Festival-Resümee

Mozart tröstet: Wiener Klänge in Südfrankreich

Kritik
07.07.2026 14:34

Festival d’Aix en Provence: Als letzte große Produktion begeistert die Wiederaufnahmen von Romeo Castelluccis atemberaubender Sicht auf Mozarts Requiem.

kmm

Zutiefst tröstlich endete der Premierenreigen in Aix-en-Provence. Ein Baby schaut in den Nachthimmel im Théâtre de l’Archevêché. Dazu erklingt der Hymnus „In Paradisum“.

Romeo Castellucci lässt seine szenische Interpretation des Mozart-Requiems lebenbejahend enden. In einer Umkehrung der Totenklage, ein Rückwärtsgang aus dem Tod in das (ewige?) Leben, an deren Beginn eine alte Frau in ihrem Bett versinkt.

Darauf startet eine rätselhaft faszinierende Reise durch das Leben und die Endlichkeit in atemberaubenden assoziativen Bildern. Castellucci projiziert einen „Atlas der Vergänglichkeit“ mit Namen ausgestorbener Tierarten, versunkener Religionen und Kulturen oder verlorener Kunstwerke als Mahnung auf die Vergänglichkeit unserer Welt.

Szene aus „Die Frau ohne Schatten“: Die überragende Ambur Braid als blutrauschige Färberin.
Szene aus „Die Frau ohne Schatten“: Die überragende Ambur Braid als blutrauschige Färberin.(Bild: DIE FRAU OHNE SCHATTEN<?ZE?>Festival d’Aix-en-Provence 2026 © Monika Rittershaus<?ZE?>)

Das grandiose Kraftzentrum sind der tanzende, spielende Chœur sowie das Orchestre Pygmalion unter Raphaël Pichon. Auch die vier Solisten (Mélissa Petit, Beth Taylor, Duke Kim, Alex Rosen) fügen sich wunderbar in diesen großen Wurf von 2019, 2022 dann beim Koproduktionspartner Wiener Festwochen zu erleben, der nichts an seiner überwältigenden Kraft eingebüßt hat.

„Die Zauberflöte“: Der kleine Tamino im zerstörten Nachkriegs-Berlin.
„Die Zauberflöte“: Der kleine Tamino im zerstörten Nachkriegs-Berlin.(Bild: JEAN-LOUIS FERNANDEZ)

Es war damit übrigens das dritte in Wien uraufgeführte Stück im diesjährigen Programm. Mit einer von Regisseur Clément Cogitor ungewöhnlich dunkel, in der Nachkriegszeit angesiedelten, aber in sich überzeugenden „Zauberflöte“ hatte man eröffnet. Es folgte eine besonders dank Klaus Mäkelä am Pult des Orchestre de Paris begeisternde, einst von Strauss und Hofmannsthal für Wien geschaffene „Frau ohne Schatten“. Barrie Koskys bildgewaltige Inszenierung beeindruckt stark, lässt aber im Ende zu vieles unbewältigt.

Das Festival setzt zentral aber ebenso auf Zeitgenössisches. Publikumsnah und gelungen in der zur Uraufführung gebrachten sardischen Sterbehilfe-Oper „Accabadora“ des Italieniers Francesco Filidei.

Szene aus Francesco Filideis „Accabadora“, nach dem gleichnamigen Besteller von Michela Murgia.
Szene aus Francesco Filideis „Accabadora“, nach dem gleichnamigen Besteller von Michela Murgia.(Bild: JEAN-LOUIS FERNANDEZ)

Explizit neutönend in einem hoch spannenden Abschlusskonzert einer Residenz für zeitgenössische Musiker. Meisterpianist Pierre-Laurent Aimard betreute dabei drei junge Pianisten und eine Pianistin, die vier ganz verschiedene, vor allem stark mit präpariertem Klavier agierende, vom Festival beauftragte Kompositionen aus der Taufe hoben. Entwickelt von drei Komponisten und einer Komponistin, denen wiederum der bekannte italienische Kollege Marco Stroppa durch zwei Wochen hindurch sein Wissen weitergeben konnte.

Bis 21. Juli laufen die Reprisen der szenischen Produktionen, dazu ergänzen Konzerte, etwa vom Klangforum Wien oder mit Verdis „Sizilianischer Vesper“, dieses hochklassige, dabei wunderbar legere wie charmante Festival.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung