Theater an der Wien

Viel Plastik im Dekolleté und Kamele auf Rädern

Kritik
11.04.2026 18:00

Mit Leonardo Vincis „Alessandro nell‘Indie“ landet das Theater an der Wien einen laut bejubelten Riesenerfolg. Man erlebt einen rasanten und witzigen Barockopern-Abend mit grandiosen Sängern bei dem einfach alles stimmt. 

kmm

Im römischen „Teatro delle Dame“ kam Leonardo Vincis „Alessandro“ heraus. Doch Damen hat der prachtvolle Streich des neapolitanischen Opern-Meisters noch nie gesehen. Weder bei seiner Bühnengeburt im Karneval 1730, noch bei der Wiederbelebung 2022 in Bayreuths markgräflichem Opernhaus und seiner Wiener Wiederaufnahme.

Was in Rom päpstliches Gesetz war, nämlich keine Frauen auf der Bühne, machte sich Countertenor, Bayreuth-Baroque-Intendant und Regisseur Max Emanuel Cencic zum frisch-frechen Lust-Prinzip: Statt Kastraten gibt es zwei Sopranisten und drei Countertenöre, dazu einen Tenor, zwei Schauspieler und zehn Tänzer, allesamt Männer.

Das Ganze stellt Cencic in eine Rahmenhandlung im als indische Palastfantasie errichteten Royal Pavilion von Brighton – erbaut vom für seine Exzesse berüchtigte George IV. Maayan Licht ist der herrlich exaltierte Brite, wuselt und girrt bald auch als Alexander durch ein Indien des knallbunten Wahnsinns: Bollywood Goes Baroque!

Da wird getanzt, dass der Ganges brodelt, werden Spitzentöne geschleudert, Plastikbusen gelüpft, Zickenkriege und Koloraturschlachten ausgefochten, Herzenspein gelitten, Kamel- und Elefantenfahrräder beritten. Cencic balanciert das blendend geführt, fantasie- und fintenreich aus.

Und hat eine betörende Besetzung: Allen voran spinnt Bruno de Sá als wahrlich königliche Cloefide außerirdisch schöne Soprangirlanden, tobt Dennis Orellana herzhaft schön als Poro, gibt Jake Arditti seine herrlich herb knatschige Schwester, begeistert Nicholas Tamagna als lieber Verräter mit saftig tiefsatten Tönen. Selbst der Tenor (Stefan Sbonnik) singt nicht auf verlorenem Posten. Martyna Pastuszka befeuert geigend den heftigst bejubelten Abend mit ihrem grandiosen {oh!} Orkiestra.

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