Die Romanze zweier Pensionisten endete vor dem Schwurgericht. Der Mann (73) soll versucht haben, die Angebetete zu ermorden. Darauf stehen bis zu 20 Jahre Haft. Er spricht von einem Gerangel, bei dem sich ein Schuss löste, und wird nach 13-stündiger Verhandlung freigesprochen.
Um kurz darzustellen, wie schwer schwerhörig der Angeklagte ist: Auf die Frage „Wie entsichert man ein Gewehr?“ kommt nach langen Sekunden die Antwort „Katze.“ Es muss also recht laut zugehen im Eisenstädter Schwurgerichtssaal.
Kennengelernt haben einander der 73-jährige Südburgenländer und die erheblich ältere Dame im Sommer 2022 bei einem Pensionistenwandertag. Es hat sofort gefunkt, zumindest bei ihm. „Der Mann wurde immer aufdringlicher, fuhr jeden Tag hin und wollte sogar sein Haus verkaufen, um bei ihr einziehen“, sagt der Staatsanwalt. „Doch sie hatte nur Interesse an Freundschaft, und nicht an einer Liebesbeziehung.“ Sätze wie „Ich kann nichts mehr essen, so sehr liebe ich dich“ oder „Ich gebe mir die Kugel, wenn ich nicht bei dir sein darf“ blieben ungehört.
Geladenes Gewehr im Garten der Frau versteckt
Nach dem Schlussstrich pirschte sich der 73-Jährige in den Garten der Frau und deponierte dort sein entsichertes Gewehr mit angestecktem Magazin. „Ich musste meine schwer kranke Katze erschießen. Dann war es mir zu heikel, die Waffe im Auto zu lassen, Ich hatte Angst vor einem Planquadrat,“ Das Versteck war schlecht gewählt, die Frau entdeckte das Gewehr und legte es in der Bauernstube unter den Tisch.
Am 20. September 2025 tauchte der 73-Jährige auf der Terrasse auf. Er wollte eine Aussprache, sie ließ ihn nicht ins Haus. „Ich sah durch die Scheibe, dass dort mein Gewehr lag.“ Er schob die Frau unsanft beiseite und hob es auf. Von da an gibt es zwei Sichtweisen.
„Auch sie hätte den Abzug betätigen können“
Der Mann sagt: „Sie wollte mir das Gewehr aus der Hand reißen. Sie griff mit beiden Händen zu. Es entwickelte sich ein Gerangel. Dann löste sich ein Schuss. Ich weiß nicht, wer den Abzug betätigt hat, das hätte auch sie sein können. Wie und von wem die Waffe entsichert wurde, ist mir heute noch ein Rätsel.“ Und weiter: „Ich bin mit Sicherheit kein kaltblütiger Mörder. Ich hätte sie auch niemals verletzen wollen, dafür hatte ich sie viel zu gern.“
Grobe Erinnerungslücken im Zeugenstand
Die Frau hatte bei der Polizei gesagt: „Er stand mir gegenüber und hat aus der Hüfte auf mich geschossen, die Waffe auf den Tisch gelegt und ist geflüchtet.“ Gestern taten sich bei ihrer Aussage grobe Erinnerungslücken auf. Fix scheint einzig: „Es hat kein Gerangel gegeben.“ Übrigens bedauere sie, dass der Mann in U-Haft sitze: „Ich verzeihe ihm.“
Ex-Berufssoldat bildete Schützen auf Zypern aus
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Pensionist in den 1970er-Jahren als Berufssoldat auf Zypern stationiert war. „Ich kenne mich mit fünf Waffengattungen sehr gut aus.“
Die Distanz zum Ziel soll lediglich eineinhalb Meter betragen haben. Das Projektil steckte im Türrahmen ...
Nach 13 Verhandlungsstunden wird das Urteil der acht Geschworenen verkündet: Der Unbescholtene wird vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Diese Entscheidung fiel mit 4:4 Stimmen denkbar knapp aus. Schuldig ist er hingegen wegen der Gefährdung körperlicher Sicherheit – fünf Monate bedingt. Nicht rechtskräftig.
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