Osterfestspiele

Richard Wagners Orchestergold mit Afrika-Show

Kritik
28.03.2026 16:27

Osterfestspiele Salzburg: Die Rückkehr der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko mit Wagners „Rheingold“ in der Felsenreitschule wurde zum Triumph. Die Sänger und vor allem die Regie von Kirill Serebrennikov können da nicht mithalten. 

kmm

Salzburg am Tag zwei nach dem dann doch überraschend plötzlichen Ende für Markus Hinterhäuser. „Ab sofort beurlaubt“ hieß es am Donnerstag für den Intendanten der Salzburger Sommerfestspiele. Die brauchen jetzt rasch neue Führung. Springt Mezzo-Star Cecilia Bartoli ein, die ohnehin die Pfingstfestspiele leitet? Oder übernimmt gar Oster-Intendant Nikolaus Bachler?

Natürlich war das auch am Rande von Bachlers aktueller Eröffnungspremiere Stoff für Getuschel. Wenn auch keiner für Gespräche in der Pause – denn eine solche hat Wagners „Rheingold“ nicht. Mit ihm startete nicht nur die Neuproduktion von Wagners „Ring des Nibelungen“-Tetralogie – man feierte auch die Rückkehr der Berliner Philharmoniker nach 13 Jahren.

Ein Ereignis, das förmlich die Freude spüren ließ, dass es endlich wieder der Kunst, der Musik und nicht Querelen ums Wohlverhalten gilt.

Sogar Hollywood-Star und Gelegenheitsopernregisseur Christoph Waltz stand vorfreudig gespannt im Foyer zur Felsenreitschule. Vielleicht holte er sich Inspiration für eine eigene „Ring“-Inszenierung?

Was er in jedem Fall erleben konnte, darf man als ein grandioses, ganz außergewöhnliches Solo für Orchester bezeichnen. Berlins Chefdirigent Kirill Petrenko kennt Wagners Opus magnum seit Jahrzehnten bestens. Auch das Konzertorchester hat das Werk schon einmal unter Simon Rattle bei den Salzburger Osterfestspielen aufgeführt. Gemeinsam haben sie aktuell eine ungemein differenzierte „Rheingold“-Interpretation erarbeitet: Da herrschen herrliche Transparenz und Feinstklang, von der Es-Dur-Ursuppe des Beginns über das Schimmern des Rheingolds bis hin zum Gang über den Regenbogen ins neu erbaute Walhall.

Kirill Petrenko fährt dabei durchaus sparsam und wohldosiert die große Orchestermaschinerie auf, nimmt gerne auch etwas flottere Tempi, vermeidet Pathos, lässt geradezu kammermusikalisch aufspielen.

Das schuldet er wohl auch der relativ unbekannten, jungen oder weniger Wagner-affinen Sängerbesetzung. Dabei gönnt sich als prominentester Sänger Christian Gerhaher einen ersten Wotan-Ausflug. Er entledigt sich der Aufgabe mit großem Anstand, bleibt aber doch mehr König des Kunstliedes als Wagners Göttervater. Die übrige Besetzung ist allzu unausgewogen, zeigt (etwa bei Alberich, Freia, Fricka, den Rheintöchtern) deutliche Schwachstellen.

Auch die Inszenierung von Kirill Serebrennikov, der in eigener Ausstattung die germanische Götterwelt nach Afrika verlegt und zu einer eigenartig hölzernen, grenzkitschigen, wuselnden Ethno-Show umdeutet, überzeugt kaum. Am Ende muss der Regisseur einige Buhs einstecken. Dafür räumen die „Berliner“ und Petrenko ganz groß ab. Ihnen gehört dieser Abend.

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