „Stop Snitching“ fühlt sich das Album wie ein wilder Ritt durch verschiedene Stile an. Der Track erinnert an Hip-Hop aus früheren Zeiten: roh, direkt, ohne große Spielereien. Insgesamt gibt es hier viele spannende Klangmomente. „STFU“ (Shut The F**k Up) ist ein energiegeladener Electro-Party-Track mit der Crew Slay Squad, der ordentlich Tempo aufnimmt und exemplarisch für den Genre-Mix des Albums steht. Mal klingt es nach Punk, mal nach Trap, dann eben wieder nach elektronischer Clubmusik.
Rapper Sauce Walka sorgt mit seinem Feature auf „Stop Snitching“ für zusätzliche Dynamik und Musikerin Doechii über einen fast unbearbeiteten Duke-Ellington-Beat rappen zu lassen, ist ebenfalls eine mutige Entscheidung – die dennoch überraschend gut funktioniert. Gegen Ende holt Rocky für einen Track sogar die Produzenten Clams Casino und Harry Fraud zurück – ein kleiner nostalgischer Moment für Fans der ersten Stunde. Beide haben seinen frühen Sound maßgeblich geprägt und standen für jene düstere, atmosphärische Ästhetik, mit der Rocky Anfang der 2010er seinen Durchbruch feierte. Ihre Rückkehr fühlt sich deshalb wie ein Blick zurück auf seine musikalischen Wurzeln an. Hört man das Album einfach nebenbei, wirkt es stellenweise sehr unterhaltsam und abwechslungsreich.
Dann gibt es da noch „Punk Rocky“. Im dazugehörigen Video findet sich sogar eine Winona-Ryder-Referenz. Offenbar ist Rocky Fan von ihr und dem „Stranger Things“-Kram. Nur die Demogorgons blieben hier aus. „Air Force“ bleibt solider Trap, während „Whiskey (Release Me)“ zunächst große Erwartungen weckt. Westside Gunn und die Gorillaz auf einem Track klingen schließlich nach einer Traumkombination. Leider wird dieses Potenzial nicht ganz ausgeschöpft. Am Ende singt Leadsänger Damon Albarn eher zurückhaltend, während Westside Gunn seine bekannten Adlibs inklusive Maschinengewehr-Lauten liefert.
Kein roter Faden
Der Titeltrack „Don't Be Dumb“ steht exemplarisch für das, was Rocky sich offenbar vorgestellt hat. Ständige Genre-Wechsel, teilweise mehrmals pro Song, sorgen zwar für Abwechslung, lassen aber vieles beliebig wirken. Es entsteht der Eindruck, als wolle man mit möglichst vielen Effekten und Momenten fehlende inhaltliche Tiefe kaschieren. Einzig auf „Don't Be Dumb/Trip Baby“ rappt Rocky konzentrierter und stringenter. Hier scheint ihn Drake als Gegner zusätzlich anzuspornen. Ansonsten zeigt er nur selten, was er wirklich draufhat. Klingt alles vielversprechend? Vielleicht. Doch das große Problem bleibt: Es gibt keinen roten Faden, kein klares Thema, kein echtes Konzept. Die Platte wirkt wie eine Sammlung einzelner Ideen, die nicht immer zusammenfinden – passend zum chaotischen Cover eigentlich, könnte man sagen.
Fazit
Und trotzdem klingt es oft gut. Das muss man ihm lassen. Der Musiker ist ein guter Zusammensteller. Mit seinem Status kann er sich nahezu jedes Feature holen, das er möchte. Auffällig bleibt auch weiterhin das Tim-Burton-Thema, das groß auf dem Cover platziert ist. Ob Burton nun wirklich kreativ involviert war, bleibt unklar. Fakt ist: „Don't Be Dumb“ ist eine Ansammlung cooler Ansätze, die sich zu einer energiegeladenen, aber ziellosen Show verbinden. Es macht Spaß, wieder ein Hip-Hop-Album mit so viel Aufwand und Theatralik zu hören. Aber ob A$AP Rocky heute noch wirklich neue Impulse für die Rapszene liefert? Diese Frage beantwortet das Projekt leider nicht.
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