Der Weg schmal, der Untergrund uneben, ein falscher Schritt: Eine Verletzung beim Wandern passiert oft fern von Straßen und schneller Hilfe. Wer hier verletzt ist, kann sich oft nicht selbst versorgen und auch für Ersthelfer ist die Situation ungewohnt. Die Experten Georgia Praska (Rotes Kreuz) und Harald Radschopf (Samariterbund) klären auf, was zu tun ist.
Unfälle im freien Gelände stellen Helfer vor besondere Herausforderungen. Anders als im Straßenverkehr sind Einsatzkräfte oft nicht sofort vor Ort, das Gelände ist unübersichtlich und die Versorgung erschwert. Umso wichtiger ist es, die Situation richtig einzuschätzen, den Verletzten zu sichern und gezielt Hilfe zu organisieren.
Optimal vorbereiten
Prinzipiell gilt: Bei Aktivitäten im Freien sollte man sich bestmöglich darauf vorbereiten. Das gilt vor allem auch für die Kleidung. Doch selbst gutes Schuhwerk schützt beispielsweise nicht davor, bei einem falschen Schritt umzuknicken oder bei einem Sturz eine Kopfverletzung zu erleiden. Prinzipiell gilt: Ruhe bewahren! „Im Gelände haben wir selten Erste-Hilfe-Material mit, aber man kann mit einfachen Mitteln trotzdem gut helfen“, erklärt Praska.
Noch bevor man losmarschiert, sollte man sich noch einmal die Notrufnummern ins Gedächtnis rufen. 144 für die Rettung, 140 für die Bergrettung und 112, der Euronotruf. Letzterer gewinnt vor allem dann an Bedeutung, wenn das eigene Netz nicht verfügbar ist. Die 112 funktioniert nämlich unabhängig vom Anbieter, auch eine SIM-Karte oder ein entsperrtes Handy ist nicht notwendig.
Stabilisieren, nicht bewegen
Eine der häufigsten Verletzungen bei Outdoor-Aktiv ist eine Verletzung des Fußes oder des Sprunggelenks – von der Verstauchung bis zum Bänderriss. „Wichtig ist, den Verletzten in eine angenehme Position zu bringen, den Fuß zu stabilisieren und ihn nach Möglichkeit nicht mehr zu bewegen“, erklärt Radschopf. Die betroffene Stelle kann beispielsweise mit Wasser aus einem Bach gekühlt werden, um die Schwellung zu lindern. Ist an einen eigenständigen Abstieg auch nach einer Rast nicht zu denken, ist der Notruf zu wählen.

Auch blutende Wunden können bei einer Wanderung nicht ausgeschlossen werden, etwa durch einen Sturz oder eine andere Unaufmerksamkeit. Harmlosere Schürfwunden sollten zumindest mit sauberem Wasser gereinigt und von einem Pflaster abgedeckt werden. Größere Wunden werden ähnlich versorgt. Sieht sich der Verletzte außerstande, selbstständig zurückzukehren, ist auch hier der Notruf zu wählen. Besondere Vorsicht ist bei Kopfverletzungen geboten.
Unterschätzt wird bei Wanderungen in der wärmeren Jahreszeit gerne auch die Sonne, die zu Sonnenstich oder Hitzschlag führen kann. Vor allem dann, wenn Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichend Trinken zu Hause geblieben sind. Schwindel und Kopfschmerzen sind mögliche Vorboten, Erbrechen, eine erhöhte Körpertemperatur und Bewusstseinstrübungen können die späteren Folgen sein. Betroffene sollten in den Schatten gebracht und vor weiterer Hitzeeinwirkung möglichst geschützt werden. Bei Kreislaufproblemen können die Beine hochgelagert werden, ist das Bewusstsein eingetrübt, ist die stabile Seitenlage zu wählen, die Atmung ist zu kontrollieren, bis die Rettung eintrifft.
Folgendes Notfall-Set sollte man bei Wanderungen mit sich führen: sterile Wundverbände in verschiedenen Größen, Pflaster, Blasenpflaster, Dreieckstuch, Leukoplast, Wunddesinfektion, Verbandsschere, Einmalhandschuhe
„Du kannst auch ohne professionelle Ausrüstung gut helfen. Im besten Fall hast du aber natürlich immer ein Erste-Hilfe-Set dabei“, betonen Praska und Radschopf.
Ziel dieser „Krone NÖ“-Serie ist es, Menschen die Scheu davor zu nehmen, Erste Hilfe zu leisten. „Unfälle können überall passieren, jederzeit und plötzlich“, weiß Praska. „Denke daran, du kannst nichts falsch machen, außer nichts zu tun“, ergänzt Harald Radschopf vom Samariterbund.
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