Bedingte Haftstrafe

Fahrradtourist wurde als Opferstockdieb entlarvt

Vorarlberg
31.03.2026 06:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Unter dem Deckmantel des naturliebhabenden Fahrradtouristen hatte ein vorbestrafter Portugiese einen Opferstockdiebstahl in Au (Vorarlberg) begangen. Das gerichtliche Nachspiel setzte es jetzt am Landesgericht Feldkirch.

Ein moderner Hannibal Barca – allerdings ohne Elefanten, dafür mit Drahtesel: So könnte man den 41-jährigen Portugiesen nennen, der angeblich nichts Geringeres vorhatte, als den winterlichen Jochbergpass per Fahrrad zu bezwingen. Eine Heldengeschichte? Eher nicht. Denn wie so oft gilt: Die Wahrheit ist manchmal weniger episch als gedacht.

Abenteuerliche Pläne am Fahrrad
Seine Version der Wahrheit klingt jedenfalls abenteuerlich: Eine lange Radtour von Luxemburg bis in den Bregenzerwald, mitten im Februar. Doch Richter Theo Rümmele bleibt trocken: „Mit dem Rad? Unmöglich – dort liegt um diese Zeit meterhoch Schnee.“ Ein Satz, der die Geschichte schneller zum Schmelzen bringt als jede Frühlingssonne. Auch sonst wirkt die Erzählung des portugiesischen Leasingarbeiters löchrig.

Mit dem Diebstahl aus dem Opferstock der Pfarrkirche Au will der Mann jedenfalls nichts zu tun haben. Zufall also, dass in seinem Zelt Werkzeuge, Drähte und Klebeband gefunden werden – „klassisches Zubehör“, wie die Staatsanwältin bemerkt. Dazu 186 Euro und ein paar Schweizer Rappen. Der „Eddy Merckx der Alpen“ bleibt vor Gericht erstaunlich ahnungslos. „Ich erinnere mich nicht an diese Kirche“, sagt er, selbst als ihm ein Foto unter die Nase gehalten wird. Und als er seine Route auf der Landkarte zeigen soll, verirrt er sich – nicht nur geografisch. Ein Zeuge hatte ihn zuvor bereits verdächtig nahe der Kirche in Schnepfau gesehen.

Heimreise auch wieder mit dem Drahtesel?
Am Ende sind es viele kleine Widersprüche, die ein klares Bild ergeben. Oder, um es ironisch zu formulieren: Nicht jeder, der über Berge spricht, hat sie auch wirklich überquert. Das Urteil lautet sieben Monate Haft, sechs davon bedingt. Nach einem Monat in U-Haft darf der „Rad-Abenteurer“ seine Gefängniszelle räumen und die tristen Mauern gegen Freiheit eintauschen. Die Frage, ob er für den Heimweg nach Luxemburg wieder die Alpen per Drahtesel überquert, bleibt unbeantwortet.

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