Osttiroler überzeugend

Historisch! Gall beendet Giro d’Italia als Zweiter

Sport-Mix
31.05.2026 23:59
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Jetzt ist es offiziell: Felix Gall hat den Giro d’Italia 2026 auf Platz 2 beendet und ist durch seinen ersten Podestplatz bei einer Grand Tour in neue Sphären vorgestoßen! Der Osttiroler musste sich nur dem souveränen Gesamtsieger Jonas Vingegaard (Visma) aus Dänemark geschlagen geben, der mit einem Vorsprung von 5:22 Minuten auf den Decathlon-Kapitän seinen ersten Giro-Triumph bejubelte. Den Tagessieg auf der 21. und letzten Etappe der 109. Italien-Rundfahrt in Rom holte sich Lokalmatador Jonathan Milan im Massensprint.

Gall radelte bei den Bergankünften fünfmal auf den zweiten Tagesrang, nur Vingegaard war stets unantastbar. Der 29-Jährige vollendete nach den Erfolgen bei der Tour de France (2022, 2023) und der Vuelta (2025) seine Grand-Tour-Trophäensammlung. Dieses Kunststück war erst sieben anderen Radprofis (Jacques Anquetil, Felice Gimondi, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Alberto Contador, Vincenzo Nibali und Chris Froome) zuvor gelungen. „Es ist toll und etwas, wovon ich mein ganzes Leben geträumt habe“, sagte ein emotionaler Vingegaard, der auf dem Podium mit seinen beiden kleinen Kindern in Rosa feierte. „Es ist ein spezieller Tag für mich.“

Vingegaards großem Dauerrivalen Tadej Pogacar, der in diesem Jahr nicht beim Giro dabei war, fehlt noch der Erfolg bei der Vuelta. Die beiden treffen erst wieder bei der am 4. Juli beginnenden 113. Auflage der Tour de France beim Grand Depart in Barcelona aufeinander. Gall wird auf die Tour verzichten und bei der Vuelta wieder angreifen, für das Decathlon-Team will der französische Shootingstar Paul Seixas (19) für eine Überraschung sorgen.

„Es waren wirklich drei perfekte Wochen!“
Gall, der außerdem den vierten Platz in der Bergwertung belegte, fuhr indes das beste Ergebnis eines Österreichers bei den drei großen Rad-Rundfahrten ein. Die bisherige Bestmarke hatte Adolf Christian mit einem dritten Gesamtplatz bei der Tour de France 1957 inne. „Das war das große Ziel, am Podium zu stehen. Dass es gleich mit dem ersten Anlauf so gut klappt, hätte ich mir nicht gedacht“, sagte das rot-weiß-rote Aushängeschild zufrieden. Der Moment auf dem Podium sei ein ganz besonderer gewesen. „Es waren wirklich drei perfekte Wochen.“

Auch Edelhelfer Mühlberger in den Top-15
Hinter Gall, der im Vorjahr bei der Tour de France den fünften Platz eingefahren hatte, komplettierte der frühere Giro-Sieger Jai Hindley (+6:25 Min./Red Bull) das Podium. Mit Gregor Mühlberger, Galls Freund und Edelhelfer, auf Platz 15 (+23:53) durfte sich ein weiterer Österreicher über ein starkes Resultat freuen. „Danke Meister!!!“, schrieb Gall seinem Decathlon-Kollegen auf Instagram.

Für Gall steht nun ein kurzer Urlaub mit Freundin Maya in der italienischen Hauptstadt auf dem Programm, wo er den Erfolg genießen will. „Geplant habe ich jetzt erst einmal eine renn- und radfreie Zeit“, erklärte der 28-Jährige aus Nußdorf-Debant. Er habe jedenfalls physisch und auch dank der Erfahrung der letzten Jahre einen Schritt nach vorne gemacht. „Wir haben wirklich alles gegeben. Ich bin extrem glücklich und stolz auf diesen zweiten Platz.“

Auf dem letzten Teilstück über 131 Kilometer durch die Ewige Stadt wurde die Spitze traditionellerweise nicht mehr ernsthaft attackiert. In der Schlussphase präsentierte sich mit Tobias Bayer (Alpecin) auch der dritte Österreicher beim Giro in einer zweiköpfigen Ausreißergruppe, die aber keine Chance auf den Etappensieg hatte. Zeitfahr-Spezialist Filippo Ganna versuchte ebenfalls sein Glück, wurde aber auch eingeholt. Im Sprint feierte Lidl-Profi Milan den ersehnten ersten Tagessieg bei dieser Ausgabe.

Tour de France bleibt das Traumziel
Was Gall anbelangt, ist der nun offiziell herausgefahrene zweite Platz hinter Vingegaard definitiv ein Zukunftsversprechen. Das Podium auch einmal bei der Tour zu erklimmen, ist für den Junioren-Weltmeister von 2015 durch den bravourösen Giro realistischer geworden. „Die Tour ist eben die Tour“, betonte Gall in Italien und stellte gleichzeitig klar, dass das Giro-Podium über seinen fünften Tour-Rang 2025 zu stellen sei. Ob er kommendes Jahr zur Grande Boucle zurückkehrt, bei der sein Stern 2023 mit dem Sieg auf der Königsetappe aufgegangen war, hängt auch von einem 19-jährigen Franzosen ab.

Denn sein Teamkollege Seixas ist einer der kommenden Superstars, der im Juli für den mit vielen Sponsormillionen des Logistik-Unternehmens CMA CGM deutlich aufgerüsteten Decathlon-Rennstall bei seinem Tour-Debüt für Furore sorgen soll. Aufgrund der künftig möglicherweise strittigen Tour-Kapitänsrolle ist es denkbar, dass Gall nach Auslaufen seines aktuellen Vertrages Ende des Jahres einen Teamwechsel vollzieht.

Verbleib im Team mit Supertalent Seixas?
An Angeboten von anderen Toprennställen mit der Aussicht auf die alleinige Führungsrolle bei der Tour wird es nach seinem starken Giro nicht mangeln. Dennoch ist sein Verbleib bei den Franzosen, für die er seit 2022 fährt, durchaus wahrscheinlich. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er sich beim mittlerweile zur obersten Etage gehörenden Team pudelwohl fühlt und mit Mühlberger einen Freund als Vertrauensperson um sich hat. Das heuer deutlich erhöhte Teambudget ermöglicht Gall eine perfekte Rundumversorgung mit Top-Personal in allen Bereichen. Und hochkarätige Mannschaftskollegen sind für einen Rundfahrer genauso unerlässlich wie das eigene Können.

Zeitfahr-Schwäche als einziges Manko
Galls Möglichkeiten auf dem Rad sind noch nicht voll ausgeschöpft. Bergauf macht ihm kaum noch jemand etwas vor, im Zeitfahren hat er aber immer noch beträchtliche Probleme. Um in Zukunft eine (große) Rundfahrt gewinnen zu können, wird Gall aber verstärkt daran arbeiten müssen. Denn alle Topstars haben ihm im Kampf gegen die Uhr einiges voraus. Schwierigkeiten bekundet Gall gelegentlich auch in besonders gefährlichen Abfahrten.

Seine vorsichtigere Fahrweise bewahrte ihn aber wohl schon vor so manchem Crash samt schwereren Verletzungen – ein solcher wurde beim Giro seinem potenziellen Podestkonkurrenten Adam Yates zum Verhängnis. In die Karten spielten Gall auch die kurzfristigen Absagen mehrerer Asse wie Joao Almeida und allen voran das Fehlen von Superstar Tadej Pogacar. Den dominanten Topstar wird Gall heuer möglicherweise aber noch bei der Vuelta wiedersehen.

Das Ergebnis der 21. Etappe:
1. Jonathan Milan (ITA) Lidl 3:05:50 Std.
2. Giovanni Lonardi (ITA) Polti
3. Paul Penhoet (FRA) FDJ
Weiters:
32. Tobias Bayer (AUT) Alpecin
34. Felix Gall (AUT) Decathlon
35. Gregor Mühlberger (AUT) Decathlon – alle gleiche Zeit

Der Stand in der Gesamtwertung:
1. Jonas Vingegaard (DEN) Visma 83:22:51 Stunden
2. Felix Gall (AUT) Decathlon +5:22 Min.
3. Jai Hindley (AUS) Red Bull-Bora +6:25
Weiters:
15. Gregor Mühlberger (AUT) Decathlon +23:53
80. Tobias Bayer (AUT) Alpecin +4:00:21 Std.

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