Vor über 30 Jahren sank das sowjetische Nuklear-U-Boot K-278 Komsomolez nach einem Brand an Bord in die Tiefen des Nordmeers – mitsamt ihrem Reaktor und zwei nuklearen Torpedos. Jahrzehnte später zeigen Untersuchungen: Der Reaktor des Wracks leckt immer noch radioaktive Stoffe.
Das Wrack liegt in rund 1680 Metern Tiefe, wo der immense Wasserdruck und die Dunkelheit menschliche Eingriffe extrem erschweren. Bereits in den 1990er-Jahren wurde die Umgebung überwacht, nachdem das U-Boot stark beschädigt am Meeresboden lag.
1994 führte Russland Arbeiten durch, um den Torpedoraum abzudichten und die Wassereinströmung zu reduzieren. Laut einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) sind diese Abdichtungen bis heute intakt.
Sichtbare Strahlung aus der Tiefe
Im Jahr 2019 setzte ein Team norwegischer Wissenschaftler dann ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug (ROV) ein, um das Wrack umfassend zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen nun: Aus dem Reaktor treten weiterhin radioaktive Plumes (aufsteigende Ströme) aus, die zeitweise sichtbar sind.
Messungen ergaben, dass die Konzentration des radioaktiven Cäsiums 137 in unmittelbarer Nähe kurzzeitig bis zu 800.000 Mal höher lag als in normalem Meerwasser des Nordmeers. Strontium 90 war bis zu 400.000 Mal stärker konzentriert.
Radioaktive Waffen blieben unversehrt
Die beiden an Bord befindlichen nuklearen Torpedos sind hingegen unbeschädigt und geben keine Strahlung ab. Auch die Korrosion des Reaktors hat bisher nur lokal begrenzte Auswirkungen gezeigt. Sediment- und Lebewesenproben aus der Umgebung wiesen nur minimale Radioaktivitätswerte auf.
„Die freigesetzten Radionuklide verdünnen sich schnell im Wasser, sodass bislang kein Einfluss auf das umliegende Ökosystem nachweisbar ist“, schreiben die Forscher. Damit gehen sie auch davon aus, dass die großen Fischbestände in diesem Seegebiet derzeit nicht gefährdet sind.
Wrack bleibt langfristiges Risiko
Trotz dieser beruhigenden Befunde bleibt das Wrack ein langfristiges Risiko. Der Reaktor wird weiter korrodieren und gelegentlich Strahlung freisetzen. Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die Mechanismen der Freisetzung besser zu verstehen und mögliche zukünftige Risiken einzuschätzen.
Die Komsomolez liefert damit wertvolle Erkenntnisse über die Folgen von Atomunfällen unter Wasser – nicht nur für das Nordmeer, sondern auch für andere Regionen der Arktis und für die Sicherheit von nuklear betriebenen Schiffen weltweit.
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