Dukovany bleibt

Alt-Reaktor an Grenze soll noch 80 Jahre laufen

Ausland
10.04.2026 13:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es ist eine Entscheidung, die weit über die Grenzen hinaus Wirkung entfalten dürfte: Nur rund 100 Kilometer nördlich von Wien könnte eines der ältesten Atomkraftwerke Tschechiens noch bis in die Mitte der 2060er-Jahre Strom liefern – und damit doppelt so lange wie ursprünglich vorgesehen. Während die Betreiber auf stabile Anlagen und neue Analysen verweisen, warnen Kritiker vor einem Weiterbetrieb einer aus ihrer Sicht technisch überholten Reaktorlinie in unmittelbarer Nachbarschaft zu Österreich.

Im Zentrum der Pläne steht das Atomkraftwerk am Standort Dukovany in der Tschechische Republik. Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček kündigte in Prag an, dass die vier Reaktorblöcke dort bis zu 80 Jahre lang betrieben werden könnten. Die Anlage könnte damit – nach aktuellem Stand – bis etwa 2065 bis 2067 Strom produzieren.

Laufzeit deutlich über ursprünglichen Plan hinaus
Die Reaktoren des Typs WWER-440/213 gingen bereits zwischen 1985 und 1987 ans Netz. Ursprünglich war ihre Laufzeit mit rund 60 Jahren angesetzt. Nun wird diese Perspektive deutlich nach oben korrigiert: Laut Daniel Beneš, Vorstandschef des teilstaatlichen Energieversorgers ČEZ, hätten aktuelle wirtschaftliche und sicherheitstechnische Analysen gezeigt, dass ein längerer Betrieb möglich sei. „Jeden Tag stellen wir fest, dass sie in einem ausgezeichneten Zustand sind“, wurde Beneš zitiert.

Alter Reaktortyp sorgt weiter für Bedenken
Eine fixe Laufzeitbegrenzung gibt es in Tschechien nicht. Die nun diskutierte Verlängerung um bis zu zwei Jahrzehnte ist jedoch politisch und technisch umstritten – nicht zuletzt wegen des Alters der Anlage. Umweltorganisationen, insbesondere auch aus Österreich, halten den Reaktortyp WWER-440/213 für veraltet und potenziell risikobehaftet.

Kritiker verweisen darauf, dass baugleiche Reaktoren auch im inzwischen stillgelegten Atomkraftwerk Greifswald in der ehemaligen DDR eingesetzt wurden – konkret in den Blöcken 5 bis 8.

Parallelplanung neuer Reaktoren
Parallel zur möglichen Verlängerung der Altanlage treibt Tschechien den Ausbau der Atomenergie voran. In Dukovany sind zusätzlich zwei neue Reaktorblöcke geplant. Den Zuschlag dafür erhielt im vergangenen Jahr der südkoreanische Konzern KHNP.

„Logische Ergänzung“ oder riskante Doppelstrategie?
Minister Havlíček bezeichnete den Weiterbetrieb der alten Blöcke ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als „logische Ergänzung“ zu den Neubauplänen. Kritiker sehen darin jedoch eine gefährliche Doppelstrategie: Während neue Reaktoren erst in ferner Zukunft ans Netz gehen dürften, bleiben gleichzeitig hochbetagte Anlagen weiter in Betrieb – in unmittelbarer Nähe zur Grenze.

Sicherheitsfrage bleibt offen
Besonders sensibel ist der Standort auch geografisch: Dukovany liegt nur rund 100 Kilometer nördlich von Wien und nur wenige Dutzend Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Gerade aus Österreich kommt seit Jahren scharfe Kritik an der Sicherheitsarchitektur älterer Atomkraftwerke in der Region.

Während Betreiber und Regierung auf Stabilitätsanalysen und wirtschaftliche Vorteile verweisen, bleibt die grundsätzliche Frage offen, ob ein Betrieb über 80 Jahre bei einem Reaktortyp aus sowjetischer Bauzeit noch zeitgemäß ist – oder ob hier ein Risiko verlängert wird, das politisch zunehmend schwer zu rechtfertigen sein dürfte.

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