Die scharfen Attacken von Donald Trump gegen Papst Leo XIV. sorgen weiterhin international für Aufsehen – und könnten nach Einschätzung eines Experten sogar weitreichende politische Folgen haben. Der italienische Historiker und Theologe Massimo Faggioli sieht darin einen möglichen Wendepunkt in Trumps Karriere.
Wie Faggioli der katholischen Tageszeitung „Avvenire“ sagte, markiere der Angriff auf den Papst „wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende“ des US-Präsidenten. Hintergrund seien bereits länger schwelende Spannungen zwischen der Kirchenführung und der Politik Trumps.
Widersprüche offengelegt
Der Historiker verwies darauf, dass Reden des Papstes sowie deutliche Interventionen mehrerer US-Kardinäle insbesondere Trumps Migrationspolitik und seine Kriegsführung kritisiert hätten. Diese hätten laut Faggioli die Widersprüche der Politik des Präsidenten offengelegt.
Seit Beginn des Jahres 2026 habe die Politik Trumps zudem „klar neo-koloniale Züge“ angenommen. Vor diesem Hintergrund habe der Papst nicht länger schweigen können. Die Kritik aus dem Vatikan habe Trump schließlich zu seinen öffentlichen Ausfälligkeiten provoziert – und damit möglicherweise einen politischen Kipppunkt ausgelöst.
Zerfall einer Allianz
Besonders brisant ist laut Faggioli die Entwicklung innerhalb von Trumps politischem Lager. Die frühere Allianz konservativer christlicher Wähler mit der „Techno-Rechten“ rund um Elon Musk und Peter Thiel sei zerbrochen. Dieser Flügel verfolge zunehmend anti-religiöse Projekte, was zusätzliche Spannungen erzeugt habe.
„Letztes Tabu gebrochen“
Trump habe in der Vergangenheit bereits eine Verurteilung wegen eines versuchten Staatsstreichs sowie ein Attentat überstanden, so Faggioli. Mit der Attacke auf den Papst habe er nun jedoch ein „letztes Tabu“ gebrochen.
Die religiöse Rechte beginne zu erkennen, dass sie vom Trumpismus lediglich instrumentalisiert worden sei. Nach einer Phase der Schockstarre könnte sich laut Faggioli innerhalb dieser Kreise Widerstand gegen Trump formieren.
Der Historiker, der von 2009 bis 2025 an mehreren Universitäten in den USA Kirchengeschichte lehrte und seit 2025 am Trinity College in Dublin tätig ist, sieht darin ein mögliches Signal für eine grundlegende Verschiebung im politischen Gefüge rund um den US-Präsidenten.
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