Jener nun 19-Jährige, der als Obdachlosenmörder in die heimische Kriminalgeschichte einging, fasste am Dienstag in Steyr eine weitere Haftstrafe aus, weil er Ende 2025 zwei Zellengenossen in der Justizanstalt Garsten teils übel zugerichtet hatte. Besonders pikant: Auch seine beiden Opfer sind verurteilte Mörder.
Eine so hohe Dichte an Mördern in einem einzigen Prozess gibt es nicht oft. Dieser Fall spielte sich hinter den hohen Mauern der Justizanstalt Garsten (OÖ) ab. Diese beherbergt auch ein forensisch-therapeutisches Zentrum – und damit einige der gefährlichsten und brutalsten Straftäter der Republik.
Zwei Morde, ein Versuch
Auf der Anklagebank saß jener mittlerweile 19-Jährige, der mit 16 als „Obdachlosenmörder von Wien“ bekannt geworden war. Der junge Mann aus katastrophalem familiärem Umfeld hatte damals zwei Obdachlose in Wien mit einem Stilettomesser erstochen, ein drittes, weibliches Opfer überlebte nur knapp. Er hatte im November und Dezember 2025 zwei Zellengenossen attackiert und dabei teils schwer verletzt.
Keine Unschuldslämmer
Auch diese sitzen natürlich nicht ohne Grund in Garsten hinter schwedischen Gardinen, und sind beileibe keine Unschuldslämmer: Das erste Opfer (25) hatte 2018 im Alter von 18 Jahren einen 17-Jährigen dazu angestiftet, eine 20-Jährige in Zell am See (Sbg) zu erschießen, und sitzt dafür eine 12-jährige Haftstrafe plus Einweisung ab. Auch das zweite Opfer (38) hat – gelinde gesagt – eine Vorgeschichte: Er hatte 2010 als 22-jähriger Jus-Student, der sich in einem Wiener Drogenersatzprogramm befand, seine Freundin (21) erst mit über 200 Stichen getötet, anschließend ihre Leiche in dutzende Teile zerlegt und im Hausmüll entsorgt: Lebenslang plus Einweisung.
„War wie großer Bruder“
„Ich habe mit dem ersten Opfer und einem weiteren Zellengenossen gemeinsam gearbeitet. Ich war zu dieser Zeit noch sehr kaputt von Ereignissen in meiner Familie, den Taten und meiner langen Strafe. Das erste Opfer war wie ein großer Bruder für mich, hat mir geholfen und sich für mich eingesetzt. Aber im Haftraum, wenn man lange auf engem Raum zusammen eingesperrt ist, bekommt man auch andere Seiten von den Menschen zu sehen“, so der junge Doppelmörder aus Niederösterreich.
Hinter seinem Rücken geplaudert
Er habe seinem Zellengenossen intimste Details über den Tod seiner geliebten Schwester und Taten seiner Stiefmutter erzählt. „Er hat meine tiefsten Geheimnisse gekannt, aber dann habe ich gehört, dass er die hinter meinem Rücken ausplaudert und schlecht über mich redet“, so der 19-Jährige. Als er sich am 26. November des Vorjahres mit einer Rasierklinge selbst im Gesicht verletzte, bat ihn der Zellengenosse, damit aufzuhören, was das Fass zum Überlaufen brachte. Der 25-Jährige erlitt unter anderem einen offenen und verschobenen Nasenbeinbruch, der Doppelmörder ließ erst von ihm ab, als der dritte Zellengenosse (41) dazwischenging.
„Verstehe seinen Suchtdruck“
Wenig später bekam auch der 38-Jährige die Fäuste des halb so alten Angeklagten zu spüren: „Er hat mich schon wochenlang drangsaliert, dass wir Tabletten tauschen. Er ist mich immer wieder deswegen angegangen. Ich verstehe seinen Suchtdruck, aber das wurde mir einfach zu viel“, so der Angeklagte am Landesgericht Steyr. Das Opfer kam zwar mit Prellungen und blauen Flecken davon, bangte aber um sein Leben: „Ich bin seit 15 Jahren eingesperrt und habe schon oft einkassiert, so ist das im Gefängnis. Aber was ich in diesen Minuten erlebt habe, ist mir noch nie passiert. Nach einem Schlag direkt aufs Auge wurde ich fast bewusstlos und mir wurde klar, wenn ich jetzt nicht Hilfe bekomme, ist es aus“, schildert der Frauenmörder die Situation. Ein Notruf per Knopf an die Justizwache rettete den eher kleinen und gebeugten, aber eloquenten Mann.
Ich habe schon oft einkassiert, so ist das im Gefängnis. Aber was ich in diesen Minuten erlebt habe, ist mir noch nie passiert.
Erzählt der Zellengenosse (38) vor Gericht.
18 Monate Haft, aber ...
Alle drei Zeugen – die beiden Mörder und der dritte Zellengenosse – sprachen sich aber überraschend für den 19-jährigen Angeklagten aus – er habe es schwer, zudem habe er sich bei allen entschuldigt, und die Sache sei mit geringen Schmerzengeldern gegessen. Auch Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger plädierte für eine milde Strafe für den Doppelmörder. Die Richterin entschied sich für 18 Monate Haft, die er im Anschluss an seine 13-jährige Strafe absitzen muss. Die Haftdauer könnte sich aber noch weiter verlängern: Der 19-Jährige hat in der Zwischenzeit schon wieder einem Mithäftling ein blaues Auge verpasst. Ob er überhaupt jemals aus dem Maßnahmenvollzug freikommt, ist unklar.
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