Karwoche

Heilige Woche: Putzen, trauern und feiern

Kärnten
29.03.2026 15:01

Die berühmteste Hinrichtung der Welt liegt fast 2000 Jahre zurück: die Kreuzigung Jesu. Welche Bräuche heute noch an die Geschehnisse in der Karwoche erinnern und was der Schmerzensmann erreichen wollte.

Die Karwoche – das Althochdeutsche kara steht für Trauer und Klage – beginnt mit Jubel am Palmsonntag: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Statt der Palmblätter haben wir Palmbuschen, die gesegnet werden und im Herrgottswinkel die Hausleute schützen, im Herdfeuer bei Unwetter vor Schaden bewahren und am Acker für reiche Ernte sorgen sollen.

Am Palmsonntag werden in den Kirchen die Palmbuschen gesegnet.
Am Palmsonntag werden in den Kirchen die Palmbuschen gesegnet.(Bild: Pressestelle/Eggenberger)

Am Montag und Dienstag geht Jesus laut Bibel in den Tempel, vertreibt dort die Händler, heilt Kranke, lehrt die Menschen und zieht damit den Zorn der Hohepriester auf sich. Am Mittwoch vereinbart Judas mit den führenden Priestern den Verrat an Jesus.

Putzen, Spinat essen, an das letzte Abendmahl denken
Am Gründonnerstag werden der Tradition nach Haus und Stall geputzt; obwohl der Name des Tages nichts mit der Farbe zu tun hat, sondern von greinen, einem Begriff für klägliches Weinen kommt, essen viele Spinat. Die Glocken fliegen, wie es heißt, nach dem Gloria nach Rom und kehren erst in der Osternacht wieder zurück. Mancherorts wird das Geläute durch Ratschen ersetzt. Die Bibel erzählt vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Danach betet er im Garten Getsemani, wo Judas ihn küsst, damit die bewaffneten Männer wissen, wen sie festnehmen sollen. Der Hohe Rat verurteilt Jesus wegen Gotteslästerung. Am Karfreitag wird Jesus gegeißelt, verspottet und auf Golgota gekreuzigt. Seine letzten Worte lauten: „Es ist vollbracht!“ Und im selben Moment reißt der Vorhang im Tempel entzwei.

„Kreizziachn“ im Mölltal
Den Leidensweg Jesu zeigt das „Kreizziachn“ in Tresdorf im Mölltal als beeindruckende stumme Passion in zwei Teilen am Gründonnerstag und am Karfreitag, jeweils ab 17 Uhr in der und um die Kirche.

Am Karsamstag tragen viele geweihtes Feuer nach Hause; traditionell per Buchenschwamm, aber auch vor der Kirche ans Feuer gehaltene Zündholzschachteln sollen besondere Kraft entfalten. Auf diesem Feuer wird die Osterjause gekocht. Schinken, Würstel, Zungen, Eier, Reindling und mehr werden in den Kirchen gesegnet. Nach altem Brauch werden diese Speisen erst nach der Auferstehungsfeier und nach dem Osterhaufenheizen, also spät in der Nacht auf Sonntag, genossen.

Warum viele Statuen und Andachtsbilder einen schwer verwundeten Christus zeigen
Leidend, aber lebend: Mitleid mit dem Schmerzensmann

Was würde ein Außerirdischer denken, wenn er ohne jedes Wissen um den Glauben, um Heiligenlegenden, um Bibelgeschichten in eine katholische Kirche kommt? Vermutlich wäre er entsetzt: Er sieht überall Folter und Mord; den im siedenden Öl sitzenden Veit, Agatha mit den ihr abgerissenen Brüsten, den kopfüber am Kreuz hängenden Petrus... und den gekreuzigten Jesus.

Nachdem er im 12. und 13. Jahrhundert triumphierend, als strahlender Sieger über den Tod dargestellt wurde, folgen im Spätmittelalter Statuen und Bilder, die Jesus leidend, blutüberströmt, mit den Wunden der Kreuzigung, aber lebend und nicht am Kreuz hängend zeigen. Dieses Motiv der Volksfrömmigkeit soll den Betrachter berühren, zum Mitleiden anregen; er soll die Leidensgeschichte nachvollziehen und besonders andächtig werden.

Dieser Christus-Bildtypus wird Schmerzensmann oder Miserikordienbild genannt. Im Unterschied dazu zeigt das Ecce Homo-Motiv Christus zwar mit Verletzungen der Geißelung, aber ohne die Wundmale der Kreuzigung.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt