Die Situation am Arbeitsmarkt bleibt schwierig: Tausende junge Menschen suchen eine Lehrstelle, finden aber keine. Die Lücke wächst, mit fatalen Folgen für den Wirtschaftsstandort. Die Grünen schlagen jetzt Alarm, die Stadt kontert und will gegensteuern.
Die Lehre hatte in Österreich nicht immer so ein positives Bild wie jetzt. Kämpft sie doch mit Vorurteilen wie geringem Ansehen und Entlohnung. Dabei gilt sie als ein bewährter Weg in den Beruf, besonders die Lehre mit Matura. Wien zeigt dabei wieder einmal, dass es anders ist. Denn während in anderen Bundesländern die Lehrlingszahlen zurückgehen, zeigt sich die Lage in der Bundeshauptstadt stabil – sie steigen sogar.
Wien bleibt Spitzenreiter bei Lehrlingszahlen
Denn während in anderen Bundesländern die Lehrlingszahlen zurückgehen, zeigt sich die Lage in der Bundeshauptstadt stabil – sie steigen sogar. Aktuell werden in Wien 18.270 Lehrlinge ausgebildet, davon 6451 im ersten Lehrjahr. Rund 3270 Lehrlinge absolvieren ihre Ausbildung in überbetrieblichen Lehrwerkstätten und weitere 900 in unterschiedlichen überbetrieblichen Ausbildungsformen. Trotz wirtschaftlich schwerer Zeiten gibt es heute in Wiens Betrieben um 1150 Lehrlinge mehr als vor sechs Jahren, das ist ein Anstieg von 8,8 Prozent.
Doch es gibt leider wie immer auch die andere Seite der Medaille. Weil das Interesse an der dualen Berufsausbildung so hoch ist, stehen rund 5300 Lehrstellensuchenden momentan nur rund 800 offenen Stellen gegenüber. ÖGB und AK warnen deshalb bereits vor einer wachsenden Lehrstellenlücke. In regelmäßigen Abständen rufen Arbeitgeber nach mehr Fachkräften. Doch sie gehören auch ausgebildet, um den Wirtschaftsstandort langfristig zu sichern. Auch die Grünen schlagen jetzt Alarm und sorgen sich um die Nachwuchskräfte von morgen.
Der Stadt Wien kommt dabei eine besondere Rolle zu: Sie ist das größte Ausbildungsunternehmen in der Stadt und sogar unter den Top 10 in ganz Österreich. Der Bewerbungsschluss für den Herbst naht jetzt, und der Ansturm auf die Lehrstellen ist riesig. Insgesamt haben sich laut Magistratsdirektion 3979 Personen beworben. Heuer können 150 Personen (exklusive der Aufnahmen im Wiener Gesundheitsverbund) aufgenommen werden. Aktuell sind bereits 644 Lehrlinge in 26 Bereichen beschäftigt.
Die Wiener Stadtwerke-Gruppe bildet aktuell rund 700 Lehrlinge in 21 Berufen aus. Erfolgreiche Auszubildende haben dort eine langfristige Perspektive: 80 Prozent werden danach in ein dauerhaftes Dienstverhältnis übernommen.
Neue Berufsschule in der Seestadt entsteht
Die Stadt will aber weitere nachhaltige Maßnahmen zur Stärkung der Lehre setzen, wie auch Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) bekräftigt. Etwa mit dem Bau des neuen Zentralberufsschulgebäudes in der Seestadt, Klimaschutz-Lehrausbildungsprämien oder Förderungen für Betriebe, welche erstmals Lehrlinge ausbilden.
Mit über 18.200 Lehrlingen ist Wien nicht nur Ausbildungs-, sondern auch Zukunftsstadt. Die Lehre ist ein Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft.

Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ)
Bild: APA/GEORG HOCHMUTH
Grüne fordern jetzt noch mehr Unterstützung für junge Menschen
Vor wenigen Tagen machten die Grünen auf die Lage junger Menschen aufmerksam. Die Wiener Jugendlichen würden zunehmend unter Druck stehen. Derzeit sind laut der Ökopartei 13.109 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Diese Zahl sei seit Jahren konstant hoch. Parteichefin Judith Pühringer machte auch noch auf einen anderen Umstand aufmerksam: Die Zahl der Lehrstellensuchenden sei im Vergleich zu 2024 um 11,1 Prozent gestiegen. Ein Anstieg, der doch überrascht.
Die Ökos kritisieren dabei die Stadt: Von insgesamt 10.500 Bewerbungen bei der Stadt werden am Ende nur 230 genommen. Die Lücke werde immer größer. Besonders schlecht sei die Situation für junge Menschen mit Inklusionsbedarf: Hier fehlt es an Schul- und Ausbildungsplätzen. Die Stadt Wien bilde außerdem derzeit etwa nur neun Jugendliche mit Inklusionsbedarf als Lehrlinge aus. Zahlen, die so von der Magistratsdirektion nicht bestätigt werden: „Eine Behinderung stellt grundsätzlich kein Hindernis für eine Aufnahme in der Stadt Wien dar. Für eine integrative Lehre ist neben dem zusätzlichen Lehrjahr auch ein erhöhter Betreuungsaufwand in den Dienststellen erforderlich.“
Die Grünen fordern nun dennoch einen Ausbau der Lehrstellen in städtischen Betrieben, vor allem in den klimasozialen Berufen. Passieren soll das durch eine Erhöhung der Lehrstellen im Magistrat und in den stadtnahen Betrieben. Die Stadt kontert: Erstmals werden im kommenden Lehrjahr auch zwei Klimagärtner ausgebildet. Nachsatz. „Ein weiterer Ausbau der Lehrstellen in klimasozialen Berufen wird sukzessive erfolgen, da entsprechende Fachkräfte mit Berufserfahrung und Qualifizierung für die Ausbildung von Lehrlingen laufend aufgebaut werden müssen.“
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