„Krone“-Interview

ESC-Starter Cosmó: „Die Fans geben mir Kraft“

Musik
20.04.2026 18:00

In weniger als einem Monat findet das Finale des 70. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle statt. Die „Krone“ war bei der Pre-Party in London live dabei, wo auch unsere Hoffnung Cosmó mit seinem „Tanzschein“ an den Start ging. Vor dem Auftritt nahm er sich Zeit für ein gemütliches Gespräch.

kmm

„Krone“: Cosmó, in weniger als einem Monat findet der Song Contest in Wien statt, vor mehr als zwei Monaten hast du dich bei „Vienna Calling“ dafür qualifiziert. Es wird also langsam eng – wie waren die letzten zwei Monate für dich?
Cosmó:
 Wie auf einem Riesenrad. Es fühlt sich an, als würde man schweben. Es sind so viele tolle Menschen in meinem Team, die mir auf dieser Reise helfen und dadurch fühlt sich alles sehr schön an.

Eine Reise, die aber auch anstrengend ist. Wo warst du in den letzten Wochen überall?
Bei den Song-Contest-Pre-Partys in Oslo, Amsterdam und London und dazwischen auch auf Gut Aiderbichl. Ich habe in der Zeit für mich herausgefunden, dass ich ein Mensch bin, der gerne reist und verschiedene Orte und Kulturen kennenlernt. Das ist wahnsinnig interessant und deshalb bin ich auch so dankbar, dass ich das machen darf.

Neben dir kämpfen noch 34 andere Acts oder Bands um den Sieg in der Wiener Stadthalle. Haben sich da in den letzten Wochen schon ein paar Freundschaften und Seilschaften gebildet?
Jonas aus Norwegen und Eva aus Luxemburg waren die ersten Personen, mit denen ich mich gleich sehr gut verstanden habe. Auch mit Søren aus Dänemark verstehe ich mich prächtig. Es gibt so viele talentierte Künstlerinnen und Künstler. Es ist einfach schön, mit ihnen zu interagieren.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die du nun als Teil der ESC-Blase bislang für dich gewonnen hast?
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich die Liebe der Fans so krass spüre. Sie malen sich den Stern auf, singen mit und tanzen den Tanz. Dazu feiern sie auch alle anderen Nummern und sind unheimlich respektvoll und offen. Das spürt man dann auch auf der Bühne und das gibt einem noch einmal einen richtigen Energieschub.

Ist das das Geheimnis des ESC? Es ist zwar ein Wettbewerb, aber nie auf Kosten des Miteinanders?
Genau. Es ist ein gemeinsames Feiern der Musik. Jede und jeder gibt sein Bestes und versucht etwas zu erreichen. Wir alle sind aus verschiedenen Ländern und Kulturen, aber durch die Musik miteinander vereint. Wir sprechen unterschiedlichen Sprachen, aber wir verstehen uns trotzdem.

Was bedeutet es dir zu sehen, dass zumindest halb Österreich und auch ein großer Teil in Europa den „Tanzschein“ akkurat mittanzen kann?
Es bedeutet mir die Welt. Es ist so schön zu sehen, wenn Schulklassen, Kindergartengruppen oder Krankenhaus-Teams den „Tanzschein“ tanzen. Ich kann die Menschen mit dem Lied und der Musik im Allgemeinen zusammenbringen – das ist genau das, was ich mir immer erträumt habe. Ich habe das Gefühl, diese Bewegung ist schon größer geworden als der Song und Cosmó selbst – eine schöne Sache.

Cosmó im Talk mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein in London.
Cosmó im Talk mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein in London.(Bild: Robert Fröwein)

Wie hat sich die Kunstfigur Cosmó über die letzten Monate verändert bzw. entwickelt?
Der Song ist mehr zu einer Botschaft zu einem „Style Of Living“ geworden. Da respektvolle Miteinander und das liebevolle gemeinsame Leben und Tanzen ist elementar. Cosmó ist vielmehr zu einer Bühnenfigur geworden. Er ist nicht mehr nur irgendeine Idee, die mir vor einem Jahr eingefallen ist, er lebt und existiert wirklich.

Fühlst du die Figur Cosmó als Mensch Benjamin Gedeon jetzt auch anders, wo das Projekt so glänzend in der Öffentlichkeit steht?
Ich weiß nicht, ob der schüchterne und zurückgezogene Benjamin alles so schaffen würde. Cosmó gibt mir wirklich viel Kraft. Zu sehen, dass er bei den Fans so gut ankommt, gibt mir die Motivation, den Stern aufzumalen und zu ihm zu werden.

Selbst in diesen stressigen Zeiten wirst du Momente der Ruhe brauchen. Wie gelingt es dir, die zu finden?
Mittlerweile habe ich gelernt, was mich entspannt und was nicht. In den ersten Wochen bin ich nachts einfach tot im Bett gelegen und habe noch am Handy herumgescrollt, aber das hat mich überhaupt nicht entspannt. Ich meditiere oder spaziere gerne. Einfach raus in die freie Natur, zum Beispiel in einen Park. Vorher dachte ich, ich will gar nicht rausgehen. Ich bin als Cosmó so extrovertiert, dass ich dann lieber in der Wohnung bleibe, aber ich habe mittlerweile entdeckt, dass es für mich viel besser ist, wenn ich in die frische Luft gehe.

Der Rummel um deine Person nimmt in Richtung ESC täglich zu. Wie gehst du damit um?
Es war anfangs auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist es eine tolle Unterstützung. Die Fans und die Interaktion mit ihnen sind die Gründe, warum alles überhaupt funktioniert. Ich versuche 1:1 zurückzugeben, was sie mir schenken. Das ist mir sehr wichtig, denn sie sind der Grund, dass ich das machen darf, was ich hier gerade mache.

Kannst du dir von den anderen Künstlerinnen und Künstlern auch noch was abschauen?
Ich finde es richtig geil, sie mal außerhalb es ESC-Drucks selbst bei diesen Pre-Partys performen zu sehen. Die sind alle richtig gut und man könnte sich von jedem was abschauen, aber das ist nicht mein Ding. Cosmó soll schon Cosmó sein. Ganz eigenständig.

Spürst du, dass es im Endeffekt allen gleich geht, was Unsicherheiten oder Nervositäten anbelangt?
Auf jeden Fall. Wenn ich mit den anderen rede, weiß ich sofort, dass wir alle im selben Boot sitzen. Selbst eine Delta Goodrem, die für Australien startet und eigentlich schon eine Weltkarriere hat, ist nervös, weil es einfach eine riesengroße Sache ist. Man kann mit allen Acts gleich Verbindung aufbauen, weil jeder dasselbe erlebt.

Wenn man so viel schöne Zeit miteinander verbringt, ändert das was an den Zielen? Denkt man dadurch weniger an den Wettbewerb und mehr an diese schöne Zeit?
Ich kann ohnehin nicht beeinflussen, wo ich am Ende lande. Ob ich vor 40 oder 160 Millionen Zusehern auftrete ist egal, weil ich immer mein Bestes gebe. Es geht mir darum, die Menschen abzuholen und mich emotional mit ihnen zu verbinden.

Kriegt man durch die Auftritte bei den Pre-Partys Routine, die man im Finale anwenden kann?
Man merkt auf jeden Fall, was gut ankommt und was weniger gut, das ist sicher hilfreich. Wenn ich viel tanze, jubeln die Leute. Wenn ich stehe, sind sie zurückgezogener. Bei „Vienna Calling“ bin ich das erste Mal als Cosmó aufgetreten. Insofern ist seither viel passiert und Cosmó hat sich natürlich entwickelt - und wird das bis zum Finale weiter tun.

Neben der Vorbereitungsarbeit blieb dem Burgenländer auch ein bisschen Zeit für Sightseeing.
Neben der Vorbereitungsarbeit blieb dem Burgenländer auch ein bisschen Zeit für Sightseeing.(Bild: Johanna Gelzenleuchter)

An welchen Dingen wirst du in den letzten Wochen vor dem großen Finale feilen? Worauf wird es jetzt besonders ankommen?
Ich möchte auf jeden Fall mehr Cardio-Training machen und mich stärker dehnen, damit ich mir auf der Bühne kann Band einreiße. Am 16. Mai wäre es schon egal, wenn ich mir was reiße. Beim Semifinale am 14. Mai wäre das eher suboptimal.

Sehnenriss und ESC-Sieg in einem. Das hat es wahrscheinlich noch nie gegeben?
Glaube nicht, es wäre eine bittersüße Erfahrung.

Langsam aber sicher wird sich auch Wien selbst in die „Song Contest City“ verwandeln und du wirst das live miterleben. Wirst du die Last des Heimspiels in den nächsten Wochen zunehmend spüren?
Ich sehe das nicht als Last. Ich merke schon, wie schön es ist, dass dieser Bewerb bei uns zu Hause stattfindet und ich spüre die Unterstützung aller Österreicherinnen und Österreicher. Dieses Gefühl will ich zusammensammeln und auf die Bühne bringen. Die Leute sollen spüren, dass man sich in Wien zu Hause fühlen kann.

Gab es im Umkreis des Song Contest für dich bislang Dinge, die dich überrascht haben? Mit denen du nicht gerechnet hättest?
Dass die Leute den Text von „Tanzschein“ so gut kennen. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, was sie singen, aber sie singen mit und haben dabei eine gute Zeit. In Amsterdam waren bei der Pre-Party rund 6000 Leute dabei. Ich war anfangs nervös und dachte, das wird schwierig, aber es war einfach nur schön. Zu wissen, dass ich auch vor so vielen Leuten entspannt auftreten kann, hat mich sehr beruhigt.

Hast du allgemein viel an Selbstsicherheit dazugewonnen?
Es macht viel aus zu wissen, wer ich wirklich bin. Das hat mir dann auch die Sicherheit gebracht zu zeigen, wie ich wirklich bin.

Hat dir der Song Contest bislang dabei geholfen, Cosmó so zu formen, wie du es immer gerne wolltest?
Tatsächlich, ja. Das Coole am Song Contest ist, dass einem kreativ überhaupt keine Grenzen gesetzt sind. Es ist auch heuer alles dabei und für jeden was dabei. Durch diese Grenzenlosigkeit kann man sich selbst neu erfinden. Immer wieder.

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