Ukraine-Geldtransport

„Vertrauliche Information“ an Behörden in Wien

Österreich
29.03.2026 08:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Parallel zu einer umstrittenen Operation in Ungarn Anfang März haben sich auch österreichische Ermittler mit Geldtransporten in die Ukraine befasst.

„Es gab eine oberflächliche, vertrauliche Information an das Bundeskriminalamt, dass es zu Transporten von Bargeld von Österreich in die Ukraine kommt. Dieser Umstand wurde an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet“, erklärte ein Innenministeriumssprecher. „Profil“ referierte am Samstag eine analoge Auskunft.

Ein Bericht des Bundeskriminalamts sei Anfang März eingelangt und geprüft worden, bestätigte auch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Mitte März sei jedoch festgestellt worden, dass kein Anfangsverdacht auf eine Straftat vorliege und deshalb auch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, führte sie am Freitagnachmittag aus. Konkret sei der Verdacht auf Geldwäsche überprüft worden.

Am Donnerstag wurden die ukrainischen Transporter in Budapest übergeben.
Am Donnerstag wurden die ukrainischen Transporter in Budapest übergeben.(Bild: AFP/ATTILA KISBENEDEK)

Keine Amtshilfe für ungarische Operation in Österreich
Weshalb das Bundeskriminalamt ausgerechnet bei jenen streng reglementierten und regelmäßig durchgeführten Geldtransporten, bei denen die Raiffeisen Bank International (RBI) die staatliche, ukrainische Oschtschadbank mit Dollar, Euro und Goldbarren versorgt, an ein „schwer wiegendes Verbrechen“ dachte und deshalb einen Anfallsbericht an die Staatsanwaltschaft übermittelte, blieb unklar. In der Bankbranche selbst gilt der Vorgang als gewöhnlich: „Das ist seit Jahren ein völlig normales Geschäft“, hatte Anfang März der ehemalige CEO der ukrainischen Privatbank, Gerhard Bösch, die am 5. März erfolgte Beschlagnahmung eines Oschtschadbank-Geldtransports durch die ungarische Antiterroreinheit TEK kommentiert. Als „lächerlich“ bezeichnete der österreichische Banker damals auch die Vorwürfe der ungarischen Steuer- und Zollbehörde (NAV), die diese Operation mit Verdacht auf Geldwäsche begründet hatte.

Das beschlagnahmte Geld und Gold, das von den ungarischen Behörden einbehalten wurde.
Das beschlagnahmte Geld und Gold, das von den ungarischen Behörden einbehalten wurde.(Bild: AFP/HANDOUT)

Ungarn hatte dabei jedenfalls ohne österreichische Unterstützung agiert: Im Innenministerium in Wien versicherte man vergangene Woche, dass es weder im Vorfeld noch nach dem Zugriff auf den Geldtransport Amtshilfe für ungarische Behörden in dieser Causa gegeben habe. Keine Bestätigung lag im Ministerium zu einem Medienbericht vor, wonach ungarische Geheimdienstler seit Jänner 2026 durch die Bespitzelung von in Geldtransporte involvierten Mitarbeitern der Oschtschadbank auch auf österreichischem Staatsgebiet vorbereitet hätten. Der ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi hatte dies am 20. März mit Verweis auf anonyme Quellen im Onlinemedium vsquare.org behauptet. Würde die Darstellung zutreffen und diese Bespitzelung als Aktivität zum Nachteil Österreichs qualifiziert werden, könnten derartige Handlungen nach dem Spionageparagrafen strafrechtlich verfolgt werden.

Orbán-Dekret verhindert Rückgabe des Bargelds an Ukraine
Während die sieben zunächst festgenommenen Mitarbeiter der ukrainischen Bank nach Zeugenvernehmungen in Handschellen sowie Injektionen mit einer unbekannten Substanz – so der Leiter des Transports, Hennadij Kusnezow, am Dienstag in einer Pressekonferenz in Kiew – in die Ukraine abgeschoben wurden, befinden sich 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro sowie neun Kilogramm Gold aus dem Besitz der Oschtschadbank weiterhin in Ungarn. Für die rechtlichen Rahmenbedingungen sorgte insbesondere ein Dekret von Premierminister Viktor Orbán, der mit Verweis auf den seit 2022 in seinem Land herrschenden Ausnahmezustand der Steuer- und Zollbehörde am 9. März anordnete, die Causa 60 Tage lang zu untersuchen.

Das Dekret suggerierte auch, dass die Gelder teils für politische Organisationen bestimmt gewesen sein könnten: Im laufenden ungarischen Parlamentswahlkampf hatte die Fidesz-Partei dem Oppositionsführer und Orbán-Herausforderer Péter Magyar wiederholt Affinität zur Ukraine vorgeworfen. Als Reaktion auf die Beschlagnahmung hat die Oschtschadbank laut eigenen Angaben auf weitere Bestellungen von Bargeld in der EU verzichtet und kündigte parallel rechtliche Schritte gegen ungarische Behörden an.

EZB sieht Bedrohung für Euro als internationale Währung
Kritik am ungarischen Vorgehen kam zuletzt nicht nur aus der Ukraine, sondern auch von europäischen Institutionen. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, ließ am Mittwoch via „Financial Times“ wissen, dass diese Situation das Standing des Euro als internationale Währung gefährde. Lagarde würde diese Angelegenheit gegenüber Behörden in Budapest und Brüssel ansprechen, informierte die britische Wirtschaftszeitung.

Zurückhaltend kommentierte zuletzt das österreichische Außenministerium. Auf die Frage, ob die Causa Geldtransporter in bilateralen Kontakten mit Ungarn angesprochen worden sei, erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums am Mittwoch, dass man mit zuständigen Ministerien die Entwicklungen sehr genau beobachte. „Dies gilt auch in Bezug auf die Medienberichte vom Wochenende bezüglich der vermeintlichen Informationsweitergabe durch Ungarn an Russland“, betonte sie mit Verweis auf Recherchen, die sich auf intensive Telefonkontakte des ungarischen Außenministers Péter Szijjártó mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow bezogen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt