Alarmierende Studie

Zahl an gefährdeten Kindern ist explodiert

Salzburg
16.04.2026 16:30

Personalmangel sorgte in der Salzburger Kinder- und Jugendhilfe zuletzt für einen massiven Aufschrei. Auffällig sind dabei vor allem auch regionale Unterschiede. Die Teams in den Bezirkshauptmannschaften wurden mittlerweile aufgestockt. Jetzt liegen alarmierende Daten aus den Jahren 2019 bis 2023 aus einer neuen Studie auf dem Tisch. 

Die Studie geht verschiedenen Fragen nach. Einerseits wurde untersucht, wie oft wegen möglicher Kindesgefährdung Alarm geschlagen wird. Aber auch regionale Unterschiede innerhalb Salzburgs und Reaktionen betroffener Kinder und Eltern auf die Arbeit der Behörden waren Thema. Zu Meldungen sind Behörden und beteiligte Einrichtungen wie Lehrer oder Ärzte verpflichtet. Privatpersonen wie Nachbarn oder Freunde machen das freiwillig. Grundlage sind in der Studie neben mehr als 13.000 Fällen auch eine Online-Befragung mit 412 vollständig ausgefüllten Fragebögen sowie Interviews mit Betroffenen.

Kräftiges Plus im ganzen Bundesland
„Es gab bei den Gefährdungsabklärungen vor allem im Salzburger Zentralraum einen klaren Trend nach oben“, so Studienautorin Birgit Bahtić-Kunrath vom Internationalen Forschungszentrum für soziale und ethische Fragen. In der Stadt und im Flachgau hat sich die Zahl der Abklärungen mehr als verdoppelt. Im Tennengau war es ein Plus von rund einem Drittel, im Pinzgau eine Zunahme von mehr als 60 Prozent. Auffällig sind Brennpunkte in Hallein. Dort gibt es Probleme, die mit Großstädten zu vergleichen seien, so die Experten. 

Kinder in Betreuung

  • 2863 Salzburger Kinder waren 2024 insgesamt durch eine Maßnahme der Kinder- und Jugendhilfe in Betreuung.
  • 2024 bekamen 2180 Kinder Unterstützung im häuslichen Umfeld, 466 waren in Wohngemeinschaften, 217 bei Pflegeeltern. 
  • Vor allem steigt der Bedarf in der ambulanten Betreuung. Eine Steigerung von geplanten sechs Prozent bis 2030 musste auf zwei Prozent jährliche zurückgenommen werden, weil Fachpersonal fehlt. 

Und wer meldet Verdachtsfälle überhaupt? „Fast 25 Prozent der Meldungen kamen von nicht verpflichteten Meldern“, beobachtet Bahtić-Kunrath eine gestiegene Sensibilität in der Bevölkerung. Zugenommen haben vor allem Fälle körperlicher und seelischer Gewalt. Regional fällt das vorwiegend in der Landeshauptstadt auf. Mögliche Ursache dafür ist neben einer höheren Anzeigebereitschaft auch die Corona-Pandemie. „Die Familien standen vor allem im urbanen Raum unter Druck“, so die Autorin.

Insgesamt fallen mehr als 50 Prozent der Problemfamilien mehr als einmal auf. Große Unterschiede gibt es auch bei den Wartezeiten auf Hilfe. Im Pinzgau dauert die Abklärung bis zu 75 Tage, in der Stadt nur 20. Bahtić-Kunrath: „Das kommt auch sehr auf das regionale Angebot an Unterstützungsmaßnahmen an.“ Meistens wird ambulant unterstützt. 

Zitat Icon

In den Interviews haben wir gesehen, dass das Thema sehr mit Scham besetzt ist. Wichtig ist Augenhöhe. Die Behörde soll unterstützen und nicht sanktionieren.

Birgit Bahtić-Kunrath, Studienautorin

In den Interviews war auffällig, dass vor allem Lehrer oft nur unzureichend wissen, wann Kinder gefährdet sind und eine Alarmierung angebracht ist. „Ich würde mir von Lehrern schon wünschen, dass sie sich auch proaktiv informieren“, so Soziallandesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ). Das Land wird jetzt aber auch weiteres Infomaterial für die Schulen zur Verfügung stellen. Wichtig dabei: Dem Bauchgefühl vertrauen, sich Informationen holen und auch mit Kollegen bzw. Vorgesetzten besprechen.

Die Teams der Jugendhilfe fühlten sich in der Befragung dem Anstieg bei den Gefährdungen nicht gewachsen. Fürweger zur Personalaufstockung: „Wir haben hier Geld in die Hand genommen, weil es notwendig war.“

Zitat Icon

Die Kinder haben gesagt, dass ihnen größtenteils nicht geglaubt wurde. Sie fordern, dass das Thema mehr gesellschaftlich diskutiert wird.

Birgit Bahtić-Kunrath, Studienautorin

Land will Elternberatung neu aufstellen
Gefordert wird jetzt vor allem mehr Prävention. Neben sieben zusätzlichen Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirken ist jetzt auch eine Neuaufstellung der Elternberatung geplant. Es soll künftig weniger regionale Stellen in den Bezirken, dafür aber längere Öffnungszeiten und zusätzliches Personal geben. 23 Anlaufstellen sind insgesamt geplant. Fürweger: „Wir sind dazu noch im Austausch mit dem Gemeindeverband.“ 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Salzburg
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt