Angesichts der anhaltenden Welle der Empörung über die Nichtverlängerung des Vertrages von Stephanie Gräve hat sich am Montag Franz Salzmann, Mitglied des Aufsichtsrates des Vorarlberger Landestheaters, zu Wort gemeldet. In einem „offenen Brief“ verteidigte er die Entscheidung des Gremiums gegen den Vorwurf der Willkür. Die Beschlüsse seien nicht leichtfertig, sondern aus der Verantwortung für die Belegschaft, das allgemeine Betriebsklima und die Qualität der innerbetrieblichen Abläufe heraus gefallen.
Vertrag endet regulär nach zehn Jahren
Salzmann unterstreicht in seinem Schreiben noch einmal das Faktum, dass der Vertrag der Intendantin nicht vorzeitig aufgekündigt worden ist. Vielmehr laufe dieser nach einer zehnjährigen Amtszeit regulär aus, was in der Branche durchaus nicht unüblich sei. Unüblich sei jedoch, dass eine Intendantin eine Nichtverlängerung als „Rausschmiss“ stilisiere und eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit einer öffentlichen Kampagne einfordere.
Spielplan und Finanzen nicht der Grund
Die Gründe für das Vertragsende seien nicht in der künstlerischen oder finanziellen Leistung zu suchen. Anders als behauptet, habe der Aufsichtsrat den Spielplan nicht beanstandet – das hätte es während seiner 20-jährigen Mitgliedschaft grundsätzlich noch nie gegeben. Auch den Vorwurf, das Landestheater sei finanziell ausgetrocknet worden, lässt er nicht gelten – so habe Gräve über Jahre hinweg Budgetmittel in der Höhe von „vielen, vielen Hunderttausenden Euro“ nicht ausgeschöpft.
Interne Defizite gaben den Ausschlag
Die Entscheidung des Aufsichtsrates basiere vor allem auf der Innensicht des Theaterbetriebs, welche der Öffentlichkeit in der Regel verborgen bleibe. Zu den Aufgaben des Gremiums zähle aber nun einmal die Bewertung von internen Aspekten wie dem Personalmanagement, den Produktionsabläufen und der internen Kommunikation. In die Gesamtbeurteilung wären etwa die internen Berichte der Geschäftsführung und des Betriebsrats eingeflossen – und dabei seien „Defizite, über die man nicht hinwegsehen kann“ festgestellt worden, so Salzmann. Deutlicher dürfe man dies öffentlich nicht sagen.
Zweifel an Unterstützung und interne Stimmung
Die lange Liste der Fürsprecher für eine Vertragsverlängerung sieht Salzmann kritisch. Er vermutet, dass viele Unterstützer von außerhalb das Theater nie von innen gesehen hätten. Zudem würden sich darunter auch Theater-nahe Gruppen befinden, die ihre Informationen zur Lagebeurteilung fast ausschließlich über die Intendantin selbst erhielten. Aussagekräftiger sei die interne Stimmung: Von den 20 auf der Theater-Webseite gelisteten künstlerischen Mitarbeitern aus dem Nahbereich der Intendantin, das Ensemble ausgenommen, habe nur jeder Vierte die Petition unterzeichnet.
Irritation bei anderen Bühnenleitungen
Die öffentliche Debatte hat am Montag auch die Intendantinnen und Intendanten der österreichischen Landes- und Städtetheater auf den Plan gerufen. In einer gemeinsamen Mitteilung, die unter anderem über die Oper Graz verbreitet wurde, äußerten sie sich „sehr irritiert“. Die Kritik richtet sich aber nicht gegen den Beschluss per se, sondern gegen die Art und Weise der Kommunikation und die Tatsache, dass interne Bewertungskriterien öffentlich gemacht worden seien.
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