„Versorgungslücke“

Gewalt nimmt zu, aber die Männerberatung stockt

Oberösterreich
30.05.2026 09:00

Weniger Mitarbeiter, weniger Betreuungseinheiten für männliche Klienten – die bis zu drei Monate auf ein Erstgespräch warten müssen: Die SPÖ ortet Versorgungslücken bei der Prävention gegen Übergriffe auf Frauen in Oberösterreich und fordert eine Ausweitung und eine stärkere Bewerbung des Angebots.

Vor wenigen Tagen wurden die beiden bisher letzten Frauen, die in Oberösterreich einer Gewalttat zum Opfer fielen, begraben: In Linz hatte Anfang Mai ein 88-Jähriger seine Frau (89) und die gemeinsame Tochter (61) erschossen. Österreichweit wurden heuer insgesamt bereits 13 Frauen von Männern getötet.

Fünf Standorte in Oberösterreich
Ein Eckpfeiler in der Prävention gegen Gewalt an Frauen ist die Männerberatung des Landes OÖ, die an fünf Standorten – Linz, Wels, Ried/I., Schärding und Vöcklabruck – angeboten, aber offenbar immer weniger frequentiert wird. Laut Beantwortung einer SPÖ-Anfrage durch den zuständigen LH Thomas Stelzer (ÖVP) ist die Zahl der betreuten Männer seit 2022 um knapp 17 Prozent von 1148 auf 958 zurückgegangen. Auch die Zahl der Beratungseinheiten für männliche Klienten ist gesunken – von 4102 im Jahr 2022 auf 3709 im Vorjahr (minus zehn Prozent).

Zwei bis drei Monate Wartezeit
Dazu kommt die dünner werdende Personaldecke: 2022 standen für Männerberatung 2,72 Vollzeitäquivalente zur Verfügung, 2025 waren es nur noch 1,65. Die Folge: Hilfesuchende müssen laut Stelzer zwei bis drei Monate auf ein Erstgespräch warten. „In psychosozialen Notlagen ist das eine echte Versorgungslücke mit möglicherweise gravierenden Folgen“, kritisiert SPÖ-Klubchefin Sabine Engleitner-Neu. Sie fordert mehr Ressourcen und eine stärkere Bewerbung der Männerberatung.

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