Das Wien Museum widmet sich einem Thema, das jeder in der Stadt kennt: der Donauinsel. Genau deshalb blickt die Schau auf verborgene Ecken der Insel und ihrer Geschichte. Was der stadtprägende Streifen am Wasser heute ist, sei „weder geplant noch vorhersehbar“ gewesen, argumentiert die Ausstellung.
Es war ein verheerendes Hochwasser im Jahr 1954, das Wiens Gesicht in den letzten 150 Jahren am nachhaltigsten verändert hat – aber nicht, weil Teile der Brigittenau und der Leopoldstadt damals bis zu einem halben Meter unter Wasser standen, sondern weil klar wurde: Die Stadt braucht noch mehr Hochwasserschutz. Auch diese Initialzündung für die Donauinsel zeichnet die Wien-Museum-Schau „Die Donauinsel – 21 Kilometer Freiraum“ nach.
Ungeliebte „Spaghetti-Insel“
Von Ideen für einen städtischen Naherholungsraum war damals freilich keine Rede, im Gegenteil: Nur mit den Stimmen der SPÖ und FPÖ wurde schließlich 1969 beschlossen, das damalige Überschwemmungsgebiet neben der Donau durch eine neue Donaurinne mit einem Landstreifen dazwischen zu ersetzen. Noch bis in die 1970er forderte die ÖVP, man solle bloß die bestehenden Dämme erhöhen, und hatte dabei weite Teile der Bevölkerung auf ihrer Seite.
Als „Spaghetti-Insel“ und „Pissrinne“ wurde das Projekt auch in der Bevölkerung verspottet: Sie hatte sich schon über 100 Jahre an die „wilde Wiese“ neben der Donau gewöhnt und zum Spazieren, Drachensteigen, aber auch als recht anarchistisch angehauchten Freiraum ohne Regeln – bis hin zu kriminellen Aktivitäten – genützt. Dass die Insel eine neue Art Erholung bieten sollte, war zu Baubeginn 1972 noch nicht geplant: Erst ein Jahr später startete der Ideenwettbewerb dazu und war erst 1977 abgeschlossen.
Lieber Badeplätze als Weltausstellung
Dass die Insel schon Gestalt angenommen hatte, als die Ideen dazu vorgelegt wurden, entpuppte sich zum Teil als Glücksfall: Die Natur hatte Teile des Areals schon für sich erobert, was bei der naturnahen Gestaltung der Insel-Ausläufer die Richtung vorgab. Die Eigensinnigkeit der Wiener spielte eine ebenso große Rolle: Ohne ihr Nein zur geplanten Weltausstellung per Volksabstimmung 1995 wären weite Teile der Insel verbaut worden.
Die Ausstellung widmet sich aber nicht nur der Geschichte der Insel, sondern auch – mit jeweils unterschiedlichen Leitfarben in den Ausstellungsräumen für unterschiedliche Themen – ihrer Bedeutung als Lebensraum für Fauna und Flora und erklärt genau, wie sie weiterhin vor Hochwasser schützt. Und nicht zuletzt bekommen die „Donauinsulaner“ selbst eine Stimme: durch zehn ausgewählte Porträts, die ein Spiegelbild von rund 200.000 Wienern – und damit jedem Zehntem in der Stadt – bieten sollen, die an Sommertagen oft die Insel bevölkern.
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