Senioren-Alarm

Arbeitslosigkeit im Alter ist rasant gestiegen

Innenpolitik
20.04.2026 11:51

Österreich hat ein Riesenproblem mit Arbeitslosigkeit im Alter. Seit dem Anstieg des Frauenpensionsantrittsalters mit 1. Jänner 2024 hat sich die Lage vor allem für Frauen enorm verschlechtert. „Die Situation für Frauen ab 50 am Arbeitsmarkt ist schlechter geworden“, schlägt jetzt Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec Alarm.

Sowohl die Zahl als auch die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit sind gestiegen. „20 Prozent der Arbeitslosen sind 50 und mehr. Wir haben ein Riesenproblem mit Altersarbeitslosigkeit in Österreich“, warnt Christine  Mayrhuber, Vorsitzende der Alterssicherungskommission, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Korosec und Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbands.

Licht und Schatten am Arbeitsmarkt
Seit 1. Jänner 2024 steigt das Frauenantrittsalter mit Stichtag 1. Juli jährlich um ein halbes Jahr. Seitdem gibt es laut Mayrhuber „viel Licht und viel Schatten am Arbeitsmarkt“. Frauen, die einen Job haben, konnten ihre Beschäftigung verlängern. Gleichzeitig gibt es die negative Dynamik, dass es Arbeitslose ab 60-Jährige nicht mehr zurückschaffen. Bei 61-Jährigen hat es eine Verzehnfachung der Arbeitslosigkeit gegeben. „Jene, die vor dem Übergang arbeitslos geworden sind, bleiben länger arbeitslos.“

Gerstorfer, Mayrhuber und Korosec kämpfen für höhere Frauenbeschäftigung im Alter.
Gerstorfer, Mayrhuber und Korosec kämpfen für höhere Frauenbeschäftigung im Alter.(Bild: Petja Mladenova)
Die Zahlen
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit steigen

Seit 2024 hat sich die Zahl der unselbstständig beschäftigten Frauen im Alter von 60 bzw. 61 Jahren nahezu verdoppelt. Auch bei den selbstständig erwerbstätigen Frauen zeigt sich eine Aufwärtsentwicklung, wenn auch in geringerem Ausmaß. Anfang 2026 lag ihre Zahl um rund ein Viertel über dem Niveau des Jahres 2024.

Parallel dazu hat jedoch auch die Arbeitslosigkeit stark zugenommen. Im März 2026 waren 4670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos – rund 3,5-mal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen lag die Zahl mit 1900 sogar rund zehnmal so hoch wie im Jänner 2024.

Entsprechend deutlich fiel auch der Anstieg der Arbeitslosenquote aus. Bei den 60-jährigen Frauen verdoppelte sie sich auf 9,5 Prozent, bei den 61-jährigen Frauen stieg sie von 1,6 Prozent im Jänner 2024 auf 8,3 Prozent im März 2026.

Zugenommen habe durch das steigende Pensionsalter der Frauen auch die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Tage zwischen Zu- und Abgang aus der Arbeitslosigkeit kletterte bei 60-jährigen Frauen im Jahr 2024 von durchschnittlich 150 auf nun 350 Tage. Bei den 61-Jährigen stieg sie auf 400 Tage. Insgesamt nähere sich die Arbeitslosenquote der 60- und 61-Jährigen der bereits hohen Quote der über 55-jährigen Männer an. Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen ist in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen zu finden.

„Schulterschluss“ gefordert
Korosec fordert „dringend“ einen „Schulterschluss“ zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Staat: „Alle drei tragen zum Erfolg bei, alle drei tragen Verantwortung.“ Bei den Unternehmen braucht es den „Willen und die Bereitschaft, ältere Arbeitnehmer so lange wie möglich in den Betrieben zu halten“, forderte Korosec ein Umdenken: „Die Qualifikation ist wichtig und nicht das Alter.“ Sollte das nicht klappen, seien zusätzliche Maßnahmen nötig. Einen Hebel sieht sie etwa in der Arbeitslosenversicherung: „Die Unternehmen, die positiv agieren, sollten einen Bonus bekommen. Jene, die das nicht tun, einen Malus.“

Über Malusmaßnahmen nachdenken will auch Gerstorfer: „Ja, da sind wir einer Meinung.“ Wie diese genau ausgestaltet werden könnten, müsse man sich dann überlegen, wenn es nicht von alleine funktioniert. Einen Beschluss des Seniorenrats gibt es dafür noch keinen, so Korosec. Zunächst wolle man sich anschauen, welche Maßnahmen die Bundesregierung noch auf den Weg bringt.

Arbeitnehmer in der Verantwortung
Auch Gerstorfer sieht zunächst die Arbeitgeber in der Verantwortung, arbeitsgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Aber sie appellierte auch an die älteren Arbeitnehmer, sich rechtzeitig und nicht erst unmittelbar vor dem Pensionsantritt zu informieren, „was denn da am Pensionskonto steht und welche Pension man denn zu erwarten hat“. Denn nur so könne man sich über die Alternativen, etwa über die Teilpension, informieren. „Meine große Aufforderung und Bitte an alle ist, zehn bis 15 Jahre vor Pensionsantritt zu überlegen, wie man diese Zeit gestalten kann.“

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