Während die Berliner Philharmoniker bei den diesjährigen Osterfestspielen im Graben ihre Rückkehr nach Salzburg feiern, schickt Regisseur Kirill Serebrennikov die Solisten auf der Bühne ins Verderben. Ein düsterer Start des Festivals mit Wagners „Das Rheingold“.
Die Osterfestspiele starten ungemütlich. Intendant Nikolaus Bachler hat für die Neuproduktion von Wagners „Ring“ Regisseur Kirill Serebrennikov verpflichtet, der bereits letztes Jahr bei den Sommerfestspielen einen düsteren und wuchtigen „Schneesturm“ mit August Diehl auf das Publikum losgelassen hat. Auch zu Ostern wird es wieder eiskalt auf der Festspielbühne.
Aber nicht nur Wagners „Rheingold“, der sogenannte Vorabend zu den drei folgenden Teilen des Zyklus, wird finster. Bis 2030 wird Serebrennikov mit dem gesamten „Ring“ eine Art Weltreise durch die Trümmer der Zivilisation machen. Jeder der vier Teile siedelt auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Jahreszeit.
Island diente als Vorbild für dystopische Kulisse
„Das Rheingold“ startet im Winter in Afrika, das entgegen aller Postkartenvorstellungen nach einer nicht näher definierten großen Katastrophe kahl, fremd und unwirtlich ist. Für die Kulisse dieser Dystopie ist das Künstlerduo „Recycle Group“ zuständig. Andrey Blokhin und Georgy Kuznetsov sind dafür mit ihrem Regisseur sogar nach Island gereist, um die dystopische Atmosphäre in Filmbildern einzufangen, bevor ein einziges Bühnenbild gebaut war. Das Ergebnis, so beschreiben sie es selbst, soll so noch nie gesehen worden sein.
Ein Neuanfang auf den Trümmern der Kulturen
Die Grundidee der Inszenierung ist gegenüber Wagners Vorstellungen ziemlich radikal: keine Mythen, keine Legenden und schon gar keine nordische Fantasiewelt. Stattdessen geht es in eine ferne Zukunft, in der die Menschheit sämtliche Zyklen moderner Zivilisation schon hinter sich hat und nun langsam wieder ins Primitive kippt. Eine Post-Post-Ära nennt das Kuznetsov, und Serebrennikov selbst spricht von einem Neuanfang auf den Trümmern der Kulturen. Optimismus sieht anders aus, aber den suchte man bereits bei Wagner vergebens. Für die Götter bedeutet dies zu Ostern vor allem schlechte Aussichten.
Die musikalischen Aussichten könnten zum Start der Osterfestspiele jedoch kaum besser sein. Und auch das ist dem Intendanten zu verdanken, dem mit der Rückkehr der Berliner Philharmoniker zum Festival eine echte Sensation gelungen ist. Deren Chef Kirill Petrenko bringt einige Erfahrung mit dem „Ring“ mit an die Salzach. Mit noch nicht einmal 30 Jahren zog er die Tetralogie in nur vier Tagen durch und stemmte insgesamt drei Jahre lang Frank Castorfs „Ring“ in Bayreuth.
Rollendebüt für Christian Gerhaher als Wotan
Dagegen steht Christian Gerhaher zum ersten Mal als Wotan auf der Bühne. Ein mit Spannung erwartetes Rollendebüt, da der Bariton zwar Erfahrung mit Wagner hat, sich aber vor allem als Liedsänger einen großen Namen gemacht hat. Die restliche Besetzung folgt laut Osterfestspielen konsequent Serebrennikovs Grundkonzept: Sängerinnen und Sänger aus aller Welt, eine junge Generation Wagner-Stimmen. Wie die nächste Generation unter Petrenko klingt und ob Serebrennikovs Apokalypse wirklich so aussieht wie noch keine vor ihr, das kann man bei den Osterfestspielen in insgesamt drei Vorstellungen erleben.
Larissa Schütz
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.