Ein leises, beklemmendes Kammerspiel über Verlust, Hoffnung und die schwindende Grenze zwischen Realität und Imagination: David Böschs Uraufführung „Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung“ führt dorthin, wo Sprache schweigt und Gefühle ungeschützt zutage treten.
Bei der vorletzten Premiere der Saison bringt das Stadttheater Klagenfurt mit der Uraufführung „Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung“ eine stille, eindringliche Produktion auf die Bühne, die zwischen Resignation, Lichtblicken und schreiender Fassungslosigkeit pendelt, gebrochen durch eine märchenhafte, poetische zweite Ebene.
David Bösch zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, für den Schauspieldirektor am Landestheater Linz ist es auch sein erstes selbst geschriebenes Theaterstück. Im Zentrum steht das Wiedersehen eines lang getrennten Paares auf der Intensivstation: Ihr schwer verletzter neunjähriger Sohn Jonah liegt nach einem Unfall im Koma. Es ist eine Wiederbegegnung zwischen Abrechnung und Annäherung, zwischen banalen Worthülsen und aufbrausenden Emotionen.
Emotionale Auswüchse zwischen Realität und Zwischenwelt
Während die Eltern um ihr Kind bangen, begibt sich Jonah in eine zweite Ebene jenseits der technischen Geräte, die ihn am Leben halten – in eine imaginative Zwischenwelt voller Tiere. Dort begegnet er Hannah, die ebenfalls auf der Intensivstation liegt und ihm in Gestalt einer Füchsin gegenübertritt.
Bösch inszeniert sein Stück mit beklemmender Stille und einem Blick auf das Wesentliche: die emotionalen Auswüchse, die aus einer der schlimmsten Situationen des Lebens herausbrechen. Er lässt die beiden Schauspieler gekonnt im puristischen Bühnenbild (Patrick Bannwart) zwischen Realität und Zwischenwelt agieren, bedient jedoch in der Figurenkonzeption der Eltern leider gängige Rollenklischees.
Starke Momente und tiefe Betroffenheit
Umso poetischer und bildlicher geraten die Szenen der Kinder. Wenn da Füchsin Hannah „Wie schön, dass ich geboren bin, ich hätte mich sonst sehr vermisst“ lautstark in der Zwischenwelt singt, während ihre Eltern die lebenserhaltenden Maschinen in der Realität abschalten, läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter.
Zwischen Krankenhausbett und lichtgebrochenem Wald spielen Nanette Waidmann und Helmuth Häusler auf der Klaviatur der Gefühle – von ausbrechenden Monologen bis hin zu stummem Spiel – eindringlich und nuanciert wechseln sie souverän zwischen Eltern- und Kinderfiguren.
Standing Ovations für gelungene Produktion
Im nebelbedeckten See der Wortlosigkeit zieht regelmäßig ein heftiger Sturm mit einzelnen Humortropfen auf. Wobei eine Straffung einzelner realer Szenen möglicherweise die Intensität verstärkt und eine Prise mehr Zauber in der Surrealität die Poesie unterstrichen hätte. Ob die letzte kurze Szene dem Stück einen würdigen Abschluss bietet, ist diskutabel.
Eine Geschichte, die niemand erleben möchte, welche aber hinter der vierten Wand den Zuschauer in einen derartigen Sog der Betroffenheit mitreißt – Taschentücher werden ausgepackt, die eine oder andere leise Träne rinnt – Standing Ovations. Eine Produktion, die bestimmt die gleiche Zuschaueranzahl verdient, wie eine klassische Boulevardkomödie. Die Koproduktion mit dem Landestheater Linz ist noch bis 22. Mai zu sehen.
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