Neubeginn im Ländle

Hoffnung auf eine Zukunft ohne Korruption

Vorarlberg
07.04.2026 06:00

Sie hatte ein Haus, ein Auto, ein gutes Leben – und trotzdem hat Brankica (39) aus Nordmazedonien alles hinter sich gelassen. Nicht aus Leichtsinn, sondern aus Hoffnung auf eine Zukunft ohne Korruption und Chancen für ihre Kinder.

Die 39-Jährige hatte in Nordmazedonien ein Haus, Familie, Freunde und arbeitete als Tierarzthelferin. „Wir hatten alles“, erzählt sie. Und doch fehlte etwas Entscheidendes: Perspektive. „Es war schwierig. Viel Politik, viel Korruption. Wenn du auf meiner Seite bist, hast du Arbeit. Wenn nicht, keine“, beschreibt sie das System. „Für meine Töchter wollte ich das nicht.“ Korruption ist in Nordmazedonien immer noch weit verbreitet. Sie durchdringt verschiedenste Ebenen, von der Politik über Behörden bis hin zu den Gerichten.

Ein neues Leben begann
Der Entschluss, nach Österreich zu gehen, fiel ihr nicht leicht. Der Weg nach Vorarlberg begann mit einem Besuch. Die Cousine ihres Mannes wohnte in Bregenz und brauchte Unterstützung mit ihren Kindern. Aus drei Monaten wurde ein Neuanfang. Ihr Mann, ein erfahrener Lkw-Lenker mit europäischer Fahrerlizenz, fand schnell Arbeit bei einer großen Spedition im Ländle, kurz darauf zog die ganze Familie nach. Ein neues Leben begann – mit diesem kamen auch die ersten Herausforderungen.

Denn in Vorarlberg war alles anders: Die Sprache, der Alltag, die Menschen. Vor allem hatte Brankica mit der Isolation zu kämpfen. „In Mazedonien hatte ich viele Leute um mich. Familie, Freunde“, sagt Brankica. „Hier saß ich nur zu Hause.“ Die fehlenden sozialen Kontakte, die Unsicherheit und der Druck, sich zurechtzufinden, führten bei ihr zu einer Depression. „Ich hatte Angst, ich wusste nicht, wie es weitergeht.“ Trotzdem verlor sie ein Ziel nie aus den Augen: „Ich wollte unbedingt arbeiten.“ Doch ohne ausreichende Deutschkenntnisse blieb der Einstieg schwierig. Das AMS schickte sie zunächst zu einem Deutschkurs. Als sie wegen der Hochzeit ihrer Schwester zwei Wochen nach Hause fuhr, wurde ihr der Kursplatz gestrichen. Zurück in Vorarlberg, stand sie ohne Kurs und ohne Arbeit da. Der Weg zurück ins Berufsleben schien weit.

Aqua Mühle – die Zentrale in Frastanz.
Aqua Mühle – die Zentrale in Frastanz.(Bild: Aqua Mühle)

„Frauen-Power“-Kurs von der Aqua Mühle
Die Wende kam mit einem Angebot, das vielen Frauen in ähnlichen Situationen hilft: dem „Frauen-Power“-Kurs von Aqua Mühle. Drei Tage pro Woche traf Brankica dort auf Frauen aus unterschiedlichsten Ländern – alle mit ähnlichen Erfahrungen. „Wir hatten alle die gleichen Probleme“, erzählt sie. „Sprache, Arbeit, neues Leben.“ Der Austausch wurde schnell zur Stütze. Im geschützten Rahmen konnten Themen wie Einsamkeit, familiäre Belastungen und Unsicherheit angesprochen werden. Für Brankica war der Kurs mehr als nur ein Sprachtraining. „Es war wichtig für meine Gesundheit. Ich war nicht mehr allein.“ Schritt für Schritt fand sie zurück in einen geregelten Alltag – und auch zurück zu sich selbst.

Parallel dazu wurde sie von Aqua Mühle beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt. Gemeinsam mit einer Personalvermittlerin formulierte sie ihr Ziel klar: „Egal was – ich will arbeiten.“ Kurz darauf folgte die Chance: ein Vorstellungsgespräch bei Interspar. „Ich war nervös, aber ich habe es einfach durchgezogen“, erzählt sie. Wenige Tage später durfte sie zum Probearbeiten kommen. Eine Woche lang zeigte sie, was in ihr steckt. Dann kam die Zusage. „Alles ging so schnell“, sagt sie und lacht. „Ich war so glücklich.“ Heute arbeitet Brankica Vollzeit in der Brotabteilung. Ihre Kolleginnen unterstützen sie und geben ihr Sicherheit. „Ich habe jetzt Freundinnen. Das macht alles leichter.“

„Alles ist jetzt besser“
Auch zu Hause hat sich vieles stabilisiert. Die Familie lebt in einer schönen Wohnung in Feldkirch. Die Töchter besuchen die Handelsakademie, sprechen ausgezeichnet Deutsch und haben Perspektiven. „Alles ist besser jetzt“, sagt Brankica. Ganz am Ziel sieht sie sich dennoch nicht. Sie möchte weiter Deutsch lernen. Brankica besucht derzeit einen B1-Deutschkurs, auch wenn das mit den Arbeitszeiten nicht leicht zu vereinbaren ist. Sie will eines Tages vielleicht wieder in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten oder eine Ausbildung in der Kinderbetreuung oder im Sozialbereich machen. „Ich will helfen und eine gute Arbeit machen.“

Ihre Geschichte zeigt, wie entscheidend gezielte Unterstützung sein kann. Angebote wie jene von Aqua Mühle schaffen Räume, in denen Menschen nicht nur Sprache lernen, sondern auch Halt finden, Selbstvertrauen aufbauen und konkrete Chancen bekommen. „Das war sehr wichtig“, betont Brankica. Jetzt ist sie im Ländle angekommen. Der Weg war nicht einfach. Aber er zeigt: Mit Mut, Unterstützung und der Chance auf Arbeit kann ein Neuanfang gelingen.

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