Rheingold zum Auftakt

Weltuntergangsstimmung bei den Osterfestspielen

Salzburg
27.03.2026 14:15
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Während die Berliner Philharmoniker bei den diesjährigen Osterfestspielen im Graben ihre Rückkehr nach Salzburg feiern, schickt Regisseur Kirill Serebrennikov die Solisten auf der Bühne ins Verderben. Ein düsterer Start des Festivals mit Wagners „Das Rheingold“.

Die Osterfestspiele starten ungemütlich. Intendant Nikolaus Bachler hat für die Neuproduktion von Wagners „Ring“ Regisseur Kirill Serebrennikov verpflichtet, der bereits letztes Jahr bei den Sommerfestspielen einen düsteren und wuchtigen „Schneesturm“ mit August Diehl auf das Publikum losgelassen hat. Auch zu Ostern wird es wieder eiskalt auf der Festspielbühne.

Aber nicht nur Wagners „Rheingold“, der sogenannte Vorabend zu den drei folgenden Teilen des Zyklus, wird finster. Bis 2030 wird Serebrennikov mit dem gesamten „Ring“ eine Art Weltreise durch die Trümmer der Zivilisation machen. Jeder der vier Teile siedelt auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Jahreszeit.

Island diente als Vorbild für dystopische Kulisse
„Das Rheingold“ startet im Winter in Afrika, das entgegen aller Postkartenvorstellungen nach einer nicht näher definierten großen Katastrophe kahl, fremd und unwirtlich ist. Für die Kulisse dieser Dystopie ist das Künstlerduo „Recycle Group“ zuständig. Andrey Blokhin und Georgy Kuznetsov sind dafür mit ihrem Regisseur sogar nach Island gereist, um die dystopische Atmosphäre in Filmbildern einzufangen, bevor ein einziges Bühnenbild gebaut war. Das Ergebnis, so beschreiben sie es selbst, soll so noch nie gesehen worden sein.

Bariton Leigh Melrose als Alberich
Bariton Leigh Melrose als Alberich(Bild: APA/BARBARA GINDL)
Jess Dandy als Floßhilde mit Debüt bei Osterfestspielen.
Jess Dandy als Floßhilde mit Debüt bei Osterfestspielen.(Bild: SF/Frol Podlesnyi)
Die irische Sopranistin Sarah Brady steht als Freia auf der Bühne.
Die irische Sopranistin Sarah Brady steht als Freia auf der Bühne.(Bild: SF/Frol Podlesnyi)

Ein Neuanfang auf den Trümmern der Kulturen
Die Grundidee der Inszenierung ist gegenüber Wagners Vorstellungen ziemlich radikal: keine Mythen, keine Legenden und schon gar keine nordische Fantasiewelt. Stattdessen geht es in eine ferne Zukunft, in der die Menschheit sämtliche Zyklen moderner Zivilisation schon hinter sich hat und nun langsam wieder ins Primitive kippt. Eine Post-Post-Ära nennt das Kuznetsov, und Serebrennikov selbst spricht von einem Neuanfang auf den Trümmern der Kulturen. Optimismus sieht anders aus, aber den suchte man bereits bei Wagner vergebens. Für die Götter bedeutet dies zu Ostern vor allem schlechte Aussichten.

Chefdirigent Kirill Petrenko kehrt mit den Berliner Philharmonikern nach Salzburg zurück.
Chefdirigent Kirill Petrenko kehrt mit den Berliner Philharmonikern nach Salzburg zurück.(Bild: Monika Rittershaus)

Die musikalischen Aussichten könnten zum Start der Osterfestspiele jedoch kaum besser sein. Und auch das ist dem Intendanten zu verdanken, dem mit der Rückkehr der Berliner Philharmoniker zum Festival eine echte Sensation gelungen ist. Deren Chef Kirill Petrenko bringt einige Erfahrung mit dem „Ring“ mit an die Salzach. Mit noch nicht einmal 30 Jahren zog er die Tetralogie in nur vier Tagen durch und stemmte insgesamt drei Jahre lang Frank Castorfs „Ring“ in Bayreuth.

Rollendebüt für Christian Gerhaher als Wotan
Dagegen steht Christian Gerhaher zum ersten Mal als Wotan auf der Bühne. Ein mit Spannung erwartetes Rollendebüt, da der Bariton zwar Erfahrung mit Wagner hat, sich aber vor allem als Liedsänger einen großen Namen gemacht hat. Die restliche Besetzung folgt laut Osterfestspielen konsequent Serebrennikovs Grundkonzept: Sängerinnen und Sänger aus aller Welt, eine junge Generation Wagner-Stimmen. Wie die nächste Generation unter Petrenko klingt und ob Serebrennikovs Apokalypse wirklich so aussieht wie noch keine vor ihr, das kann man bei den Osterfestspielen in insgesamt drei Vorstellungen erleben.

Larissa Schütz

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